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Ostprignitz-Ruppin Arbeitskreis will mehr Gewaltopfern helfen
Lokales Ostprignitz-Ruppin Arbeitskreis will mehr Gewaltopfern helfen
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00:18 27.11.2016
Franziska Seidel, Tina Dietz, Michaela Rönnefahrt, Claudia Röttger und Juliane Sorge (v.l.) mit dem Info-Flyer in fünf Sprachen. Quelle: Mischa Karth
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Neuruppin

Am „Aktionstag gegen Gewalt an Frauen“ am Freitag werden im Landkreis Ostprignitz-Ruppin gleich an zehn verschiedenen Orten Flaggen gehisst. Sie sollen daran erinnern, dass jährlich mehr als 100 000 Frauen in der Bundesrepublik körperlich oder seelisch angegriffen werden. Die Aktion ist bereits aus den vergangenen Jahren in der Region bekannt, durch den großen Zuzug von Asylsuchenden im vergangenen Jahr hat das Thema noch einmal eine andere Dimension bekommen, wie der „Arbeitskreis Opferschutz“ am Donnerstag betonte. Der Arbeitskreis – ein Zusammenschluss verschiedener Vereine und Träger – koordiniert die Hilfe für betroffene Frauen in der Region.

Rund die Hälfte der weiblichen Flüchtlinge, die Schutz in Deutschland suche, sei „schwerst traumatisiert“, schätzt Tina Dietz. Sie arbeitet in Neuruppin für den vom Land Brandenburg finanzierten Verein „Opferhilfe“. „In Ostprignitz-Ruppin haben wir viele Frauen aus Tschetschenien, die besonders betroffen sind. Die patriarchalen Strukturen dort sorgen dafür, dass häusliche Gewalt mehr und mehr toleriert wird. Die Frauen haben auf der anderen Seite immer weniger Möglichkeiten, sich Hilfe zu holen“, berichtet Dietz. „Uns allen fällt auf, dass tschetschenische Frauen echte Horrorgeschichten erzählen.“

Fünf mal 500 Flyer zur Aufklärung

Mit „wir“ ist der „Arbeitskreis Opferschutz“ gemeint. Anlässlich des heutigen Aktionstages hat der Arbeitskreis einen Flyer drucken lassen, der betroffene Frauen darüber informieren soll, wo sie Hilfe bekommen. „Vorbild war ein Flyer des Arbeitskreises Opferschutz in Potsdam“, sagt Claudia Röttger, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Neuruppin. Das Besondere: Die Broschüre gibt es in fünf Sprachen. Neben Deutsch sind dies Englisch, Russisch, Arabisch und Farsi. Jeweils 500 Exemplare wurden gedruckt, die Kosten hat die Stadt Neuruppin übernommen.

Deutsch, Englisch, Russisch, Arabisch, Farsi – in diesem fünf Sprachen liegt der Flyer vor. Quelle: Mischa Karth

Verteilt werden sollen die Faltblätter indes im ganzen Kreis. „Bei solch einem wichtigen Thema kann eine Stadtmauer keine Grenze sein“, sagt Röttger. In Ämtern und bei Ärzten sollen die Flyer ebenso ausliegen wie beispielsweise in Umkleidekabinen oder auf Toiletten. Es sei wichtig, dass die Frauen die Informationen ungestört einsehen könnten, denn auch in Deutschland drohten mancher Frau im Umfeld ihrer Familie Repressionen.

Arbeitskreis: Geld für Dolmetscher fehlt

Um den ausländischen Frauen eine vernünftige Ersthilfe anbieten zu können, fehlt es laut Arbeitskreis derzeit akut am Geld für Dolmetscher. „Im günstigsten Fall nimmt ein Dolmetscher 90 Euro pro Stunde“, sagt Michaela Rönnefahrt vom Neuruppiner Verein „Frauen für Frauen“. „Da ist die Anfahrt noch nicht einberechnet.“ Häufig müssten die Übersetzer aus Berlin oder Potsdam anreisen. Dass die Familienangehörigen fürs Dolmetschen eingespannt würden, sei keine Option. Rönnefahrt, die im Neuruppiner Frauenhaus arbeitet, erinnert sich an einen Fall von vor einigen Jahren, als eine Asylbewerberin sich bei den Behörden ungewöhnlich verhielt. Da ihr Mann stets für sie übersetzte, wurde nicht aufgedeckt, dass sie zum Opfer häuslicher Gewalt geworden war – und ihr Mann der Täter war. „Viele Täter schlagen strategisch, da leuchten bei den Frauen nicht die Blauen Augen auf“, schildert Rönnefahrt. Um solche Fälle zu vermeiden, sei es wichtig, unabhängige, vereidigte Dolmetscher einzusetzen.

Gewalt im Heimatland ist das eine, Gewalt im familiären Umfeld in Deutschland das andere. „Durch die Änderung in diesem Jahr im Strafgesetzbuch wurde noch mal klar signalisiert, dass der Wille da ist, den Frauen zu helfen“, sagt Claudia Röttger mit Blick auf die Änderung im Sexualstrafrecht. Es gehe nun darum, alle Frauen über ihre Rechte aufzuklären und zu erläutern, was „Nein heißt nein!“ eigentlich bedeute.

Zwei Kundgebungen am Freitag

Die zehn Flaggen im Kreis bleiben übrigens sieben Tage sichtbar. In Neuruppin und Fehrbellin finden zu diesem Anlass am Freitag, 25. November, jeweils um 11 Uhr Kundgebungen statt.

Frauen, die Hilfe brauchen, können sich an die Frauenberatungsstelle beziehungsweise das Frauenhaus unter 03391/2303 wenden. Auch die Opferberatung steht unter 03391/512300 bereit. Hilfe in Asylfragen gibt es von der überregionalen Flüchtlingsberatungsstelle unter 03391/400915.

Von Mischa Karth

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