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Angst um Gentzrode

Wertvolles Denkmal bei Neuruppin verfällt Angst um Gentzrode

Mit seinen verzierten Mauern, Türmchen und Erkern ist das Gut Gentzrode eine Kuriosität. Der Kaufmann Alexander Gentz hatte sich das Gut im maurischen Stil im 19. Jahrhundert in den Wald bei Neuruppin bauen lassen. Gentzrode gilt als Denkmal von landesweiter Bedeutung. Jetzt fürchten Denkmalpfleger aber, es könnte bald für immer verloren sein.

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Sämtliche Fenster des einst so imposanten Herrenhauses sind zerstört, auch das Mauerwerk bröckelt längst.

Quelle: Peter Geisler

Neuruppin. Mitarbeiter des Landesamtes für Denkmalpflege in Wünsdorf machen sich akute Sorgen. Viele historisch wichtige Gebäude im Land sind in erschreckendem Zustand – aber nur wenige in so katastrophalem wie das Gut Gentzrode nördlich von Neuruppin. Seit dem Abzug der Sowjetarmee Mitte der 90er Jahre steht die abgelegene Anlage im Wald leer und verfällt immer mehr. Jetzt schlägt das Landesdenkmalamt Alarm. Brandenburgs oberste Denkmalschützer haben Gentzrode auf die Liste der Baudenkmale gesetzt, von denen die Experten fürchten, dass sie bald für immer verloren sind.

In der Tat ist vom einstigen Glanz der imposanten Gutsanlage nach Jahrzehnten des Verfalls kaum noch etwas geblieben. Nach dem Abzug der Sowjetarmee hatte Gentzrode verschiedene Besitzer. Doch keinem Investor ist es bisher gelungen, ein tragfähiges Konzept und genügend Geld aufzutreiben, um die riesige Anlage mit dem Herrenhaus im maurischen Stil, aufwändig gestalteten Nebengebäuden und dem verwilderten Park zu retten.

Der alte Glanz verblasst zusehends

Der alte Glanz verblasst zusehends.

Quelle: Peter Geisler

Für Matthias Metzler vom Landesdenkmalamt steht außer Frage, dass es sich bei Gentzrode um ein Baudenkmal von landesweiter Bedeutung handelt: „Das ist eine wirklich außergewöhnliche Anlage“, sagt er. Ab 1857 ließ der Neuruppiner Kaufmann Alexander Gentz sich die orientalisch anmutende Gutsanlage errichten. Später ließ Gentz auf unfruchtbaren Flächen in der Nähe zusätzlich eine Baumschule errichten und legte Landwirtschaftsflächen nach modernen Gesichtspunkten an. Von all dem ist nur noch das Herrenhaus übrig und ein Teil des einstigen Kornspeichers. Vor allem letzterer gleicht nur noch einer Ruine. Vor sechs Jahren hatten türkische Investoren Gentzrode erworben und ein Konzept zur Entwicklung der Anlage in Auftrag gegebene. Von einem Künstlerdorf war zuletzt die Rede, von gläsernen Atelies und Pavillons, auch von Ferienwohnungen. Damit überhaupt noch etwas von der alten Bausubstanz zu retten ist, ließen die Eigentümer das Herrenhaus vor drei Jahren aufwändig sichern. Die Fensteröffnungen wurden mit stabilen Platten vernagelt, Stahltüren installiert, das Dach mit Planen und Ziegeln abgedichtet. Davon ist wenig übrig: Fast alle Fenster stehen offen, die Stahltüren wurden herausgerissen, Zäune niedergetrampelt. Vandalismus überall.

Fenster und Türen waren vernagelt worden – ein Teil der Notsicherung ist inzwischen aber wieder zerstört

Fenster und Türen waren vernagelt worden – ein Teil der Notsicherung ist inzwischen aber wieder zerstört.

Quelle: Peter Geisler

Neuruppins Baudezernent Arne Krohn gibt die Hoffnung trotzdem nicht auf. Über einen Bevollmächtigten in Deutschland habe er erst vor Kurzem Kontakt zu den Eigentümern in der Türkei aufgenommen, sagt er. Die Auskunft machte Mut: „Sie wollen demnächst selbst herkommen und sich von der Lage überzeugen.“ Die Stadt setzt darauf, dass die Eigentümer selbst ein Interesse haben müssen, etwas für die historische Substanz in Gentzrode zu tun. Denn wenn die Investoren überhaupt etwas mit ihrem Grundstück anfangen wollen, dann müssen sie das Baudenkmal zwingend erhalten, sagt Krohn. „Wenn die historischen Gebäude erst einmal weg sind, dann ist das Ganze dort wieder Wald“, stellt er klar. Im Wald eine Ferienanlage zu genehmigen, ist ausgeschlossen. Die Fläche wäre so fast wertlos.

Einen Wachschutz einzusetzen, wäre teuer

Krohn hofft, dass die Eigentümer die Anlage erneut sichern lassen, so gut es geht. Er räumt aber auch ein, dass das nicht einfach sein dürfte, so abgelegen wie das Gut ist: „Im Prinzip müsste man rund um die Uhr einen Wachschutz einsetzen.“ Das dürfte teuer werden. Doch wenn es tatsächlich ein Konzept für eine Ferienanlage oder etwas ähnliches geben sollte, dann dürfte die Sicherung der historischen Gebäude die geringsten Kosten verursachen, glaubt Krohn.

Trotz der vielen Ideen, die in den vergangenen Jahren aufkamen, existiert für Gentzrode bisher noch kein Baurecht. Wer auch immer dort etwas bauen wollte, würde zurzeit keine Genehmigung bekommen. Dafür wäre ein Bebauungsplan nötig und das Verfahren dafür würde Jahre dauern und setzt die Zustimmung der Stadtverordneten voraus.

Bei aller Sorge will Matthias Metzler vom Landesdenkmalamt Gentzrode noch nicht abschreiben: „So schnell geben wir nicht auf.“ Die Denkmalpfleger des Landes haben schon Gebäude gerettet, die in noch schlechterem Zustand waren, sagt er. Doch das Land kann nicht allein handeln, es kann die Eigentümer bei ihren Plänen allenfalls unterstützen.

Von Reyk Grunow

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