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Aus dem Leben einer Berliner Knallcharge

Buchlesung zu Gerd E. Schäfer in Wittstock Aus dem Leben einer Berliner Knallcharge

Als „Maxe Baumann“ in der gleichnamigen DDR-Fernsehreihe oder Hofgelehrter im Märchenfilm „Die goldene Gans“ ist der Schauspieler Gerd E. Schäfer vielen auch heute noch ein Begriff. So auch den Wittstockern, die am Dienstag der Lesung seines Sohnes lauschten. Aus der Biografie des Künstlers erfuhren sie allerhand Wissenswertes und Komisches.

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Alexander Schäfer berichtet aus dem Leben seines Vaters Gerd E. Schäfer.

Quelle: Christian Bark

Wittstock. Es ist wirklich nicht zu leugnen, Alexander Schäfer ist durch und durch Sohn seines Vaters, des bekannten DDR-Schauspielers Gerd E. Schäfer. Davon konnte sich das Publikum während Schäfers Lesung aus der Biografie seines Vaters in der Wittstocker Bibliothek am Dienstagabend optisch und akustisch überzeugen. In 90 Minuten nahm der ebenfalls als Schauspieler und Kabarettist arbeitende Schäfer die Wittstocker mit auf einen heiteren und oft auch ironischen Streifzug durch das nicht minder komisch verlaufene Leben seines Vaters.

„Ihr Vater, das war doch der, der immer mit Rolf Herricht die Sketche gespielt hatte“, berichtete Schäfer darüber, wie oft er von Leuten auf seinen Vater angesprochen werde, diese den Schauspieler aber mit jemand anderem verwechselten – in diesem Fall mit Hans-Joachim Preil. Bei den anwesenden Wittstockern bestand jedoch keine Verwechselungsgefahr. Sie waren gekommen, um bislang noch unbekannte Passagen aus dem Leben Gerd E. Schäfers zu erfahren.

Das berühmte „E“ stehe übrigens nicht für Egon oder Erich, wie böse Zungen aus dem Politbüro seinerzeit behauptet hätten, sondern für Egilhard. „Das bedeutet germanisch soviel wie scharfes Schwert“, erläuterte Alexander Schäfer. Nach späteren Rassevorstellungen der Nationalsozialisten war Schäfer jedoch nur halb germanisch. Sein Vater soll ein jüdischer Geschäftsmann gewesen sein. Überhaupt habe de Mutter des Schauspielers damals immer sehr viele ältere und zugleich verheiratete Männer „sehr gut gekannt“. So auch den, der auf noch auf dem Totenbett gefälligerweise bestätigte, Schäfers Vater zu sein, wodurch der Junge einen Ariernachweis erhielt.

„Mein Vater wollte ursprünglich gar kein Schauspieler werden“, berichtete Schäfer. Eine Auffassung, die er mit seinem damaligen Schulfreund Günther Pfitzmann geteilt hätte. Erste Bühnenerfahrungen habe Schäfer bei einer Aufführung von Schneewittchen als 7. Zwerg gemacht. „Der Sarg fiel ihm aber auf die Füße und er bekam die undankbare Rolle des 8., quasi des Ersatzzwergs zugewiesen“, schmunzelte Schäfer. Erst als er Schauspielstar Gustav Gründgens einmal hinter der Bühne gesehen hätte, sei seine Liebe zur Schauspielerei entbrannt.

Als Soldat im Zweiten Weltkrieg hätte sein Vater, das Sonntagskind, durch List und Witz großes Glück gehabt. „Vater konnte sich immer wunderbar drücken“, berichtete Schäfer. Häufig hätte er simuliert. Nach dem Krieg ging Schäfer zurück nach Berlin, wo er gemeinsam mit seinem Schulfreund Günther Pfitzmann Schauspielunterricht nahm. Danach trennten sich die Wege der Freunde jedoch. Erst nach der Wende sollten sie wieder gemeinsam auf der Bühne stehen.

