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Angela Merkels herbe Niederlage in Kyritz

Parteitag vor 25 Jahren in Brandenburg Angela Merkels herbe Niederlage in Kyritz

Angela Merkel hat ihre erneute Kandidatur als Bundeskanzlerin angekündigt. Die CDU-Frau gibt sich optimistisch, hat sie doch schon etliche Wahlen gewonnen. Eine Niederlage indes liegt jetzt genau 25 Jahre zurück: Beim Parteitag in Kyritz am 23. November 1991 erlebte sie eine herbe Enttäuschung.

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Angela Merkel war seit Januar 1991 Bundesministerin für Frauen und Jugend. Im November desselben Jahres bewarb sie sich um den Landesvorsitz der Brandenburger CDU – in Kyritz.

Quelle: Bundesregierung/Christian Stutterheim

Kyritz. Sie kandidiert wieder! Was wie ein Ruck durch die Republik geht, war vor einem Vierteljahrhundert weniger der Rede wert. Genauer: im Vorfeld des 23. Novembers 1991. Vor lauter Terminen gibt es von Angela Merkel, die nun auch noch ein viertes Mal zur Kanzlerin gewählt werden möchte, derzeit jedoch keine Aussage zu den damaligen Geschehnissen. Weder über das Bundeskanzleramt, noch über die CDU-Bundespartei, deren Vorsitzende sie seit dem Jahr 2000 ist. „Aus zeitlichen Gründen“, entschuldigte sich eine ihrer Mitarbeiterinnen. Klar: Den scheidenden US-Präsidenten Barack Obama in Berlin zu verabschieden und tags darauf die erneute Kandidatur zu verkünden und anschließend Unmengen entsprechend anderer Presseanfragen abzuarbeiten, ist natürlich weitaus wichtiger.

Der Tag einer herben Niederlage

Doch ganz so unwichtig war der 23. November 1991 eben nicht. Für Angela Merkel war es der Tag einer herben Niederlage. Sie wollte die Landesvorsitzende der CDU in Brandenburg werden. Auf dem Parteitag, für den knapp 200 Delegierte aus allen Landesteilen in das Kulturhaus nach Kyritz kamen, dazu CDU-Größen wie Eberhard Diepgen und Volker Rühe, entschieden sie sich für jemand anderes – für Ulf Fink.

Knapp 200 Delegierte kamen am 23

Knapp 200 Delegierte kamen am 23. November 1991 aus allen Landesteilen ins Kyritzer Kulturhaus. Dieses Zeitungsfoto von damals illustrierte den entsprechenden MAZ-Bericht

Quelle: Hans-Werner Thormann

„Ich wurde vom kommissarischen Vorsitzenden Peter Wagner gefragt, danach suchte ich das Gespräch zu allen Kreisverbänden, um mir ein Bild von der Stimmung zu machen. Plötzlich rief mich Angela Merkel an“, erinnert sich Fink heute. Er war als Senator für Gesundheit und Soziales des Landes Berlin bekannt und zu dem Zeitpunkt noch Mitglied des Berliner Abgeordnetenhauses sowie Vize-DGB-Chef. „Nach dem Anruf trafen wir uns und Angela Merkel erklärte mir, ebenso kandidieren zu wollen. Wir versprachen uns, fair zu bleiben, und wir duzen uns seither “, erzählt der 74-Jährige. Fink blieb bis 1993 Landesvorsitzender in Brandenburg, wurde anschließend Bundestagsabgeordneter, wobei er jahrelang eng mit Merkel zusammenarbeitete, und ist bis heute unter anderem im Berliner Gesundheitswesen engagiert.

