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Ostprignitz-Ruppin Ankommen in Brandenburg
Lokales Ostprignitz-Ruppin Ankommen in Brandenburg
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00:21 04.12.2017
Bei der Podiumsdiskussion im Rahmen der Tagung wurde auch mit dem Vorurteil der geringeren Lebenshaltungskosten in der Region aufgeräumt. Quelle: Claudia Bihler
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Neuruppin

Seit der Wende habe Brandenburg einen enormen Aufschwung erlebt, sagt der Chef der brandenburgischen Staatskanzlei, Thomas Kralinski: Damals habe es noch 270 000 Arbeitslose gegeben, gleichzeitig aber täglich 50 neue Arbeitsplätze entstanden. Heute seien nur noch 84 000 Menschen arbeitslos. Demgegenüber habe das Land durch Demografie und Abwanderung eine halbe Million Menschen verloren. Heute gewinne zwar der Speckgürtel wieder an Bevölkerung durch Zuwanderung, demgegenüber verliere die Peripherie nach wie vor Bevölkerung: „Das führt zu einem Fachkräftemangel.“

Im Nordwesten Brandenburgs konnte inzwischen vor allem eine Stadt den Trend des Bevölkerungsschwundes durchbrechen: Neuruppin. Kein Wunder also, dass die Wirtschaftsförderungsgesellschaft Inkom aus Neuruppin und der Förderverein Wachstumskern Autobahndreieck nach Neuruppin alle brandenburgischen Rückkehrerinitiativen zu einer Fachtagung „Ankommen in Brandenburg“ in die Fontanestadt einluden. Die Initiative will ehemaligen und Neu-Brandenburgern Hilfestellung bei der Ansiedlung geben wollen.

Unbefristete Verträge, solides Einkommen

Im Verlauf der Veranstaltung wurde klar, dass es mehrere Faktoren gibt, die eine Ansiedlung oder Rückkehr fördern können: Unbefristete Arbeitsverträge, ein solides Einkommen, attraktiver Wohnraum, Schulen für die Kinder und einen Job für den Partner spielen dabei entscheidende Rollen. Deutlich wurde zudem: Es sind vor allem diejenigen, die neu kommen, die Hilfestellung benötigen, Rückkehrer haben ein Netzwerk und kennen sich in der Region aus.

Abwanderung und Rückkehr

Allein im Jahr 2001 waren 8000 Menschen aus der Region abgewandert, dabei rund 3000 nach Westdeutschland, über 2600 nach Berlin. Insgesamt haben bis 2013 jedes Jahr zwischen 6500 und über 8000 Menschen die Region verlassen.

Waren in den Arbeitsamtsbezirk Neuruppin im Jahr 2001 nur rund 230 Menschen zurückgekehrt, stieg deren Zahl im Anschluss stetig. 2014 waren es bereits rund 2000 Menschen. Durchschnittlich kam knapp die Hälfte der Rückkehrer zurück aus Berlin in die Region, knapp ein Viertel aus Westdeutschland.

Andy Stolz (34) etwa ist ein Rückkehrer. „Früher wollte ich nur noch weg aus der Region. Aber irgendwann wird man ruhiger.“ Eine Ausbildung zum Sport- und Fitnesskaufmann hat er zunächst abgeschlossen, später hat er an der Hochschule in Wildau einen Studiengang für europäisches Management absolviert und anschließend in Schottland gearbeitet. Inzwischen ist er zurück in Pritzwalk, arbeitet für die brandenburgische Wirtschaftsförderung und ist recht zufrieden: „Meine Lebensgefährtin stammt aus Pritzwalk und ein Kind habe ich auch.“ Probleme bei der Rückkehr? „Nein, gab es nicht, ich habe hier ja meine Freunde und ein zuverlässiges Netzwerk.“

Neuzuzügler – etwa aus Berlin – stehen dagegen vor anderen Problemen. Dabei sind es gar nicht so wenige Neu-Brandenburger, wie Holger Seibert vom Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung anhand statistischen Daten darstellt: Auf jeden Rückkehrer kommen drei Zuzügler, viele davon aus Berlin.

Suche nach einem Schulplatz ist oft schwierig

„Wenn ich aber aus der Stadt aufs Land ziehe, brauche ich bezahlbaren, attraktiven Wohnraum und einen Platz in der Schule für meine Kinder“, stellte etwa Simone Zeil von der Regionalentwickungsgesellschaft Nordwestbrandenburg (REG) bei der Tagung fest – wobei sich vor allem die Suche nach einem Schulplatz oft schwierig gestaltet. „Heute könnte ich Schüler aufnehmen“, sagt etwa der Leiter des Pritz-
walker Gymnasiums Harald Glöde – in einzelnen Jahren war das aber auch schon anders – Neuanmeldungen waren nicht möglich, die Klassen waren zu voll.

Sorgen um einen Schulplatz macht sich Volker Strauch (36) für sein Kind noch nicht, räumt aber mit verbreiteten Vorurteilen auf: „Zwei Dinge spielen keine Rolle: Die Lebenshaltungskosten in Hessen sind nicht fühlbar günstiger als die in der Prignitz. Und auch bezahlbaren Wohnraum hatten wir in Hessen.“

In Falkenhagen hat er die Stelle seiner Wahl gefunden: Er sorgt bei der Firma „Nordgetreide“ mit dafür, dass die betriebliche Infrastruktur läuft, und lebt nach vielen Jahren wieder in Putlitz. „In Hessen war klar, dass ich ohne Auslandseinsatz nicht weiter komme“, sagt er: „Brasilien oder Polen standen zur Auswahl, und ich bin nach Polen gegangen.“ Letztlich hat eine Krankheit seines Sohnes den Ausschlag für seine Rückkehr nach Deutschland gegeben – und die Ermunterung der Verwandtschaft: „Komm lieber zurück.“ Die Verwandtschaft war es auch, die ermöglicht hat, dass er in ein Haus einziehen konnte – denn vergleichbaren Wohnraum hat er sonst nicht gefunden. Ein Haus zu bauen sei heute zu teuer: „Die Zinsen sind niedrig, aber die Preise für die Häuser um so höher.“

Rund um die Uhr erreichbar

Aufgabe der Initiativen ist es, Rückkehrern und Zuzüglern, sozusagen „Anlaufpunkt für alle Informationen aus einer Hand“ zu sein – möglichst auch rund um die Uhr. Wie es funktionieren kann, zeigte Christian Baumann von der Firma Swiss Krono: Das größte Unternehmen der Region, unterhält eine Internetplattform „www.willkommen-mittendrin.de“ , die kreis- und länderübergreifend Informationen zu Arbeit, Wohnen und Freizeit bietet, obwohl Swiss Krono immer noch auf jede Ausschreibung zehn Bewerbungen erhält. „Wenn aber beispielsweise ein Mitarbeiter eine Stelle für seine Partnerin sucht, helfen wir auch dabei, so gut wir können.“

Von Claudia Bihler

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