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16:49 10.08.2018
Mathias Köppen betreibt den Kränzliner Saal. Quelle: Gesine Wolf
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Ktänzlin

Zwischen zwei Oldtimern auf der Bühne spielt er schwungvoll Lieder auf seiner Gitarre. So findet man Mathias Köppen jeden Donnerstag bei der „offenen Bühne“ im Kränzliner Saal. Er selbst ist der Veranstalter und der Eigentümer des Saals.

Die offene Bühne und viele andere Veranstaltungen im Kränzliner Saal sind Mathias Köppens große Leidenschaft. Zusammen mit seiner Frau Ramona betreibt der hauptberufliche Schrotthändler den Kräzliner Saal neben der Arbeit.

VW Käfer im Wohnzimmer

Nicht nur Musik und sein Saal, sondern auch Autos sind seine große Leidenschaft. Darauf weisen auch die beiden VW Käfer in seinem „großen Wohnzimmer“ hin, wie Köppen den Kränzliner Saal nennt.

Seine Autoliebe beginnt schon früh. In Gildenhall geboren, schraubt Mathias Köppen schon als Jugendlicher gern an Autos. Sein großer Traum ist es, irgendwann einmal einen VW Käfer zu besitzen. „Aus einem einfachen Grund: da ist alles so schön rund“, erklärt er lachend. Der handwerklich begabte macht schließlich eine Ausbildung zum Schlosser in Alt Ruppin. Im selben Betrieb arbeitet er für zehn Jahre. Zur Wende 1989 beobachtet Mathias Köppen, wie immer mehr junge Leute in den Westen ziehen.

Begeistert von der Idee zieht er 1991 mit seiner Ramona nach Nordrhein-Westfalen.

Metallbauer mir Heimweh

Dort findet er eine Arbeit als Metallbauer und macht einen Meister im Metallbau. Nach wenigen Jahren klagt seine Frau jedoch immer wieder über Heimweh. „Ich gehe nur nach Hause, wenn ich mich selbstständig machen kann“, habe er damals zu seiner Frau gesagt.

Darauf hin kehrt das Paar zurück in die Heimat, und der Metallbauer gründet seinen eigenen Betrieb in Kränzlin. Er stellt Mitarbeiter an, der Betrieb läuft gut. Zehn Jahre später tut sich Köppen mit jemandem zusammen und teilt die Leitung über den Betrieb. Nach einigen Jahren jedoch treten immer wieder Unstimmigkeiten zwischen den beiden Geschäftsleitern auf.

Firma im Streit aufgelöst

So möchte er seinen Betrieb nicht mehr führen und trennt sich nach 17 Jahren der Selbstständigkeit von seinem Partner – der Betrieb wird aufgelöst.

Mathias Köppen will nicht sofort wieder eine neuen Firma gründen und macht sich Gedanken über die weitere Zukunft. Er kauft schließlich die alte Kneipe von Kränzlin und den angrenzenden Saal. Ein Jahr lang hat Mathias Köppen gebraucht, um die beiden Gebäude vollständig aufzuräumen. In die alte Kneipe hat er eine Wohnung gebaut, um diese zu vermieten.

Den Kränzliner Saal hat Mathias Köppen liebevoll als Dorftreffpunkt und Veranstaltungsbühne hergerichtet. Nun tritt er dort auch selbst auf. Quelle: Gesine Wolf

Der angrenzende Saal ist von diesem Zeitpunkt an als „Kränzliner Saal“ bekannt. Mit der Mietwohnung möchte er seine Rente sichern, der neue Saal soll für Veranstaltungen dienen. Nach der Sanierung der beiden Gebäude gründete Köppen seinen Schrotthandel, den er heute noch betreibt.

Gitarrenunterricht bei Gerhard Doll

Etwa zum Zeitpunkt der Auflösung seines Unternehmens feierte Mathias Köppen seinen 50. Geburtstag. Zu diesem Anlass schenkt seine Frau ihm eine Gitarre. Mathias Köppen begann sich mit Hilfe des Internets das Gitarrespielen beizubringen, doch das wollte nicht so gut gelingen. Schließlich lernte er Gerhard Doll kennen, den Ehemann einer Lehrerin seines Sohnes. Gerhad Doll wurde fortan sein Gitarrenlehrer.

Seit er seine Gitarre bekam, hat Mathias Köppen die Musik für sich entdeckt. Er war zwar schon immer ein großer Udo-Lindenberg-Fan, habe jedoch nie selbst Musik gemacht. „Für mich ist Udo der größte, alles andere wird hintangestellt“, verkündet der musikalische Späteinsteiger. Sogar der eigene Hund trägt den Namen des Idols.

Offene Bühne für den Nachwuchs

Seine Liebe zur Musik wollte er mit dem Kränzliner Saal verwirklichen: Er lädt Bands ein, dort zu spielen, motiviert andere, fördert den Musikernachwuchs und veranstaltet jeden Donnerstag die „offene Bühne“, bei der jeder Musiker, der Lust hat, sich ans Mikro stellen kann. Stolz erzählt er, dass bereits Musiker, die um die ganze Welt gereist waren, bei ihm spielten. „Viele haben gesagt, dass sie so etwas noch nicht erlebt haben, diese Gemütlichkeit und diese herzliche Atmo­sphäre“, sagt Mathias Köppen.

Die Musik und der Saal sind seine große Leidenschaft und bereiten ihm viel Freude. Viel Geld bringen ihm die Veranstaltungen nicht: Bands, die auftreten, bekommen die gesamten Einnahmen des Eintritts, und die „offene Bühne“ ist fast kostenlos für die Musiker. Nur die Bar mit Getränken wirft etwas ab. Das bereitet dem Hobby-Musiker jedoch keine Sorgen: „Geld spielt bei uns eine zweite Rolle, wir wollen Spaß verbreiten.“

„Wir“ sind er und seine Frau. Gemeinsam betreiben sie den Saal. Er an der Technik, sie hinter der Bar – ein eingespieltes Team. Er erklärt: „Ohne meine Frau würde das gar nicht gehen.“

Coole Socken im Udo-Lindenberg-Stil

Inspiriert von den auftretenden Bands gründete der Schrotthändler vor einem Dreivierteljahr seine eigene Band, „Die coolen Socken“. Sie spielen viele Lindenberg-orientierte Lieder und traten am Sonnabend, 21. Juli zum ersten Mal im Kränzliner Saal auf. Auch sein ehemaliger Gitarrenlehrer ist Teil der Band.

Mathias Köppen ist stolz auf sein Werk: „Mittlerweile haben wir uns schon einen Namen gemacht“. Und das soll auch so bleiben, wenn es nach ihm ginge. Er wünscht sich für die Zukunft den Kränzliner Saal weiterhin am Leben zu behalten, der ihm so viel Freude bereitet.

Von Gesine Wolf

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