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Armin Mueller-Stahl begeistert in Neuruppin

Konzert in der Kulturkirche Armin Mueller-Stahl begeistert in Neuruppin

Er singt, er spielt, er geigt, er malt, er dichtet: Armin Mueller-Stahl ist das, was man ein Multitalent nennt. Gemeinsam mit drei großartigen Musikern, darunter Jazz-Legende und Komponist Günther Fischer, gab der 84-jährige Hollywood-Star am Sonnabend ein umjubeltes Konzert in Neuruppin.

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Präsent bis in die Fingerspitzen: Armin Mueller-Stahl bei seinem Konzert in der Neuruppiner Kulturkirche.

Quelle: Peter Geisler

Neuruppin. Ein Multitalent sei er – so heißt es über Armin Mueller-Stahl. Der Hollywoodstar wirkte in unzähligen Filmen mit, ist bekannt als Autor und Konzertgeiger, seit einigen Jahren überrascht er mit Bildern und Grafiken. In Neuruppin verewigte Mueller-Stahl den Sohn der Stadt, Fontane, in Porträts, und beglückte seine Fans mit einem Konzert. In diesem Jahr hat er sich des zweiten Sohnes, Schinkel, angenommen. Der lächelt, in flüchtigem Strich und Schwarz-Weiß hingetupft, von der Wand der Pfarrkirche, in der am Sonnabend 600 Gäste warten, um den Star auf der Bühne zu erleben.

Vier Männer in Schwarz, mit Hüten wie aus der Zeit der Prohibition, steigen auf die Bühne und beziehen Stellung vor ihren Instrumenten – allesamt bekannte Namen. Günther Fischer, begnadeter Jazzer und Komponist der Musik für gut 250 Filme, ein langjähriger Freund und Wegbegleiter Mueller-Stahls sitzt an Saxofon und Piano, Tom Götze am Bass und Tobias Morgenstern am Akkordeon. Armin Mueller-Stahl selbst sitzt lässig-elegant auf einem Barhocker, den Hut im Gesicht, darunter zuckt das verschmitzte Lächeln in den weisen Augen. Kein Mensch käme auf die Idee, dass dieser Mann bald 85 Jahre wird.

Günther Fischer am Saxofon

Günther Fischer am Saxofon.

Quelle: Peter Geisler

Ein Saxofon-Intro von Günther Fischer, dann legt er los – mit einem Violinsolo zwischen Klassik und Klezmer, bevor er anhebt, zu singen: mal mit kraftvoller Stimme, mal flüsterleise, dass es mitten in die Seele trifft. Seine Worte – da kommt der Dichter durch – fein akzentuiert. Jede Silbe sitzt, jedes Fingerschnippen. Der Mann ist Schauspieler durch und durch, seine Show grandios und sauber durchkomponiert. „Es gibt Tage“, heißt sie und umfasst Lieder, die er vor 45 Jahren schrieb, wie er sagt. Dabei klingen sie an mancher Stelle, als seien sie just für jetzt geschrieben worden. Es gibt kaum Pausen zwischen den Titeln, wie aus einem Guss gehen sie ineinander über, verbunden durch die Instrumentalsoli der Musiker, bei denen der Hauptakteur wieder tiefenentspannt auf seinem Hocker sitzt. Präsent bis in die Fingerspitzen, gibt er seinen Begleitern Raum für deren Talent. Den immer wieder aufbrandenden Applaus zwischendurch schnippt er mit einer Handbewegung fort: „Sparen sie sich das auf“, sagt er und lauscht dem Spiel seiner Kollegen.

Bei Günther Fischer wünscht man sich, er würde das Saxofon nie aus der Hand legen. Auch wenn er seine großartigen Pianoballaden in den Raum perlen lässt, wünscht man sich, es würde ewig währen. Auch Tobias Morgensterns flirrende Finger auf den Tasten verzaubern – etwa mit dem von Günther Fischer komponierten Tango aus dem Film „Hautnah“, in dem Mueller-Stahl die Hauptrolle spielte, wie in so vielen anderen, bei denen Fischer die Musik schrieb. Die beiden Flöten aus Jim Jarmuschs „Night on Earth“ – da spielte er den Taxifahrer – hat er mitgebracht und spielt sie gleichzeitig. Tom Götze ist am Bass der Mann fürs Tiefgründige und ab und an für die Pointe: Wenn die anderen drei das kleine „Pour-Elise“-Motiv auf ihren Instrumenten persiflieren, rülpst Götze den finalen Ton aus seinem Bass. Das Publikum hat oft etwas zu lachen.


Ganz in Schwarz mit Hut

Ganz in Schwarz mit Hut. So präsentierten sich Mueller-Stahl und seine Begleiter in der Neuruppiner Kulturkirche.

Quelle: Peter Geisler

Und zum Weinen auch: Armin Mueller-Stahl singt und rezitiert die Liebe durch alle Oktaven, aber auch den Krieg und den Wunsch nach Frieden. Ein Lied, in dem eine Frau an ihren Liebsten schreibt, dass Vater, Mutter und sein Kind tot sind – und an den Liebsten, der ebenfalls tot ist, rührt zutiefst. Geschrieben während des Vietnamkriegs ist der Titel zugleich Mahnung für die heutige Zeit. Mueller-Stahl singt und erzählt in Dur und Moll, augenzwinkernd über die Stasi, wütend über die „verfluchte Mauer“, absurd wie in der blauen Kuh, die sich selbst austrinkt – auch dies Metapher eines Mannes, der schon viel gesehen hat. Es gibt Tage, von denen man sich wünscht, sie würden nie enden.

Von Regine Buddeke

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