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Arno Drefke führt Angela Merkel durchs Stasi-Gefängnis

Freyenstein und Berlin Arno Drefke führt Angela Merkel durchs Stasi-Gefängnis

Arno Drefke (83) aus Freyenstein saß von 1953 bis 1962 wegen angeblicher Militär- und Wirtschaftsspionage in Haft. Seit 1995 führt er Besucher durch das Ex-Stasi-Gefängnis in Berlin Höhenschönhausen. Bald begleitet er Angela Merkel durchs Museum – zum Mauerbau-Jahrestag.

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Arno Drefke hat viele Fotografien von seinen Führungen durch das einstige Stasi-Gefängnis in Berlin Hohenschönhausen.

Quelle: Christamaria Ruch

Freyenstein. Arno Drefke aus Freyenstein bringt seit 1995 als Besucherreferent den Gästen die Stasi-Gedenkstätte in Berlin Hohenschönhausen näher. Er führt Besucher aus dem In- und Ausland durch das einstige Gefängnis und informiert aus erster Hand. Nun führt er im August anlässlich des Jahrestages vom Mauerbau Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Der 83-jährige Arno Drefke kennt das ehemalige Gefängnis aus eigenem Erleben. Er saß dort jahrelang als Häftling ein. Gedenkstättenleiter Hubertus Knabe sprach Arno Drefke im Juni bei einem Rundgang an und teilte ihm mit, dass er für diese Führung mit Angela Merkel vorgesehen ist. „Der MAZ-Bericht im August letzten Jahres zu 55 Jahre Mauerbau und über meine Geschichte gaben dafür den Ausschlag“, sagt Arno Drefke.

Arno Drefke kennt das ehemalige Gefängnis aus eigenem Erleben

In Abstimmung mit der Gedenkstätte bereitet er sich auf die Führung mit Angela Merkel vor. „Als sie 1954 geboren wurde, saß ich bereits ein Jahr in Haft“, sagt er. Eine reguläre Führung dauert 90 Minuten, hinzu kommt zum Auftakt eine 30-minütige Filmschau. Doch die Bundeskanzlerin wird höchstens 15 Minuten Zeit für seine Informationen haben. Jedes Jahr bringt er bis zu 15 Gruppen die Geschichte dieses Gefängnisses näher. „Mittlerweile ist das für mich Routine“, sagt Arno Drefke. Auch vor dem hohen Besuch zeigt er keine Aufregung.

Jetzt führt er Besucher durch die Gedenkstätte

Das Stasi-Untersuchungsgefängnis war ein Zentralgefängnis. Dort wurden die Vernehmer und Schließer ausgebildet“, sagt Drefke. Besonders eindrücklich bleibt ihm eine Führung 2015 für Schüler der deutschsprachigen Goetheschule aus Teheran (Iran) in Erinnerung. „Die waren so wissbegierig und ich musste sie sogar bremsen, dass ich auch ihnen Fragen stellen konnte“, sagt er. Auch die Goetheschule aus dem italienischen Genua gehört zu seinem Erinnerungsschatz. Doch das ist nicht immer so. „Mitunter haben die Schüler gar kein Interesse“, sagt er. Ehemalige Stasibeamte besuchen ebenfalls die Gedenkstätte und versuchen, bei Führungen zu provozieren. „Teilweise fehlen mir dann die Antworten, aber wichtig ist, dass ich auf die Provokationen nicht eingehe.“ Er hat bei den Führungen ein genaues Konzept im Kopf und zeigt den Gästen die einzelnen Bereiche. Dabei lässt er immer wieder seine eigenen Erlebnisse einfließen. „Es kommen mehr Gäste aus dem Westen als aus dem Osten. Das gilt auch für Schulen“, sagt er.

Oft kommen auch Schulklassen in den ehemaligen Stasi-Knast

Arno Drefke saß von 1953 bis 1962 in Cottbus und Berlin Hohenschönhausen ein. Wegen Militär- und Wirtschaftsspionage und als Kurier für den Bund Deutscher Jugend wurde er verurteilt. Alle Anklagepunkte erwiesen sich später als haltlos. Er wurde 1992 vollständig rehabilitiert und bekam eine Haftentschädigung. 1953 landete er im berüchtigten Stasi-Gefängnis in Berlin Hohenschönhausen. Vier Monate verbrachte er im so genannten U-Boot. Völlig abgeschottet saß er in Einzelhaft. Dann folgten der Prozess und die Verlegung nach Cottbus, bevor er von 1957 bis 1962 erneut in Berlin Hohenschönhausen einsaß. Dort war er im Haftarbeitslager untergebracht und durfte endlich arbeiten. „Ich habe am neuen U-Haft-Gebäude der Stasi mitgebaut“, sagt er. Und: „Ich bin der letzte Zeitzeuge, der im U-Boot einsaß und Führungen macht.“

Im August führt er Bundeskanzlerin Angela Merkel durch das Museum

Den Tag des Mauerbaus am 13. August 1961 erlebte er auch in Haft. Einen Tag später erhielt Kurt, ein Lagerkumpel von Arno Drefke, einen besonderen Auftrag. „Er musste Spanische Reiter zeichnen und berechnen“, so Drefke. Spanische Reiter sind X-förmig verbundene Metallstangen und dienen als Barrieren. Beim Mauerbau in Berlin versperrten diese Sicherungen die Grenze. „Ich musste diese Entwürfe dann auf Transparentpapier übertragen“, so Arno Drefke. „Damit habe ich mitgeholfen, die Mauer mit mehreren tausend Spanischen Reitern dicht zu machen“, sagt er. Gleichzeitig klärt er auf: „Wir Häftlinge waren sehr gute Geheimnisträger, weil wir keine Kontakte nach außen hatten und somit konnte niemand erfahren, wie die Grenze gesichert wurde“, sagt er. Beim Besuch von Angela Merkel wird Arno Drefke genau davon berichten.

Von Christamaria Ruch

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