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Angst ums Paradies

Neuruppin Angst ums Paradies

Die 28 Gartenpächter an der Neuruppiner Eisenbahnstraße haben Angst, dass sie von der Stadt vertrieben werden. Viele nutzen ihre Parzellen seit Jahrzehnten und habe sich fest eingerichtet. Doch jetzt will die Stadtverwaltung prüfen, ob sich aus den Gärten teures Bauland machen lässt.

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Die Kleingärten liegen direkt an den Bahngleisen. Dazwischen verläuft nur noch die „Umweltverbundtrasse“ zum Bahnhof West.

Quelle: Reyk Grunow

Neuruppin. Der Schock bei den Gartenpächtern an der Neuruppiner Eisenbahnstraße sitzt tief. Die schmalen Parzellen direkt neben der Bahnstrecke sind für viele so etwas wie ein kleines Paradies. 28 Pächter haben sich dort eingerichtet, viele schon seit Jahrzehnten, manche 40 Jahre oder mehr. Plötzlich soll alles vorbei sein? Die Pächter können es nicht fassen.

Aus der MAZ haben sie von den Plänen der Stadt erfahren, die Pachtgärten in lukrative Baugrundstücke umzuwandeln. „Gesprochen hat mit uns noch niemand“, sagt Jörg Komarowski, einer der Gartennutzer. Genau wie seine Nachbarn ist er verunsichert. Ein Dutzend Pächter ist am Montag in die Stadtverordnetenversammlung gekommen, um sich an die Abgeordneten zu wenden. So richtig haben sie sich dann aber doch nicht getraut, dort vorzusprechen.

Ein Brief der Pächter an die Stadtverordneten

Neuruppins Stadtverordnetenvorsteher Gerd Klier verliest jedoch einen Protestbrief, den Jörg Komarowski im Namen aller an die Abgeordneten geschrieben hat. „Für sehr viele Familien ist der Garten der einzige Rückzugsort aus dem tristen und für viele teuren Alltag“, so Komarowski. Familien mit Kindern haben sich dort eingerichtet, auch mit behinderten Kindern.

Ihre Idylle ist nicht zum ersten Mal in Gefahr. Vor Jahren haben die Pächter schon einmal gebangt, als die Stadt parallel zu den Gleisen die Umweltverbundtrasse zum Bahnhof West gebaut hat. Für diese Busstrecke und für den Bau einiger Einfamilienhäuser mussten schon einige Gärten weichen. Dann kam 2015 noch die Zweitwohnungssteuer. Jetzt haben die Pächter Angst, ihre Oase ganz zu verlieren.

„Entschieden ist noch nichts“, versichert Baudezernent Arne Krohn am Montag. Eigentlich will die Verwaltung nur prüfen, ob das Areal überhaupt als Wohngebiet geeignet ist.

Neuruppin braucht dringend mehr Baugrundstücke

Für viele Grundstücke reicht der Platz kaum, und so nahe an der Bahnstrecke ist wohl auch eine Lärmschutzwand nötig. Doch der Fontanestadt gehen so langsam die Flächen für Häuslebauer aus. Zumindest dann, wenn neue Gebiete nicht nur am Stadtrand auf der grünen Wiese entstehen sollen. „Neuruppin ist ziemlich unter Druck, Wohnraum zu schaffen“, sagt Bürgermeister Jens-Peter Golde.

Aber muss es ausgerechnet dort sein, wo Menschen sich schon so lange fest eingerichtet haben? Siegfried Pieper von der SPD geht das zu schnell. Helmut Kolar von der Fraktion der Bündnisgrünen bringt das Dilemma auf den Punkt: „Ist es nun besser, wir schaffen Bauland für junge Familien, oder lassen wir Gärten für immer und ewig an diejenigen verpachtet, die sich dort ein Refugium geschaffen haben?“ Fraktionschef Andreas Haake hofft auf einen Kompromiss: Vielleicht könnte die Stadt den Nutzern ja andere Fläche anbieten.

Viele Pächter könnten sich einen Neuanfang andernorts nicht leisten

Jörg Komarowski ist skeptisch. „Ein Neuanfang an einem anderen Standort ist für fast alle Pächter aus finanziellen Gründen nicht machbar“, sagt er. Sie haben Kabelgräben geschippt, Leitungen verlegt, Lauben gebaut. Wie sollen sie das alles noch einmal leisten?

Die Stadtverordneten beschlossen, erst einen Bebauungsplan für das Areal an der Eisenbahnstraße aufzustellen. In dem Verfahren sei noch genügend Gelegenheit, Proteste, Stellungnahmen und Bedenken einzubringen, sagt Krohn. Was am Ende herauskommt, sei offen.

Von Reyk Grunow

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