„Merkel kam vielleicht einfach nur ein bisschen zu spät“

Merkel war zum Zeitpunkt der Landesvorstandsneuwahl in Kyritz „an der Knatter“ seit fast einem Jahr Bundestagsabgeordnete und seit Januar 1991 Bundesministerin für Frauen und Jugend – und kam gegen Fink trotzdem nicht an. In dem politikwissenschaftlichen Werk „Von der Blockpartei zur Volkspartei? Die Ost-CDU im Umbruch 1989 bis 1994“, erklärt die Autorin Ute Schmidt über die Favoritin von Helmut Kohl: „Auch die Brandenburgische Landesgruppe der CDU/CSU-Bundestagsfraktion hatte sich für Angela Merkel ausgesprochen. Fink konnte sich aber in dieser Konkurrenz durchsetzen, weil sich die Mehrheit der Kreisverbände sowie die Junge Union und die Frauen-Union bereits zuvor auf seine Person festgelegt hatten.“ Finks Wahl sei „Ergebnis einer wochenlangen und systematischen Werbearbeit gewesen“.

Fink dazu zur MAZ: „Angela Merkel kam vielleicht einfach nur ein bisschen zu spät, denn ich hatte mich schon längst den Kreisverbänden vorgestellt.“ Zudem: „Angela Merkel versicherte mir, dass sie auf eigenen Wunsch hin kandidierte und nicht, weil es Helmut Kohl so wollte.“ Einem Landesverband als Rückenstärkung vorzustehen, sei ihr Ziel gewesen. Zwei Jahre später wurde sie Landeschefin in Mecklenburg.

Ulf Fink (links) auf einem Zeitungsfoto bei seiner Wahl zum Landesvorsitzenden

Ulf Fink (links) auf einem Zeitungsfoto bei seiner Wahl zum Landesvorsitzenden.

Quelle: Märkische Allgemeine

Dass Merkel sich gegen den westdeutschen CDU-Mann Fink nicht durchsetzen konnte, eine krachende Niederlage mit 67 zu 121 Stimmen hinnehmen musste, habe sie allerdings fassungslos erscheinen lassen. Einer der Delegierten, die sich noch heute daran erinnern, war Edmund Bublitz. Damals Bürgermeister von Neustadt, wurde er in der MAZ zitiert mit: „Ich kannte vor der Wahl ja beide Kandidaten kaum und es war für mich äußerst schwierig, hier die richtige Wahl zu treffen. Mir war die Frau Merkel genauso lieb wie der Herr Fink.“ Nun erinnert sich Bublitz: „Ihr war die Enttäuschung anzumerken und trotzdem blieb sie sehr zückhaltend. Sie wirkte damals schon so, wie sie heute noch ist.“ Bublitz sei im Gespräch mit ihr zudem aufgefallen, dass sie „eine hochintelligente Frau“ ist: „Sie hatte vielleicht nur nicht die Gelegenheit gehabt, sich besser darzustellen.“

In der Zeit des Umbruchs

Und noch einer erinnert sich genau, weil auch er damals kandidierte, wenngleich nur, um Vize-Parteichef zu werden: Hans-Joachim Winter. Er war der Landrat in der Region, saß im Landesvorstand – und holte den Landesparteitag überhaupt erst an die Knatter. „Der Wahlausgang bedeutete keine Missachtung von Frau Merkel, sondern zu der Zeit traute man auf bundespolitischer Ebene Fink mehr zu als einer Frau aus dem Osten“, sagt der 62-Jährige. Man müsse über allem eben „die Zeit sehen, in der die Entscheidung fiel. Es war eine Zeit des Umbruchs“, sagt Winter mit Blick auf Fink, der zum Arbeitnehmer-Flügel zählte und als „Vollprofi“ auftrat. Andererseits ist Winter sicher: „Wenn Angela Merkel gewonnen hätte, wäre einiges anders gekommen.“ Denn laut Winter seien gute Leute zu der Zeit oft auch „verheizt“ worden. Fraglich bliebe damit, wie viel Kraft ihr geblieben wäre für weitere Posten und wie sich ihr Ruf entwickelt hätte im von der Stolpe-SPD dominierten Brandenburg.

Tatsächlich ging es für Angela Merkel schon einen Monat nach der Niederlage in Kyritz wieder aufwärts. Sie wurde beim Bundesparteitag in Dresden zur Vize-Bundesvorsitzenden gewählt. Der Rest ist Geschichte.

Von Matthias Anke

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