Bekannt aus dem Märchenfilm „Die goldene Gans“

Schäfer kam zum Theater, zum Film, zum Fernsehen. „Vielen ist er aus dem Märchenfilm die goldene Gans bekannt“, sagte Schäfer. Das sei auch sein erster Film gewesen, den er sich im Kino angesehen hätte. Die Schlussszene, in der Schäfer von der Gans gebissen werde, hätte der Schauspieler nur zweimal geprobt und dann an ein Double abgegeben. „Mein Vater wurde sicherlich mehrfach vom Affen aber nur zweimal von der Gans gebissen“, scherzte Schäfer.

Trotz der vielen Auftritte sei Gerd E. Schäfer immer ein guter Vater für den 1965 Geborenen und seinen sechs Jahre älteren Bruder gewesen, wie sich Alexander Schäfer später im MAZ-Gespräch erinnerte. „Seine Familie war sein Rückzugsort“, erklärte er. Zudem hätte der oft auf einer „langen Leitung stehenden“ Schauspieler häufig Rat und Ansporn von seiner Frau, Alexander Schäfers Mutter, gebraucht. „Wenn er in der Ehe auch die Hosen anhatte, sie hatte den nötigen Gürtel dazu um“, zitierte Schäfer aus seinem Buch.

Die Rolle Maxe Baumann war eine Herausforderung

Eine Herausforderung für den damals 53-Jährigen sei die Rolle des Rentners Maxe Baumann in der ab 1976 ausgestrahlten gleichnamigen TV-Reihe gewesen. Als Vorbereitung hätte sein Vater häufig Senioren mit dem Fernglas beobachtet oder sich, diese imitierend, sogar in heftige Streitgespräche verwickelt. Zum Mauerfall 1989 sei Schäfer dann schon Rentner gewesen und habe sich so im Gegensatz zu vielen anderen Ost-Schauspielern nicht in den Existenzkampf mit den Westberühmtheiten begeben müssen. „Erstaunlicherweise erinnerte man sich auch im Westen an ihn“, sagte Schäfer. So spielte sein Vater nach der Wiedervereinigung wieder Theater an Berliner Bühnen oder Fernsehrollen unter anderem zusammen mit seinem alten Schulfreund Pfitzmann. Bis zuletzt, bevor ihn eine Krebserkrankung Ende der 1990er aus der Bahn warf. In deren Folge sei sein Vater an Alzheimer erkrankt und letztlich daran verstorben. „Er lebt aber irgendwie weiter“, verwies Schäfer auf die zahlreichen kursierenden DVDs mit Filmen seines Vaters. So bestehe Hoffnung, dass die „Knallcharge de luxe“, wie Schäfer seinen Vater in dem Buch bezeichnet, nicht ganz vergessen werde.

Alexander Schäfer bekam von Bibliotheksleiterin Georgia Arndt ein Geschenk

Alexander Schäfer bekam von Bibliotheksleiterin Georgia Arndt ein Geschenk.

Quelle: Christian Bark

Den DDR-Schauspieler zuvor überhaupt nicht gekannt hatte der 18-jährige Stuart Hubert. Er leistet in der Bibliothek ein freiwilliges soziales Jahr ab und war mit Abstand der jüngste Zuhörer der Lesung. „Es ist doch interessant, mal so eine spannende Lebensgeschichte zu hören“, stellte er fest. Gerd E. Schäfer, danach werde er jetzt bestimmt mal googeln. Oder in der Bibliothek mal in der 2012 erschienenen Biografie des Künstlers schmökern. Die könne man sich dort nämlich ausleihen, wie Bibliotheksleiterin Georgia Arndt informierte. Bei Alexander Schäfer bedankte sie sich mit einem besonderen Wittstocker Geschenk – einem Kleiderbügel, der für die Laga 2019 werben soll.

Die Lesung mit Alexander Schäfer ist Teil der Reihe „Live um 6“. Am 21. April ab 18 Uhr gibt dann der Berliner Kulturwissenschaftler Olaf Thomsen Einblicke in die Geschichte des Buches. „Er wird allerhand Material mitbringen, an dem sich die Gäste selbst ausprobieren können“, kündigte Arndt an.

Von Christian Bark

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