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Amt Temnitz Tastenzauberer Holger Mantey spielte im Schloss
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12:16 05.11.2018
Mit Handpan am Klavier: Holger Mantey begeisterte mit virtuosen Klassiker-Adaptionen und eigenen Stücken im Schloss Vichel. Quelle: Regine Buddeke
Vichel

Noten? Niemals! Obschon: Holger Mantey hat natürlich seinerzeit ein ganz klassisches Klavier-Studium an der Berliner Musikhochschule Hanns Eisler absolviert. Und das hört man seinen Stücken auch durchaus an. Sein Markenzeichen ist indes, so verrät er, die klassischen Originale mittels einfallsreicher Improvisationen zu verändern. Man könnte sagen, er mache sich die Klassiker noch schöner. „Ich verziere, verwebe, verschmelze auch unterschiedliche Stücke – und das ist gewollt“, so erklärt es der Pianist den Gästen im fast vollen Saal des Schlosses Vichel, in das Jürgen Duffner wie jeden Monat zu Kaffee und Kultur eingeladen hat. Die Bewohner der umliegenden integrativen Wohnprojekte sind dabei ohnehin gern und neugierig zu Gast und auch viele andere Besucher wissen um die Qualität der von Duffner eingeladenen Musiker.

Holger Mantey hat in Berlin klassisches Piano studiert

Manteys Mission: Die schönen Stücke immer anders klingen zu lassen. Dazu ergänzt er sein Programm mit eigenen Kompositionen, die er genauso virtuos aus den Tasten zaubert wie die improvisierten Klavierklassiker. Auch deswegen nennt er sich Geschichtenerzähler am Flügel. Und mit der selbstgeschriebenen „Geschichte der sieben Wellen“ fängt er an.

Schon ihm beim Spielen zuzusehen, ist ein Genuss. Mantey spielt mit dem gesamten Körper. Er krümmt sich über dem Manual, unablässig ist sein linker Fuß in wippender Bewegung, die Hände schweben nach einem Glissando wie Vögel in die Luft. Und die Finger? Nicht zu fassen – mal tupfen sie die Tasten so zart wie Schmetterlinge, mal rasen sie dahin wie eine Herde flüchtender Tiere und lassen Tonkaskaden aus dem Piano stieben wie Wasserfontänen.

Bei manchen Stücken klemmt er sich eine Handpan – eine kleine spezielle Trommel – aufs Knie und bedient diese als Klangkontrast gleich mit. Das ist allein der sphärischen Klangfarbe wegen ein Genuss und überdies die hohe Drummerschule: allein den Spagat zwischen abwechselnder Fingerarbeit auf den Tasten und der hohlen Hand auf der Handpan nötigt Respekt ab. Und das Ganze mit zwei unabhängig voneinander agierenden Händen und in prestissimo.

Er arrangiert die Klassiker gern zu neuen Werken

Was Holger Manteys Konzerte ebenso unverwechselbar macht, sind seine originellen Ansagen. Schlichte Moderation? Bloß nicht: Mantey dichtet sie zuweilen – in schönem alten Stil der Dichterklassiker – aber mit dem Wortwitz eines Georg Kreisler. Etwa die zu Chopins Etüde Opus 25 No. 2, wo ihm ein Hörer gesagt hätte: Schön und gut, aber wie wäre es, das Ganze noch mit Impro-Ethno-Jazz um eine ganze Horde Töne zu bereichern – ein vielleicht fataler aber keineswegs banaler Klang. Das alles in feinen Reimen. Und danach gespielt. Herrlich.

Ein eigenes Stück folgt – lyrisch-verträumt, mal bitter-süß, mal überbordend voll Emotionen. Dann geht er in medias res: „Es gibt nur ein Instrument, das schlimmer ist als Blockflöte“, ulkt er verschmitzt und zückt seine Kastagnetten, die er in einem Ramschladen gekauft hat. Er würde damit gern die Opernlandschaft revolutionieren, wenn man ihn denn lasse. Ganz ohne Orchester und Opernsänger könne man da mühelos sparen, sagt er und knallt seine Version von Bizets Habanera in die Tasten. In den hohlen Händen hat er – wie zum Teufel kann er dabei noch so gnadenlos gut Klavier spielen? – die kleinen Percussioninstrumente.

Seine Konzertreisen führen ihn in die ganze Welt

Mantey bringt eine „Summertime“-Adaption zum Niederknieen, voll feinster Jazzfragmente und opulenter Barockschnörkel und steigert sich in Tasten-Trance. Die Zuhörer desgleichen. Er spielt eine Komposition, die er einst in Bordeaux schrieb und eine zugehörige Beschreibung, wie sie kein Sommelier besser hätte formulieren können: Mit süffigem Schmelz und Rasse, prägnantem Charakter und ausgeprägter Vanillenote, fruchtigen Aromen und geschmeidigem Abgang. „Passt ausgezeichnet zu Gemüse-Gratin“, endet er.

Er spielt sein Lieblingsstück – inspiriert von einer japanischen Redensart, von der er nicht weiß, was sie bedeutet. „Wenn Sie es wissen – sagen Sie es mir nicht“, fleht er. Er bemüht Paganini: Der sei so virtuos gewesen, dass er allein auf der G-String komplizierte Stücke spielen konnte. „Dafür spiele ich ganz ohne Hände“, offeriert Manthey und zückt zwei präparierte Holzbretter, die er zum Spielen nutzt, nachdem er vorher manuell die ganze Pracht und Schwierigkeit des Stücks offerierte.

Oft verwebt er musikalische Stile in seinen Eigenkompositionen

Final ein Mozart – da hat er lange überlegt, was aus der riesigen Köchel-Fülle er verwendet. In Versen kündigt er den Türkischen Marsch an: „Die Noten von Mäusen zernagt ... dann klang er sehr barsch. Daher nenne ich ihn den Tückischen Marsch“, plaudert Mantey und fetzt denselben mit Schmackes aus dem Klavier, vermengt mit einem Ragtime, verhackstückt und völlig neu sortiert. Aber immer zu erkennen, wes Vaters Kind er ist. Das ist grandios. Insofern lässt man den Mann am Klavier auch erst nach einer Zugabe ziehen.

Von Regine Buddeke

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