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Angst vor Raupen ungebrochen

In der Region tritt nun auch noch der Ringelspinner vermehrt auf Angst vor Raupen ungebrochen

Der diesjährige Kampf gegen den Eichenprozessionsspinner ist längst beendet. Landkreis und Kommunen waren erneut mit dem Mittel „Dipel Es“ im Einsatz vom Boden aus wie auch aus der Luft. Es wirkt, wie die Bilanzen der Vorjahre belegen. Trotzdem ist die Angst vor den Raupen mit ihren giftigen Brennhaaren mancherorts ungebrochen – vor allem auf Privatgrundstücken.

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Das Bild vom 28. Mai zeigt junge Eichenprozessionsspinner. 

Quelle: Privat

Sechzehneichen.  „Ich war voriges Jahr in Behandlung, hatte Atemnot, konnte kaum laufen, alles war rot“, erzählt Johann Timm. Dabei hatte der 75-Jährige keines der Tiere angefasst. „Das giftige Zeug fliegt ja durch die Luft. Die Raupen hingen mit Fäden an den Bäumen herunter. Hier konnte keiner mehr mit dem Fahrrad fahren.“

Entsprechend groß war seine Angst nun, als vor einem Monat Spinner erstmals auch über die Bäume auf seinem eigenen Grundstück herfielen. Dabei sind es Obstbäume. „Das kam erst nach dem Hubschraubereinsatz. Der drehte genau neben unserem Grundstück und blies sämtliches Zeug benachbarter Bäume herüber. So etwas hatten wir zuvor noch nie.“

Seit mehr als drei Jahrzehnten schon lebt er mit Renate Schulz dort an der Dorfdurchfahrt. Die 66-Jährige kann sogar auf fast 50 Jahre in Sechzehneichen (Gemeinde Wusterhausen) zurückblicken. „Wir sind deshalb Herrn Peter Prügel aus Kyritz sehr, sehr dankbar dafür, dass er uns jetzt helfen konnte.“

Schädlingsbekämpfer Prügel bestätigt, dass sich seit dem Auftreten des Eichenprozessionsspinners viele Privatleute hilfesuchend bei ihm melden. Auch er verwende „Dipel Es“ als Fraßgift. „In diesem Jahr aber hält sich das verglichen mit 2014 und 2013 in Grenzen“, sagt er.

Laut Prügel sind die zurückliegenden und besonders milden Winter ein Grund dafür, weshalb so viele Spinner, die eigentlich im südeuropäischen Raum beheimatet sind, auftauchten und hier überleben. „Die Natur ist eben ein ökologisches System, in dem die Befallsstärken mit der Witterung schwanken.“ Und er bestätigt, dass es in Sechzehneichen, dem 1783/1784 auf Erlass Friedrichs des Großen auch mit 16 Eichen angelegten Kolonistendorf, tatsächlich Eichenprozessionsspinner waren.

Seitens der Gemeinde, von der sich Johann Timm alleingelassen sah, wurde alles Mögliche unternommen – doch eben nur auf öffentlichen Grundstücken. „Auf dem Friedhof mit den vielen Eichen, wo wir vor zwei Jahren schon bekämpft haben, gibt es keinen Befall mehr. Nun hatten wir noch den Platz davor behandelt“, sagt Martina Vogel, in Wusterhausen Fachbereichsleiterin für öffentliche Sicherheit und Ordnung. Sie weist darauf hin, dass dennoch jeder Befall gemeldet werden solle, um auch künftige Einsätze besser zu koordinieren. Zudem: Gänzlich unrecht, wie Timm der Gemeinde unterstellte, hat diese nicht. „Bei den Leuten in Sechzehneichen waren das nicht alles Eichenprozessionsspinner, es sind Ringelspinner“, sagt Martina Vogel. Deren Raupen seien in den vergangenen Jahren „immer mal wieder punktuell“ im Gemeindegebiet aufgetaucht.

Und tatsächlich: Abertausende Ringelspinner sind beispielsweise auch auf dem Weg zwischen Sechzehneichen und Wulkow zu finden, der unweit des Gehöfts von Johann Timm und seiner Frau beginnt. Dabei sind diese Raupen wegen ihrer ebenso langen Haare dem giftigen Eichenprozessionsspinner zum Verwechseln ähnlich.

Vor einem Jahr sorgte der Ringelspinner besonders zwischen Kyritz, Gantikow und Vehlow für Aufregung. Sogar, dass die Obstbäume dort vergiftet worden sein könnten, wurde gemutmaßt. Derart kahlgefressen war die Allee. Dass es doch der Ringelspinner war, stand erst nach einer Untersuchung einiger noch von ihm gefundener Reste im Labor fest. Aus dem Referat Pflanzenschutz des Landesamtes für Ländliche Entwicklung, Landwirtschaft und Flurneuordnung in Neuruppin hieß es daraufhin: „Das Auftreten in der Region ist seit langem an wechselnden Standorten bekannt. Immer wieder kommt es dabei zum Massenauftreten, welcher bis zum Kahlfraß führen kann.“

Laut Ulrike Pottberg, Inspektorin für Pflanzengesundheit, die das Untersuchungsergebnis ihrer Kollegen der MAZ mitteilte, trat der Ringelspinner damals auch im Wittstocker Raum vermehrt auf. Sie erklärte weiterhin, dass man die fressenden Raupen von Mai bis Juni findet, bevor sie sich verpuppen, um zum Falter zu werden. Diese im Volksmund „Motten“ wiederum legen im Sommer ihre Eier. Die Larven schlüpfen im nächsten Frühjahr. „Üblicherweise ist der Fraß um Johanni, dem 24. Juni, beendet. Danach machen die Bäume den sogenannten Johannistrieb und regenerieren ihre grüne Blattmasse. Ein Absterben der Bäume ist damit also nicht zu erwarten“, so Pottberg.

Wenigstens das dürfte eine Beruhigung sein für Johann Timm und Renate Schulz in Sechzehneichen.

Von Matthias Anke

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