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Amt Temnitz Junge Flüchtlinge ziehen in Wohnprojekt
Lokales Ostprignitz-Ruppin Amt Temnitz Junge Flüchtlinge ziehen in Wohnprojekt
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14:23 30.08.2018
Neue Nachbarn: Filmon Russom, Bubacarr Bah und Abraham Zeray (v. l.) werden in einigen Tagen in Rägelin wohnen. Quelle: Frauke Herweg
Rägelin

Von Gambia bis nach Rägelin ist es weit. Mehr als 6000 Kilometer. Vor einigen Monaten ist Bubacarr Bah von Westafrika nach Deutschland geflüchtet. In Kürze wird das 450-Einwohner-Dorf Rägelin seine Heimat auf Zeit werden. Der schlacksige 17-Jährige ist voller Vorfreude. „Hier ist es schön.“

Gemeinsam mit anderen Jugendlichen, die sich ohne ihre Eltern auf den Weg nach Europa machten und deutschen Heranwachsenden, die nicht mehr in ihren Familien leben können, wird er in der einstigen Pension Lilienhof leben. Navitas-Geschäftsführer Candan Ögütcü hofft, die Betriebserlaubnis für das Wohnheimprojekt in wenigen Tagen in den Händen zu halten. Dann könnten die Jugendlichen aus Gambia, Guinea, Afghanistan, Albanien, Eritrea und Deutschland sofort in Rägelins Dorfmitte ziehen.

Heimat auf Zeit

Bis zu 18 junge Leute werden dort leben können. Für einige wird der frühere Lilienhof ein Heim sein. Andere werden dort nur während der so genannten Clearingphase sein. In diesen drei Monaten soll geklärt werden, welche Hilfe die Jugendlichen brauchen. Weil Ostprignitz-Ruppin auch das Clearing für Oberhavel und die Prignitz übernimmt, werden einige Lilienhof-Bewohner den Landkreis danach verlassen.

Bislang leben die Jugendlichen im B3-Center in Wittstock. Allerdings sind die Wohnverhältnisse dort beengt – es gibt nur eine Küche. „Das Objekt hier ist viel schöner“, sagt Psychologe Fabian Stamer. Konflikte, die sich in Wittstock allein durch die Enge entwickelt hätten, werde es in Rägelin nicht geben.

Mehr Privatsphäre

„Hier ist es viel besser als in Wittstock“, sagt auch Bubacarr. „Hier gibt es mehr Privatsphäre.“ Er weiß bereits mit welchem anderen Heranwachsenden er zusammenwohnen wird. Auch der großzügige Garten mit dem Goldfischteich hinterm Haus und der Aufenthaltsraum mit dem Billiardtisch gefallen ihm.

Die Jugendlichen werden in kleinen Gruppen mit jeweils eigener Küche zusammenwohnen. Gemeinsam mit seinen Kollegen wird Stamer die Heranwachsenden auf ein eigenständiges Leben vorbereiten. Zwei bis drei Erzieher werden immer vor Ort sein. Sie wollen auch versuchen Brücken zu den Rägelinern zu schlagen – zur Feuerwehr etwa oder zu den Vereinen.

Die Jugendlichen sind mobil

Rägelin sei zwar ein kleiner Ort, sagt Stamer. Dennoch glaubt er nicht, dass Räglin den Jugendlichen zu abgeschieden ist. „Sie sind mit ihren Freizeittickets sehr mobil“, sagt er. Viele der Jugendlichen würden in Neuruppin zur Schule gehen und hätten auch dort Freunde. „Sie werden nicht den ganzen Tag in Rägelin sein.“

Erst im Juli war die Gemeinde offiziell über das Wohnheimprojekt informiert worden. Bei einer Einwohnerversammlung sorgten sich einige Rägeliner, dass das Zusammenleben mit den neuen Nachbarn möglicherweise nicht harmonisch sein werde. Auch deshalb hatte die Berliner Navitas, die das Projekt betreut, am Mittwoch zu einem Tag der offenen Tür geladen. „Wir möchten in guter Nachbarschaft leben“, sagt Geschäftsführer Ögütcu.

Sein Traum: Eine Lehre als Hotelfachmann

Bubacarr ist bereits einmal durch Rägelin spaziert. Was er sah, gefiel ihm. Der freundliche und aufgeschlossene junge Mann wünscht sich in Deutschland „eine gute Zukunft und eine Ausbildung“. Am liebsten würde er eine Lehre als Hotelfachmann beginnen.

In Gambia hatte Bubacarr keine Hoffnung auf eine Zukunft gehabt. Seine Mutter starb vor Jahren, seinen Vater hat er nie kennen gelernt. Narben auf seinem linken Unterarm zeugen von der Gewalt, die er erlitt. Ganz alleine machte er er sich auf den Weg in Richtung Europa.

In Deutschland fand er schnell Anschluss. Nach einem Hiphop-Workshop in Bantikow schloss er sich dem Musikprojekt „Estabien“ an. Am vergangenen Sonnabend gastierte er mit der Musikformation im Neuruppiner „Mittendrin“. Anfangs stand er etwa schüchtern dort auf der Bühne. Dann legte sich sein Beklommenheit. „Ich habe viel Gefühl für Musik“, sagt er.

 

Von Frauke Herweg

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