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Auf Spurensuche im Ruppiner Land

25 Jahre Edition Rieger Auf Spurensuche im Ruppiner Land

Sein Interesse für Geschichte, Kunst und Kultur im Ruppiner Land treibt Günter Rieger seit 25 Jahren zu immer neuen Veröffentlichungen an. Gerade hat der Karwer Verleger ein kleines Büchlein mit dem Titel „Ich, Pater Wichmann“ herausgegeben. Begonnen hatte alles 1990 – mit einem Stadtführer über Neuruppin.

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Günter Rieger bei der Arbeit in seinem Haus in Karwe. Immer wieder sichtet er Material.

Quelle: Cornelia Felsch

Karwe. Durch das Fenster des Arbeitszimmers fällt der Blick in den Garten. Draußen ist es feucht und diesig. Um so gemütlicher ist es im Inneren des blauen Hauses an der Langen Straße von Karwe. Dorthin zieht sich der Verleger Günter Rieger zurück, wenn er ungestört arbeiten will. Umgeben von Büchern und Schriftstücken, die sich bis unter die Zimmerdecke stapeln, kleinen Kunstwerken und Erinnerungsstücken, liest er Texte, sichtet Fotomaterial, plant neue Projekte oder sortiert Zeitungsartikel vergangener Tage. Auf dem Tisch dampft es aus einer Kanne mit heißem Malzkaffee. Nur das Telefon unterbricht ab und zu die schöpferische Ruhe.

Zwischen zahlreichen Papieren liegt ein kleines Büchlein im Din- A5-Format mit dem Titel „Ich, Pater Wichmann“, geschrieben von Eberhard Greulich. Es gehört zu den neuesten Publikationen, die in der Edition Rieger erschienen sind, und enthält Geschichten um Pater Wichmann, den ersten Prior des Neuruppiner Dominikanerklosters. Der kleine Verlag, dessen Geburtsstunde in die Zeit nach dem Mauerfall fiel, hat sich der Literatur zu Kultur und Geschichte sowie zu touristischen Zielen in unserer Region verschrieben.

Die Regale in Riegers Arbeitszimmer sind voller Material und Erinnerungsstücke

Die Regale in Riegers Arbeitszimmer sind voller Material und Erinnerungsstücke.

Quelle: Cornelia Felsch

Begonnen hat alles 1990 mit einem Stadtführer über Neuruppin. „Derartige Literatur war damals Mangelware“, sagt Günter Rieger, der zuvor zehn Jahre als stellvertretender Direktor im Berliner Zentrum für Kunstausstellungen arbeitete. „Unsere Einrichtung hat damals im Auftrag des Ministeriums für Kultur Ausstellungen im In- und Ausland organisiert“. Nach der politischen Wende orientierte sich Günter Rieger neu, er wollte selbstständig arbeiten. Der preußische Charakter der Stadt Neuruppin und die Schönheit der Landschaft rund um die Stadt hatte er bereits bei Besuchen in den 70er Jahren entdeckt. 1976 kaufte das Ehepaar Rieger das Haus in Karwe, der kleine Ort wurde nach der Wende der neue Lebensmittelpunkt der Familie. Dort entstand die erste Auflage des kleinen Heftes „Ein Streifzug durch Neuruppin“, mit 1000 Exemplaren. Sie verkauften sich gut. „Die Einnahmen flossen gleich wieder in das nächste Projekt“, erzählt Günter Rieger. Es folgten zahlreiche Bildbände über das Ruppiner Land, über Persönlichkeiten der preußischen Geschichte wie Friedrich den Großen, Prinz Heinrich und Elisabeth Christine. Der Schlacht von Fehrbellin und den Neuruppiner Bilderbögen widmete sich der Verleger ebenso wie der Geschichte der ehemaligen Neuruppiner Prinzenhäuser oder der Romanze des Kronprinzen Friedrich mit der schönen Försterstochter Sabine. Rund 200 Titel sind mittlerweile in dem Verlag erschienen, darunter auch zahlreiche Reprints historischer Bücher.

Alles, was heimatgeschichtlich interessant ist, wird gesammelt

Alles, was heimatgeschichtlich interessant ist, wird gesammelt.

Quelle: Cornelia Felsch

Die Arbeit, die oftmals in den kleinen Bändchen steckt, kann der Leser kaum noch nachvollziehen. Schließlich enthält das Heft über die Liaison zwischen Sabine und dem Prinzen nicht einmal 50 Seiten. Dennoch vergehen oft mehrere Wochen, bis das Büchlein die Druckerei erreicht. „Ich lese mir den Text durch, korrigiere oder kürze und kontaktiere immer wieder den Autor“, erzählt Günter Rieger. „So gehen oft Wochen und Monate ins Land. Manchmal fällt dem Autor noch etwas Wichtiges ein oder ich finde noch ein gutes Bild.“ Ist das Buch gedruckt, muss es dem Leser präsentiert werden, möglichst ansprechend, denn schließlich soll es gut verkauft werden. „Und das ist das Schwierigste“ , sagt der 67-jährige Verleger, der immer wieder zu Kunst- oder Weihnachtsmärkten fährt, um dort seine Bücher zu verkaufen.

Doch das ist ein mühseliges Geschäft, der Lagerraum ist prall gefüllt. Dennoch will Günter Rieger die Flinte nicht ins Korn werfen. „Den Verlag werde ich so lange machen, wie ich kann“, sagt er. Die Kraft dafür schöpft er aus vielen Dingen: der Freude an Malerei und Fotografie, der Schönheit der Ruppiner Landschaft, dem Interesse an Kunst und Geschichte. Begeistert erzählt er von einem Besuch im Leipziger Museum für Bildende Kunst. „Dort hängt ein Bild, das mich besonders fasziniert“, sagt er. Es ist ein Bild, das Paul Delaroche von Napoleon gemalt hat. „Als 16-Jähriger habe ich es kopiert und es hat mich so begeistert, dass ich mir anschließend Pinsel und Farben gekauft habe“, erzählt Günter Rieger, der seine Bilder schon in mehreren Ausstellungen gezeigt hat.

Wenn er Ruhe braucht, zieht er sich in sein Atelier zurück

Zum Malen kommt der Verleger allerdings nur selten, denn als weiteres Standbein führt er kunst- und geschichtsinteressierte Touristen auf Kulturreise durch den Norden Brandenburgs. Wenn er vom Alltagsstress die Nase voll hat, zieht er sich in sein Atelier zurück. Doch diese Momente sind rar. Kein Wunder, wenn man die Liste der gerade erschienenen Bücher betrachtet. Darunter ist ein Buch über Liebenwalde, ein Bändchen über die Dorfkirchen der Gesamtgemeinde Wustrau-Radensleben-Protzen, Gedichte von Theodor Fontane sowie Impressionen aus dem Löwenberger Land. Zurzeit arbeitet Günter Rieger an einer Buchreihe, in der er Künstler der Region vorstellt. Erschienen sind bereits ein Büchlein zu Kaltnadelradierungen von Robert Werner Wagner, ein Band über das Schaffen von Bernd Weimar sowie ein Buch, in dem Walter Kuphal als Grafiker vorgestellt wird. Der nächste Band, an dem Günter Rieger jetzt arbeitet, ist der Keramikerin Sigrid Hilpert-Artes gewidmet, die über viele Jahre in einer Neuruppiner Werkstatt gemeinsam mit Karl Fulle und Ursula Zänker arbeitete. Die Künstlerin lebt und arbeitet jetzt in Dresden.

Von Cornelia Felsch

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