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Auf den Spuren von Albert Schweitzer

Ein Wittstocker in Afrika Auf den Spuren von Albert Schweitzer

Der Parasitologe Eberhard Albert aus Neuendorf bei Wittstock hat sich auf die Spuren von Albert Schweitzer begeben. Er besuchte das afrikanische Lambaréné, wo Schweitzer als Urwalddoktor arbeitete. Seine Reiseeindrücke von Afrika will Albert jetzt im Wittstocker Kino vorstellen.

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Vom Mikroskop in die Praxis: Der Parasitologe Eberhard Albert aus Neuendorf bei Dossow lernte in Afrika viele Krankheitsbilder aus nächster Nähe kennen.

Quelle: Christamaria Ruch

Neuendorf. Ein Teil ihres Namens bildet eine Brücke zwischen Albert Schweitzer und Eberhard Albert. Der als Urwalddoktor im afrikanischen Lambaréné berühmt gewordene Arzt, Theologe und Organist Albert Schweitzer fasziniert den promovierten Parasitologen Eberhard Albert aus Neuendorf bei Dossow seit seiner Studienzeit.

Am Mittwoch, 18. November, will sich der 70-jährige Eberhard Albert ab 14 Uhr beim Filmcafé im Wittstocker Kino Astoria den Fragen des Publikums stellen. Dann wird der Film „Albert Schweitzer – Ein Leben für Afrika“ aus dem Jahr 2009 gezeigt. Albert möchte bei seinem Gespräch mit den Zuschauern an eine ganz besondere Reise anknüpfen: Im Juli vergangenen Jahres reiste er für zehn Tage nach Lambaréné im zentralafrikanischen Gabun. Dort besuchte er mit einer Studiengruppe vom Deutschen Hilfsverein für das Albert-Schweitzer-Spital in Lambaréné die einstige Wirkungsstätte des berühmten Arztes.

Außerdem besuchte er ein Lepradorf, wo 30 Patienten leben. Ein Patient schnitzt dort etwa Pirogen und verkauft sie an Besucher. Bei Pirogen handelt es sich um einfache Schiffstypen, die auch als Einbaum bekannt sind. „Die Reise war sehr emotional“, erinnert sich Eberhard Albert. Er bezeichnet sich seit seiner Studienzeit vor 50 Jahren als Fan von Albert Schweitzer.

Souvenir aus Afrika

Souvenir aus Afrika: Das geschnitzte Boot stammt von einem Leprakranken.

Quelle: Christamaria Ruch

„Als Parasitologe war diese Reise auch aus fachlicher Sicht interessant. Ich konnte dort Krankheitsbilder sehen, die ich bis dahin nur aus der Literatur kannte. Die Literatur wurde damit greifbar.“ Damit meint er etwa die gefährlichen Krankheiten Malaria, Gelbfieber und Typhus. Oder Buruli-Ulkus, bei der sich eitrige Geschwüre auf der Haut bilden. „Diese Krankheit erfordert eine sehr langwierige Behandlung“, so Albert. Malaria gilt bis heute als sehr aggressive Krankheit – sie verursacht nach wie vor eine hohe Kindersterblichkeit. „Wärme und Feuchte sind dort ideale Grundlagen für Parasiten.“

Besonders das Leitbild Albert Schweitzers – die Ehrfurcht vor dem Leben – beeindruckt Eberhard Albert. Seit 1959 ist er Mitstreiter beim Deutschen Roten Kreuz (DRK). Allerdings blieb ihm zu Zeiten der DDR der Zugang zum Albert-Schweitzer-Komitee verwehrt. Dieses Komitee war beim DRK angesiedelt. Als die Mauer 1989 fiel, nahm er Kontakt zum Deutschen Hilfsverein für das Albert-Schweitzer-Spital in Lambaréné mit Sitz in Frankfurt am Main auf. Seitdem engagiert er sich dort auch als Mitglied. „Schon längst ist ein Wandel in der Gesellschaft zu beobachten, denn alles muss sich heute rechnen“, sagt er und ist sich sicher: „Wenn man sich nun wieder verstärkt der Ethik, also dem moralischen Handeln, zuwenden würde, wären wir viele Probleme los.“

Mit Bildern von seiner Reise in das Urwaldhospital in Lambaréné im zentralafrikanischen Staat Gabun untermalt Eberhard Albert seine Vorträge

Mit Bildern von seiner Reise in das Urwaldhospital in Lambaréné im zentralafrikanischen Staat Gabun untermalt Eberhard Albert seine Vorträge.

Quelle: Christamaria Ruch

In Lambaréné lebt der Gedanke Albert Schweitzers jedoch weiter fort. Das erlebte Eberhard Albert schon bei der Ankunft am Flughafen. Einige Mitglieder der Studiengruppe hatten Bilder vom Konterfei Schweitzers auf dem Gepäck. „Das Personal auf dem Flughafen erkannte Schweitzer und schon durften wir durch die Kontrollen.“ Dort, wo Schweitzer 1913 den Grundstein für das Urwaldhospital legte, befindet sich heute ein Museum mit Gedenkstätte. Das neue Spital in Trägerschaft einer Stiftung siedelte sich in unmittelbarer Nachbarschaft an. „Es ist interessant, wie auch dort der Gedanke Albert Schweitzers beibehalten wird“, sagt der Parasitologe. Denn: Damals wie heute kommen die Familienangehörigen der Patienten mit in das Hospital und versorgen sie dort. Eberhard Albert hält seit seiner Reise Vorträge über Albert Schweitzer. „Es ist schwierig, den Gedanken dieses großen Arztes in die Region zu tragen“, räumt er ein. Es scheint ihm, dass Schweitzers Anspruch vom Dienst an den Ärmsten der Armen nicht mehr zeitgemäß ist. Dennoch lässt sich der 70-Jährige nicht entmutigen – und steht nun beim Filmcafé im Wittstocker Kino Rede und Antwort.

Albert Schweitzer

Albert Schweitzer (1875 bis 1965) stammt aus dem Elsass und studierte von 1893 bis 1898 Theologie und Philosophie. Im Alter von 30 Jahren – also von 1905 bis 1912 – folgte ein Medizinstudium mit dem Ziel, als Missionsarzt in Afrika tätig zu werden.

Im Jahr 1913 gründete er das Tropenhospital für die Ärmsten der Armen im zentralafrikanischen Lambaréné, das einst zur französischen Kolonie Gabun zählte. Schweitzer wirkte dort bis zu seinem Tod als Missionsarzt.

In Lambaréné erhalten bis heute Leprakranke, Malariapatienten und andere Erkrankte umfangreiche Behandlungen. Die Familien leben mit auf dem Gelände des Hospitals. Für sein Engagement nahm Albert Schweitzer 1954 den Friedensnobelpreis entgegen.

Umbauten und Neubauten waren in Lambaréné im Laufe der Zeit erforderlich. Seit 1981 steht das neue Hospital zur Verfügung. Träger ist eine Stiftung. Eigeneinnahmen, nationale Hilfsvereine und der Staat Gabun finanzieren die Einrichtung.

Die Universität Tübingen unterhält in Lambaréné ein Forschungsinstitut im parasitären Bereich.

Von Christamaria Ruch

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