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Ostprignitz-Ruppin Auf Umwegen nach Wildberg
Lokales Ostprignitz-Ruppin Auf Umwegen nach Wildberg
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00:17 05.06.2016
Ulrich Jaap in der alten Schmiede seines Vaters in Wildberg. Quelle: Celina Aniol
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Wildberg

Hinter dem Eisernen Vorhang bleiben? Das kam für Ulrich Jaap nicht in Frage. „Ich wollte immer in den Westen“, sagt der heute 67-Jährige. Auch wenn er in seinem Heimatort fest verwurzelt war und auch nach seinem Wegzug nach Senftenberg und später nach Berlin regelmäßig nach Wildberg kam. Auch wenn die Schmiede seiner Familie in vierter Generation für ihn ein fester Ankerpunkt war. „In der DDR war alles Lug und Trug, das Handeln war anders als das, was gepredigt wurde“. sagt der Ortsvorsteher seines Geburtsorts. „Abitur durfte ich nicht machen, weil mein Vater kein Genosse, sondern Handwerker war.“ Dabei war er der zweitbeste in seiner Klasse. Er machte eine Ausbildung zum Rundfunkmechaniker und studierte später Elektronik. „Ich wollte etwas mit Computern machen, man hat mich da aber nicht rangelassen“, berichtet Jaap über seine Zeit am Institut für Regelungstechnik der Technischen Hochschule in Ost.-Berlin. „Anscheinend war ich den Oberen nicht vertrauenswürdig genug.“

Als er 1986 nach Kuba reisen darf, bittet er bei einem Zwischenstopp in Kanada um Asyl. Er kehrt nach Deutschland zurück, weil dort Frau und Kind warten. „In Gießen haben mich alle Geheimdienste der BRD begrüßt“, erinnert sich Ulrich Jaap. „Im Notaufnahmelager Marienfelde gedacht, ich wäre ein Spion.“ Nach den aufreibenden Überprüfungen integrierte sich der DDR-Flüchtling schnell in West-Berlin, er arbeitete beim Großkonzern Siemens – und genoss seine Freiheit. 1988 dürfen sein Sohn und seine damalige Ehefrau nachkommen. Das einzige, was ihn wurmte, war, dass er nicht mehr nach Wildberg konnte.

Den Funktionären nicht das Feld überlassen

Als die Grenzen offen sind, fährt er sofort zu seinem Elternhaus, fährt später jeden Tag von Berlin aus nach Wildberg, um seine kranke Mutter zu pflegen. Seine Frau will nicht nach Wildberg ziehen, darüber bricht die Ehe auseinander. Seine zweite Frau Ingrid zieht mit – und das Paar lebt nun seit fast 20 Jahren in dem ehemaligen Städtchen.

Dass er sich in seiner neuen, alten Heimat politisch engagieren will, war für Jaap schnell klar. „Ich wollte gesellschaftlich etwas bewegen“, sagt der CDU-Mann, der auch im Kreistag sitzt. „Und ich wollte auch den Funktionären, die nach der Wende abgetaucht und dann wiedergekommen sind, etwas entgegensetzen.“ 2002 wird er Ortsbürgermeister und steht seit dieser Zeit mit einer Unterbrechung Wildberg vor.

Windräder kontra Babyboom

„Wir sind sehr weit gekommen“, sagt Ulrich Jaap. Die Straßen sind fast alle saniert; 2016 sollen noch die Mühlenstraße und der Siedlerweg erneuert werden. Es ziehen junge Familien nach Wildberg, es gibt einen kleinen Babyboom, das Dorfleben, der Zusammenhalt unter den Wildbergern funktionieren, es gibt noch Geschäfte, einen Arzt, Physiotherapie und Krankenpflege vor Ort. Dass Wildberg nicht mehr ein Magnet für die Erledigungen der Menschen aus der Umgebung ist, bedauert Jaap. „Wer kann sich heute aber noch leisten, sich ein Kleid schneidern zu lassen? Die Zeiten haben sich geändert – man muss nur aufpassen, dass nicht alle Angebote weggestrichen werden.“ Problematisch sieht er deshalb die Schließung der Bankfiliale 2015, genauso aber den „industriemäßigen“ Windradbau vor den Toren seines Dorfes. „Die Windindustrie versucht mit Gewalt etwas aufzuziehen, was wir nicht wollen.“ Jaap befürchtet, dass durch die hohen und vielen Windkraftanlagen in der Nähe der Zuzug nach Wildberg gestoppt wird. „Das wäre fatal.“ Denn auch die Schule kämpft ums Überleben. „Mit dem jahrgangsübergreifenden Unterricht ist sie aber auf dem richtigen Weg.“

Von Celina Aniol

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