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Auf schmaler Spur durchs Land

Kötzlin Auf schmaler Spur durchs Land

Seit 1897 fuhr zwischen Kyritz und Breddin 72 Jahre lang die legendäre Schmalspurbahn „Pollo“. Vor 48 Jahre endete diese Ära. Die meisten Spuren der Kleinbahn sind zwar beseitigt, doch vielen Menschen entlang der Strecke ist der „Pollo“ bis heute in bester Erinnerung geblieben.

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Nicht immer fuhr eine Dampflokomotive auf der Schmalspurstrecke Kyritz-Breddin. Vor allem zur Feierabendzeit war es oftmals ein Triebwagen, mit dem die Arbeiter wieder nach Hause fuhren. Auf dem Bild ist der verschneite Haltepunkt von Kötzlin zu sehen.

Quelle: André Reichel

Kötzlin. Im Jahr 1897 eingeweiht, gehörte die Schmalspureisenbahn zwischen Kyritz und Breddin und auch auf anderen Strecken in der Prignitz 72 Jahre lang zum gewohnten Bild.

Der Kleinbahnhof in Kyritz mit der Rückseite des einstigen Wartehäuschens und dahinter die zugewachsenen ziegelroten Lockschuppen

Der Kleinbahnhof in Kyritz mit der Rückseite des einstigen Wartehäuschens und dahinter die zugewachsenen ziegelroten Lockschuppen.

Quelle: André Reichel

Waren aller Art und natürlich auch Reisende wurden mit dieser Bahn transportiert. Bauern brachten ihr zum Verkauf bestimmtes Vieh zum Markt und Saatgut kam auf umgekehrtem Wege so in jedes Dorf. Auch Baustoffe wurden transportiert. Jedes Jahr im Herbst gelangten auf dem Schienenweg bergeweise Kartoffeln in die damalige Kreisstadt Kyritz. Die Rohstoffversorgung der dortigen Stärkefabrik war Ende des 19. Jahrhunderts der Hauptgrund für den Bau der Schmalspurbahn.

Augenzeugen erinnern sich

Zwar ist es mittlerweile fast auf den Tag genau 48 Jahre her, dass die „Pollo“ genannte Kleinbahn während ihrer Abschiedsfahrt Ende Mai 1969 auch im Ostprignitz-Dorf Kötzlin hielt, doch für Ingeborg Mayer ist die Erinnerung daran noch immer ganz frisch. Die 57-jährige ist in Kötzlin aufgewachsen und wurde als Schülerin der dritten Klassenstufe Augenzeugin der Abschiedsfahrt. Blumengeschmückt fuhr die Lok zum allerletzten Mal ins Dorf ein und hielt. „Ganz Kötzlin war auf den Beinen. Viele Leute steckten zum Abschied noch mehr Blumen an den Zug“, berichtet Ingeborg Mayer, die als Kind oft mit dem „Pollo“ nach Barenthin-Abbau zu Verwandten fuhr. Als dann schließlich nur noch Busse übers Land fuhren, wurden diese anfangs nur sehr zögerlich von der Bevölkerung angenommen, berichtet Ingeborg Mayer: „Viele Menschen haben es damals sehr bedauert, als die Kleinbahn eingestellt wurde“.

Als Chronistin ihres Heimatortes hat Ingeborg Mayer in ihrem Archiv natürlich auch Fotos vom „Pollo“. Sichtbare Spuren der Kleinbahn findet man in Kötzlin heute allerdings keine mehr. Das Wartehäuschen ist längst abgerissen.

Schmalspurstrecke mit Eigenheiten

In Kyritz hat sich der Bahnhof der Kleinbahn hingegen im Wesentlichen erhalten. Die Rückseite des Wartehäuschens ist vom Bahnhof der Normalspurbahn aus nicht zu übersehen. Der dahinter liegende Lokschuppen und weitere Gebäude sind den Sommer über im Dickicht üppig wuchernder Birken kaum auszumachen. Rund 150 Meter verliefen die Kyritz-Pritzwalker Normalspurstrecke und die Kleinbahntrasse Kyritz-Breddin parallel zueinander, bevor der „Pollo“ in einem weiten Bogen dem Rehfelder Weg entgegen strebte. Am Neubaublock Nummer 20 querte die Eisenbahn in einer winkligen Kurve die Straße, um schließlich im Schatten mächtiger Eichen der Landstraße ein treuer Begleiter zu sein. Die Allee endet an der Grenze zu Rehfeld.

Nahe des Kyritzer Bahnhofs ist im alten Pflaster die Stelle noch immer gut zu erlennen, an der der „Pollo“  zum Rehfelder Weg abbog

Nahe des Kyritzer Bahnhofs ist im alten Pflaster die Stelle noch immer gut zu erlennen, an der der „Pollo“ zum Rehfelder Weg abbog.

Quelle: André Reichel

Das Gelände steigt nun bis Klosterhof leicht aber stetig an. Der dortige Haltepunkt bestand nur aus einer Bretterbude. In Rehfeld verließ der „Pollo“ die Landstraße, die sich hinter dem Dorf einer alles überragenden bewaldete Anhöhe entgegen schlängelt. Für die Kleinbahn war dies ein unüberwindbares Hindernis. Sie musste deshalb einen weiten Bogen drum herum machen. Bald hinter Rehfeld gab es eine Abzweigung in Richtung Demerthin. Die Breddiner Strecke führte weiter nach Berlitt, wo am Friedhof der Güterbahnhof und am anderen Dorfende an der ehemaligen Schule der Personenhaltepunkt war.

Die Strecke führte weiter ins tiefer gelegene Barenthin-Abbau. Hier gleicht ein erhaltener Damm den Höhenunterschied aus. Auf halber Strecke nach Barenthin stieß die Pollotrasse wieder auf die Landstraße und verlief bis zum Dorf parallel dazu. Am anderen Ende des Dorfes steht bis heute die Ruine eines Warenschuppens mit Rampen. Von Barenthin aus über Kötzlin bis zum Endpunkt in Breddin verlief die Trasse ebenfalls direkt neben der Straße und ist heute zum asphaltierten Radweg ausgebaut. Von Breddiner Kleinbahnhof sind so gut wie alle Spuren beseitigt.

Von André Reichel

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