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Ostprignitz-Ruppin Angeln und Naturschutz: Infos für Asylbewerber
Lokales Ostprignitz-Ruppin Angeln und Naturschutz: Infos für Asylbewerber
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00:17 03.06.2016
Dolmetscher Mohammad Anwar Shinwary übersetzt komplizierte deutsche Angelvorschriften. Quelle: Peter Geisler
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Rheinsberg

Vor ein paar Wochen schlugen die Wellen hoch: Am Wittwesee waren angelnde Asylbewerber gesehen worden. Bei Kerstin Weiß, der Referentin für Flüchtlingsintegration in der Kreisverwaltung, und bei der Nabu-Stiftung Nationales Naturerbe liefen Anrufe auf. „Warum sitzen Angler am Wittwesee, wenn man da gar nicht angeln darf?“, hieß es. Gemeint war unterschwellig: Warum dürfen Asylbewerber, was Rheinsberger nicht dürfen?

Wie oft Asylbewerber tatsächlich dort unerlaubt geangelt haben, ist unklar. Anke Rudnik von der Naturwacht weiß nur von einem Fall. Trotzdem lud sie am Dienstag gemeinsam mit Weiß und Naturparkleiter Mario Schrumpf zu einem Infospaziergang an den Wittwesee, um Asylbewerbern die deutschen Angelvorschriften zu erklären. „Wir unterstellen niemandem, dass er absichtlich gegen Vorschriften verstoßen hat“, sagte Schrumpf. „Wir glauben eher, dass es Unwissenheit war.“

Auch für deutsche Angler sind die Zuständigkeiten schwer zu verstehen

Deutsche Angelvorschriften sind komplex – selbst aus Sicht von Experten. Wer angeln möchte, braucht einen Fischereischein samt Lehrgang und Prüfung sowie eine Angelkarte. Allerdings gibt es auch Ausnahmen: Wer keinen Fischereischein hat – Touristen etwa oder eben auch Asylbewerber – kann auch mit einer Fischereiabgabemarke angeln.

Herausgegeben werden die Marken vom zuständigen Fischer. Doch allein im Naturschutzgebiet Stechlin gibt es vier verschiedene Fischereipächter. Wer für welchen See zuständig ist – „das ist selbst für deutsche Angler schwer zu verstehen“, räumt Schrumpf ein. Eine Karte, die sich zentral kaufen lässt und die für alle Seen gelten würde, gibt es leider nicht.

Am Rheinsberger Wittwesee darf nicht geangelt werden – warum, das erklärte Anke Rudnik von der Naturwacht (3.v. l.) bei einem Spaziergang an den See. Quelle: Peter Geisler

Für jeden See gelten eigene Bestimmungen – mal darf nur vom Boot aus geangelt werden, mal nur von Land. Bei den tschetschenischen Asylbewerbern, die am Dienstag gekommen waren, rief die Kompliziertheit der deutschen Vorschriften ungläubiges Kopfschütteln hervor.

Grundsätzlich darf in einem Naturschutzgebiet geangelt werden. Allerdings gibt es Ausnahmen: Am Wittwesee etwa hatte der Eigentümer des Sees, die Nabu-Stiftung Nationales Naturerbe, vor einigen Jahren ein Angelverbot erlassen. Der Klarsee gilt nicht nur wegen seiner seltenen Armleuchteralgen als sehr schützenswert. An seinen Ufern leben auch Rohrdommeln. „Sie sollen in Ruhe brüten können“, sagt Schrumpf.

Baden im Naturschutzgebiet? Erlaubt

„Darf man denn hier baden?“, möchte Übersetzer Mohammad Anwar Shinwary wissen. Man darf, antwortet Rudnik. „Versuchen sie den schönen See anders zu genießen“, wirbt sie.

Im Naturschutzgebiet verboten: Grillen, Autofahren, Zelten oder frei laufende Hunde. Das brandenburgische Waldgesetzt verbietet zudem Feuer. „Sie bringen sich in Gefahr“, warnt Rudnik. „Ganz plötzlich sitzen sie mitten im Feuer.“

Nur zwei tschetschenische Asylbewerber waren zu dem gestrigen Infospaziergang gekommen. Warum sich so wenig sich für den Termin interessierten, kann sich Shinwary kaum erklären – Angeln ist an Tschetscheniens Seen durchaus beliebt. Shinwary hofft, dass die beiden Flüchtlinge, die am Dienstag kamen, ihr Wissen weitergeben.

Vor dem Gesetz sind alle gleich

Sollte künftig noch mal ein Asylbewerber beim unerlaubten Angeln erwischt werden, würde die Fischwilderei geahndet werden, kündigte die Referentin für Flüchtlingsintegration Weiß an. „Für Flüchtlinge gelten keine anderen Gesetze wie für Deutsche“, so Weiß. „Der Wissensstand ist nur ein anderer.“

Im strömenden Regen versuchten Schrumpf und Rudnik den Naturpark Stechlin-Ruppiner Land vorzustellen. Die Hälfte aller brandenburgischen Klarwasserseen ist hier beheimat. 28 Fischadlerpaare brüten dort – zusammen mit dem Naturpark Uckermärkische Seen hat das Gebiet die höchste Fischadler-Brutdichte in Mitteleuropa.

„Es ist völlig wurscht, woher Menschen kommen“, sagt Rudnik. „Wir wollen nicht bestrafen, wir wollen nur aufklären.“ Derzeit arbeitet der Naturpark an einem Flyer, der über Naturschutz und Angeln aufklären soll. Mit einem Ratgeber sei allen geholfen, findet Schrumpf – auch deutschen Anglern.

Von Frauke Herweg

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