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Angst vor einer Invasion aus Nordamerika

Die Traubenkirsche macht Probleme Angst vor einer Invasion aus Nordamerika

Die Spätblühende Traubenkirsche stammt eigentlich aus Nordamerika. Seit sie aber in heimische Wälder eingeschleppt wurde, verdrängt sie dort zunehmend die dortigen Baumarten. Die Forstbetriebsgemeinschaft Hohe Heide/Prignitz steuert jetzt mit einem Waldumbauprojekt gegen.

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Jens Steigleder, Reinhard Bork und Reinhard Helm (v.l.) von der FBG erläutern das Waldumbauprojekt.

Quelle: Björn Wagener

Dahlhausen. Spätblühende Traubenkirsche – dieser Name klingt harmlos, fast romantisch. Aber das täuscht. Denn dahinter steckt eine eingeschleppte nordamerikanische Baumart, die den heimischen Arten nicht nur das Leben schwer macht, sondern sie sogar verdrängt.

Sie bildet ein dichtes Unterholz, das kaum Licht zum Boden durchdringen lässt. Dadurch haben es hiesige Baumarten wie Eiche oder Kiefer schwer, sich auf natürlichem Wege zu vermehren, weil der Nachwuchs verkümmert.

Das will die Forstbetriebsgemeinschaft Hohe Heide/Prignitz nicht länger hinnehmen und holt zum Gegenschlag aus: Auf einer 1,5 Hektar großen Waldfläche entlang des Weges in Richtung Waldhof findet zurzeit ein Waldumbauprojekt statt. Es werde Stück für Stück weitergeführt, um der „invasiven“ Ausbreitung der Spätblühenden Traubenkirsche langfristig Einhalt zu gebieten, wie Jens Steigleder, der Geschäftsführer der FBG, sagt.

Raus mit der Traubenkirsche

Gemeinsam mit FBG-Kundenbetreuer Reinhard Helm und dem FBG-Vorsitzenden Reinhard Bork stellte er jetzt das Projekt vor, dessen Ziel es sei, einen gemischten, naturnahen Baumbestand zu etablieren. Erste

Das Holz der Spätblühenden Traubenkirsche dient nach dem Schreddern der Firma Krono als Heizmaterial

Das Holz der Spätblühenden Traubenkirsche dient nach dem Schreddern der Firma Krono als Heizmaterial.

Quelle: Björn Wagener

Amtshandlung: Raus mit der Traubenkirsche. Das knorrige, verwachsene Holz habe zwar nur wenig Nutzwert, aber zumindest könne das Buschwerk nach dem Schreddern der Heiligengraber Firma Krono als Heizmaterial dienen. Deshalb erledige diese Arbeit auch ein Subunternehmen im Auftrag der holzverarbeitenden Firma aus Heiligengrabe. Mit einem Kran wurde dieser Tage ein Malwerk gefüttert, das aus Holz und Astwerk Späne machte, die dann per Lkw abtransportiert wurden. Darüber hinaus seien rund 100 Festmeter Kiefernholz je Hektar entnommen worden.

Dieser erste Schritt ist nahezu erledigt – der Kiefernbestand sichtlich befreit. Liegengebliebene Holzreste können nun von Selbstwerbern eingesammelt und für den heimischen Kamin genutzt werden. Wer das möchte, kann sich an Jens Steigleder von der FBG wenden. Danach werde der Waldboden gemulcht und aufgelockert. Dann komme der Verbündete im Kampf gegen den Eindringling zum Einsatz: die Rotbuche. Sie sei die einzige heimische Baumart, die der Traubenkirsche Paroli bieten kann, wenn sie anfangs ein wenig unterstützt wird. So werden spätestens im nächsten Frühjahr, eventuell auch schon im Herbst dieses Jahres, mehrere tausend Rotbuchen auf dem Areal gepflanzt.

Unterstützung für die jungen Rotbuchen

„In den ersten drei bis fünf Jahren erhalten sie eine spezielle Kulturpflege“, sagt Steigleder. Das heißt, die FBG wacht darüber, dass im Boden verbliebene Wurzelreste der Traubenkirsche nicht wieder austreiben und der ungeliebte Gast sich erneut schneller breit machen kann als die Rotbuche. Hat letztere einen gewissen Entwicklungsstand erreicht, kann sie sich gegen die Traubenkirsche durchsetzen.

Ergänzt werden die neuen Rotbuchen durch Douglasien. Außerdem sollen Bergahorne eine Allee entlang des Weges nach Waldhof bilden – einige Exemplare sind schon vorhanden, Lücken werden noch gefüllt. Zum Schluss werde das so umgestaltete Areal eingezäunt. Ganz nebenbei wurde mit diesen Arbeiten auch der Weg nach Waldhof freigeschnitten. Wasser kann nun besser zu den Seiten ablaufen, was der Befahrbarkeit zugute kommt.

Die gesamte Maßnahme kostet rund 6000 Euro, die der Waldbesitzer aufbringen muss, in diesem Fall die Kirchengemeinde Dahlhausen. Allerdings gebe es eine Landesförderung in Höhe von 85 Prozent. Der Restbetrag werde mit den Erlösen aus dem Holzverkauf abgefedert. Ein gesunder Mischwald mit klimastabilen Baumarten bringe langfristig auch gute Verkaufserlöse, die ohne diesen Eingriff nicht zu erwarten wären, so Steigleder.

Die Spätblühende Traubenkirsche sei auch in den Bereichen Blesendorf/Zaatzke und in Wulfersdorf besonders stark vertreten. Dort werde mit Scheren gegen sie vorgegangen. Möglich mache das die Zusammenarbeit der FBG mit der Rabs GmbH, die sogenannte Ein-Euro-Jobber dafür zur Verfügung stellt.

Die Forstbetriebsgemeinschaft

Die 1992 gegründete Forstbetriebsgemeinschaft Hohe Heide/Prignitz (FBG) ist eine Vereinigung regionaler Waldbesitzer. Denn gemeinsam ist die forstliche Bewirtschaftung der Flächen und Vermarktung der Holzerlöse günstiger zu gestalten als von den einzelnen Waldbesitzern allein.

Vorsitzender der FBG ist Reinhard Bork, Geschäftsführer Jens Steigleder und Kundenbetreuer Reinhard Helm.

Der Vereinigung gehören rund 410 Mitglieder aus den Kreisen Ostprignitz-Ruppin und Prignitz an, denen etwa 3700 Hektar Wald gehören.

Die einzelnen Flächengrößen der Mitglieder variieren dabei stark. Laut Geschäftsführer Jens Steigleder lägen sie zwischen 0,2 und 240 Hektar.

Von Björn Wagener

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