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Auf der Spur der ersten Einwohner

Kyritz Auf der Spur der ersten Einwohner

Seit Ende Mai wird in der Kyritzer Johann-Sebastian-Bach-Straße wieder gebaggert. Im nunmehr zweiten Bauabschnitt sind von Anfang an auch die Archäologen mit von der Partie. Ihre Entdeckungen, die sie bislang machten, werfen Licht ins Dunkel der Geschichte der Stadt.

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Der Archäologe Olaf Brauer dokumentierte die rund 800 Jahre alte hölzerne Entwässerungsrinne und die Reste des zeitgleich entstandenen Bohlenweges.

Quelle: André Reichel

Kyritz. Meter für Meter schreitet der Bagger in der Kyritzer Johann-Sebastian-Bach-Straße täglich voran. Seit Baubeginn vor drei Wochen ist die knapp zwei Meter breite und bis zu 1,7 Meter tiefe Baugrube für den künftigen Regenwasserkanal schon fast 100 Meter lang geworden.

Vom ersten Tag an dabei waren auch Fachleute einer archäologischen Grabungsfirma aus der Hauptstadt Berlin. Olaf Brauer ist einer von ihnen. Der 51-jährige Archäologe ist ein alter Hase in diesem Geschäft, denn schließlich betreut er seit über 20 Jahren Baustellen wie diese.

Mittelalterlicher Wegehorizont

Interessante Befunde entdeckte Olaf Brauer in Kyritz bereits beim allerersten Spatenstich. Nicht einmal einen Meter unter dem heutigen Pflaster kam an der Ostwand der Baugrube eine tiefdunkelbraune Erdschicht zu Tage. „Dabei handelt es sich um einen mittelalterlichen Wegehorizont, der im Laufe der Jahre durch Aufschüttung immer mehr anwuchs“, berichtet Olaf Brauer. In Kyritz kann der Archäologe anhand dieser Erdschicht die Geschichte der Stadt bis zu seinen Anfängen zurückverfolgen und sogar einige Schlussfolgerungen daraus ziehen, wie die ersten Knatterstädter beim Aufbau ihres Heimatortes vorgingen. „Als erstes planierten sie das Areal, was man an der geraden Unterkante der dunklen Erdschicht gut erkennen kann“, sagt Olaf Brauer. Dabei jedoch zerstörten die ersten Kyritzer aber auch alle darunter liegenden, also älteren Kulturschichten, bedauert der Archäologe.

Der mittelalterliche Wegehorizont zeichnet sich als dunkles Band ab

Der mittelalterliche Wegehorizont zeichnet sich als dunkles Band ab.

Quelle: André Reichel

Für diesen Verlust entschädigten die mittelalterlichen Funde, die er und seine Kollegen dafür dort entdecken könnten. Besonders hervorzuheben ist hierbei eine die Straße querende Entwässerungsrinne. Diese war aus Eichenholzbohlen gefertigt und auf Grund der Feuchtigkeit im Boden extrem gut erhalten. Brauer konnte ein paar Proben aus den Hölzern schneiden, bevor der Bagger diese aus der Grube beförderte. An Hand der Jahresringe kann im Labor schließlich das Fälldatum der Hölzer ermittelt werden. Jetzt schon kann Olaf Brauer aber mit einiger Gewissheit sagen, dass diese Leitung aus der Zeit der Stadtgründung kurz nach 1200 stammt, also 800 Jahre alt ist.

Proben fürs Labor herausgeschnitten

Dies dürfte auch auf die dicken Balken unmittelbar darüber zutreffen, die von den Archäologen auf der gesamten Strecke im Graben immer wieder angetroffen und freigelegt wurden. „Es handelt sich hierbei um die untere Lage eines befestigen Weges. Die Laufbohlen sind wahrscheinlich der Straßenpflasterung im 19. Jahrhundert zum Opfer gefallen“, vermutet Olaf Brauer. Auch von diesen Balken wurden Proben fürs Labor herausgeschnitten.

Fakt ist also, die Bach-Straße war von Anfang an befestigt und auch an die Straßenentwässerung wurde damals gedacht. „Der Befund ist eindeutig und eine neue Erkenntnis“, sagte Olaf Brauer. Wenige Meter neben der hölzernen Leitung legten die Archäologen eine ganz ähnliche aus Feldsteinen gepackte Anlage frei. Diese ist jünger und stammt nach Meinung der Fachleute aus der Zeit um 1600. Unterhalb der steinernen Rinne fanden sich sogar noch Reste einer älteren Anlage.

Von André Reichel

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