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Amt Temnitz „Der schlaue Urfin“ feierte Premiere
Lokales Ostprignitz-Ruppin Amt Temnitz „Der schlaue Urfin“ feierte Premiere
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20:18 07.07.2018
Am Ende tanzt die ganze Holzarmee mit der rosaroten Fee Stella. Elli und ihre Gefährten haben dem Aufrührer Urfin das Handwerk gelegt. Quelle: Regine Buddeke
Netzeband

„Mein Name ist Juice – Urfin Juice“, tönt der Bösewicht in bester James-Bond-Manier und zückt dabei die Kettensäge, dass die Zuschauer in den ersten Reihen zurückweichen. Nun gut, die meisten lachen eher amüsiert. Im Stück „Der schlaue Urfin und seine Holzsoldaten“ geht es bei aller Spannung doch überwiegend lustig zu. Egal ob die beiden Krähen Kaggi und Karr am kreischenden Streiten sind, der Scheuch in gespielter Verzweiflung die Tränen kullern lässt, weil er sich einfach nicht merken kann, dass nach der Eins, Zwei und Drei die Vier kommt und nicht die Sechs.

Zwei Jahre lang spielte das Theatersommer-Ensemble den „Zauberer der Smaragdenstadt“. In diesem Jahr hat Christine Hofer die Fortsetzung der Wolkow’schen Zauberland-Saga auf die Bühne gebracht: „Der schlaue Urfin und seine Holzsoldaten“. Zur Premiere kamen gut 150 Gäste.

Wenn der Löwe heiße Luft brüllt, der Holzfäller mit seinem letzten Atemzug vor dem völligen Einrosten nach dem Ölkännchen brüllt. Oder wenn Prem Kokus, der Chef der blitzblauen Käuer, klagt, dass ihm die „Sss-lag-Sssahne sauer“ wird, wenn Urfin ihn jetzt hier noch länger festhält. Denn dieser Bösewicht hat die Gabe, dass alles, was er anfasst, ebenso giftig wird, wie er selbst. Weil Urfin die Menschen hasst, versucht er, sie sich zu unterwerfen. Dabei ist ihm jedes Mittel recht.

Sie alle sind Helden des Stücks – viele kennt man bereits aus der Produktion der vergangenen beiden Jahre. Regisseurin Christine Hofer, bekennender Wolkow-Fan, hat bereits den ersten Teil der Zauberland-Saga um Elli und ihre Abenteuer gestemmt und in diesem Jahr frisch-fröhlich die Fortsetzung auf die Bretter – respektive den Waldboden des Netzebander Gutsparkes – geknallt. „Ich bin total aufgeregt“, bekennt sie vor der Premiere. Es sind diesmal so viele Kinder am Set, da weiß man nie, ob alles klappt.“

Die 150 Premieren-Gäste merken von all der Aufregung wenig. Allzu viele Kinder sitzen gar nicht im Publikum. Das liegt wahrscheinlich daran, dass die Erwachsenen die eigentlichen Fans sind, weil sie die Bücher von Alexander Wolkow in ihrer Kindheit verschlungen haben, mutmaßt Christine Hofer, die mit Dirk Seesemann einen fantasievollen Ausstattungsleiter an ihrer Seite hatte. Robert Vogel und Benny Schulte zeichneten für die Percussioninstrumente, mit denen die Holzarmee den Wald zum Klingen bringt.

Das Familienstück ist spannend und zugleich lustig

Zugegeben, die Holzsoldaten sehen weniger martialisch aus, als sie in der Buchvorlage gezeichnet sind. Aber natürlich ist es nahezu unmöglich, Jungdarsteller im Grundschulalter in hölzerne Riesen mit grimmiger Türsteher-Miene zu verwandeln. Und genau das ist das Markenzeichen des Familienstücks beim Netzebander Theatersommer. „Jeder darf mitmachen“, hat Christine Hofer gesagt und sich daran gehalten. Für die Zwerge ist es ein Vergnügen, auf der Bühne zu agieren.

Mit Feuereifer gehen sie an ihre Aufgabe heran – spielen Käuer und Smaragdenstädter und die Holzsoldaten und stecken zu mehreren unter einer Decke, wenn es darum geht, den übermannsgroßen Sechsfüßler zum Leben zu erwecken.

Netzeband-Kenner wissen: aus dem ein oder anderen wird nach ein paar Jahren beim Theatersommer auch einmal ein Hauptdarsteller. So haben Laien der Region bereits als Gretchen oder junger Faust agiert – obwohl im Stamm-Team auch stets ein paar Profi-Schauspieler mitmischen. Ein schönes Miteinander, das gut funktioniert. Wie man sieht, auch beim schlauen Urfin. Recardo Koppe spielt ihn aufbrausend-furios. Er fegt über die Bühne wie ein Derwisch, mit fabulöser Mimik.

Die Figuren und Kostüme sind farbenprächtig und fantasievoll

Uschi Schneider hat als Weiser Scheuch ohnehin schon ihre Fangemeinde und wenn Andreas Klein als Eiserner Holzfäller den Vortänzer macht, kann man getrost den Hut ziehen. Friederike Fink ist eine sehr präsente listige Eule und auch die alten Netzeband-Hasen Johannes Berger und Stefan Schreiber verleihen ihren Figuren, Din Gior und Ruf Bilan, sehr eingängige Charaktere. Daria Moncio – Nibelungenring-Trägerin des Vorjahres – gibt der Elli mit viel Spielwut ihr großes Schauspiel-Herz – genau wie alle anderen des Ensembles. Entsprechend begeistert ist auch der Schlussapplaus.

„Hat mir sehr gut gefallen – es wahr sehr aktiv. Die Kostüme waren toll und der Spaß absolut ansteckend“, sagt Klaus Schaefer aus Berlin, der mit seiner Frau Steffi zum ersten mal beim Theatersommer ist. Die Wolkow-Bücher haben beide selbstredend gelesen und geliebt. „Schön, dass hier Jung und Alt zusammen spielen“, lobt er und schwärmt vom wunderbaren Ambiente des Gutsparkes. „Wir sind mit Sicherheit nicht das letzte Mal hier“, sind sich beide einig.

„Überragend, wirklich schön“, lobt auch Familie Neldner. Die beiden Thüringer verbringen gerade ein kinderfreies Wochenende in der Mark und haben von der Premiere aus dem Internet erfahren.

Die nächsten Vorstellungen sind am 8., 15., 22. und 29. Juli und am 5., 12., 19. und 26. August – immer 15 Uhr. Karten gibts unter: 033931/3 49 40.

Von Regine Buddeke

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