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Ostprignitz-Ruppin Vom Orinoco an die Dosse
Lokales Ostprignitz-Ruppin Vom Orinoco an die Dosse
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00:24 28.03.2018
Fritz Meyer aus Wusterhausen wird bald 80. Er ist ein Aquarianer der alten Schule. Sein erstes Becken war ein Gurkenglas. Quelle: Matthias Anke
Wusterhausen

Weltreise gewonnen! Als Fritz Meyer und Familie das zu DDR-Zeiten im TV sahen und sich in den Gewinner hineinversetzten, begann eine Fantasterei. „Ich würde nach New York.“ „Paris ist besser.“ Die Kinder haben so ihre Vorstellungen, aber auch Vater Fritz, der zum Erstaunen aller sagte: „Südamerika, Amazonas, Orinoco.“ Da ahnte noch niemand, dass die politische Wende nahe ist, die Grenzen sich öffnen – und Meyer 1991 sofort bis Peru und Bolivien fliegen wird. „Ich wollte immer schon nur dorthin, wo meine Fische herkommen“, erinnert sich Meyer. Da war er längst mehr als ein gewöhnlicher Aquarianer. Sein Hobby aber nahm erst ab dieser Zeit richtig Fahrt auf.

Fritz Meyer aus Wusterhausen (Dosse) zählt in den Landkreisen Ostprignitz-Ruppin und Prignitz zu den Urgesteinen unter den Aquarianern. Bereits seit 70 Jahren geht er seinem Hobby nach. Ein Blick in die bunte Unterwasserwelt.

Bis heute blieb Meyer, der bald 80 wird, der Aquaristik treu. In einer Zeit, in der immer alles überall für das passende Kleingeld zu haben ist, gebe es nur noch wenige von seiner Sorte. Gemeint sind Aquarianer, die ihre Fische selbst züchten, sich in Vereinen austauschen. Und mehr noch: Manche holen sich die Flossenträger direkt aus den Ländern, in denen sie vorkommen. „Zu meiner Zeit war das sicherlich einfacher als heute“, erinnert sich der Wusterhausener.

Er entdeckte sogar vier völlig neue Arten

In etlichen Filmdosen mit jeweils einem Schluck Wasser behutsam in den Koffer gepackt, flogen die Fische mit nach Deutschland. Die Ausfuhrbestimmungen waren von Land zu Land unterschiedlich. In Venezuela stellten sie laut Meyer in aller Regel kein Problem dar. „Und von 500 Fischen haben vielleicht mal zwei die Reise nicht überlebt.“

Wenn aber nun – wie er – alle gekommen wären, um die letzten ihrer Art wegzufangen? „Man muss das so sehen: Es gibt Fische oft nur in einer bestimmten Region, sagen wir mal nur in einem Fluss. Dann kommt eine klimatische Veränderung und er trocknet aus und mit ihm wären auch alle Tiere weg.“ Meyer habe sich daher als eine Art Artenschützer gesehen.

Zudem war er in der Regel mit Wissenschaftlern unterwegs. „In einer Naturschutzstation kannten sie 80 Fische, als wir wieder fuhren, wussten sie von 120. Ich habe sogar vier völlig neue Arten gefunden.“

Mit der Linie und dem Punkt täuscht der Flaggenbuntbarsch seine Feinde. Quelle: Matthias Anke

Meyer war oft mit Vertretern der Deutschen Cichlidengesellschaft unterwegs, den Experten für Buntbarsche, der er bis heute angehört. Auch andere Wissenschaftler waren dabei. Seine letzte Expedition führte ihn nach Kolumbien. Mit der Sanierung seines Fachwerkshauses in der Dossestadt aber verschwand dann die Zeit für größere Fahrten.

Die Aquaristik Prignitz hatte ihren Sitz in Pritzwalk

Aus seinen Erfahrungen wurden „Meyer’s Tropenreisen“, Vorträge, die er landauf landab hielt. Doch das Interesse ließ nach. Vereine für Aquaristik lösten sich auf. „Wir nannten uns Aquaristik Prignitz mit Sitz in Pritzwalk. Meyenburger, Putlitzer, Wittstocker, auch Dabergotzer waren dabei. Regelmäßig stellten wir aus“, erzählt Meyer. Die „Aquaristik Prignitz“ gibt es seit gut einem Jahrzehnt nicht mehr. Meyer macht jetzt in Mecklenburg beim Cichliden-Landesverein mit.

Wie eine Freizeitbeschäftigung in der Bevölkerung Höhenflüge erlebt und Tiefschläge erleidet, kennt Meyer nur zu gut – ist er doch auch langjähriger Vorsitzender des Wusterhausener Tennisclubs. Meyer sah die Zierfischabteilungen mancher Läden öffnen und schließen. In jeder größeren Stadt gab es zeitweise mindestens zwei. Heute sind es in Neuruppin, Perleberg und Kyritz jeweils eine. „Und in Pritzwalk und Wittstock? Ich weiß es nicht.“

Mit 25 Jahren kam Meyer dann nach Wusterhausen

Fische aus dem Laden sind Meyers Sache ohnehin nicht, wissend um fragwürdige Aufzuchten. Doch auch Meyer fing mal klein an. „Mit einem Gurkenglas auf dem Fensterbrett, drin zwei Stichlinge, eine Schnecke und etwas Wasserpest.“ Das war in Nettelbeck bei Putlitz. Mit 25 Jahren kam Meyer dann nach Wusterhausen. Später wurde er in Kyritz zum Kämmerer der Kreisverwaltung und blieb das bis zur Kreisgebietsreform von 1993 und dann ein Jahr in Neuruppin. Der Ingenieur-Ökonom und Kaufmann baute noch eine Arbeitsfördergesellschaft mit auf, ehe er in den Vorruhestand ging.

Allein die Aquarien ließen ihm keine Ruhe: „Wer einmal diesen Virus hat, behält ihn.“ Sein größtes Becken pflegt er seit 35 Jahren. In Meyers Auftrag einst geklebt mit dem DDR-Silikondichtstoff Cenusil ist es 3,25 Meter lang und fasst 1000 Liter. „Fünf randvolle Badewannen! Und man muss wissen, Dickglas war Beziehungsware“, sagt er mit Blick auf das Süßwasseraquarium. Meerwasser indes sei ihm „zu hohe Kunst“ gewesen. Der Orinoco, „und eigentlich erst das kleinste Rinnsal im tiefsten Hinterland", bot ja genügend Arten. Dort, wo normale Weltreisende nie hinfinden würden.

Von Matthias Anke

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