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Aussage gegen Aussage im Dealerprozess

Hat er oder hat er nicht? Aussage gegen Aussage im Dealerprozess

Im Prozess um einen mutmaßlichen Drogenhändler aus Lindow vor dem Landgericht Neuruppin beantragte die Verteidigung am Mittwoch, ein aussagepsychologisches Gutachten für den Hauptbelastungszeugen einzuholen. Ihn hält die Verteidigung nicht für glaubwürdig. Außer dessen Aussage gebe es keine objektiven Beweise für die Schuld des Angeklagten.

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Mit insgesamt 84 Kilogramm Marihuana soll der angeklagte Lindower gedealt haben.

Quelle: dpa

Neuruppin. Ist Mario G. aus Lindow jemand, der im großen Stil mit Drogen gehandelt hat, so wie es die Staatsanwaltschaft dem 37-Jährigen vorwirft? Demnach soll der Familienvater von Dezember 2014 bis Anfang Oktober 2015  insgesamt 84 Kilogramm Marihuana umgesetzt haben. Weil ihn sein mutmaßlicher Handlanger Sebastian K. verpfiffen hat, sitzt Mario G. seit Oktober vergangenen Jahres in Untersuchungshaft und seit dem 4. April auf der Anklagebank vor dem Landgericht Neuruppin. Zu den Vorwürfen schweigt der bereits wegen Drogenhandels vorbestrafte Angeklagte wie ein Grab.

Es gibt aus Sicht der Verteidigung keine objektiven Beweise

Es steht Aussage gegen Aussage. Wie Verteidiger Uwe Raddatz sagte: „Es liegen keine objektiven Beweise wie beispielsweise DNA-Spuren vor. Telefonüberwachung, Wohnungsdurchsuchung und Observation bei dem Angeklagten verliefen ergebnislos.“ Es gebe nur die Aussage von Sebastian K.

Ob man dieser Aussage glauben kann, daran hat die Verteidigung so ihre Zweifel. Deshalb beantragte sie am Mittwoch die Einholung eines aussagepsychologischen Gutachtens. Das begründete sie unter anderem damit, dass der Haupt­belastungszeuge in seiner Vernehmung vor Gericht mehrfach von seiner polizeilichen Aussage abgewichen sei. So etwa in dem Punkt, dass er nicht nur die Drogen von A nach B gefahren haben will, sondern auch selbst an Abnehmer ausgeliefert haben will.

Es stellten sich auch Fragen nach dem Verbleib der restlichen Drogen, so Raddatz. Nach eigenen Angaben will Sebastian K. einmal ein Kilogramm Marihuana aus dem Erdversteck genommen haben, um es auf eigene Rechnung zu verkaufen. Mit dem Erlös für das eine Kilogramm wollte er seine Schulden begleichen. Verschwunden waren aber nicht nur ein, sondern drei Kilogramm Stoff.„Da fragt man sich doch: Wo sind die restlichen zwei Kilogramm geblieben? Es ergibt keinen Sinn, dass sich etwa ein Dritter bedient hätte“, sagte Raddatz.

Hauptbelastungszeuge hatte offensichtlich viel Geld

Sebastian K. habe nach der Festnahme von Mario G. ein Kinderzimmer für den erwarteten Nachwuchs eingerichtet, sich selbst eingekleidet, hochwertige Unterhaltungselektronik angeschafft, das neueste Handy gehabt – und das bei Hartz-IV-Bezügen und Krankengeld. „Offensichtlich scheinen Gelder in nicht unbeträchtlicher Größenordnung vorhanden und investiert worden zu sein“, so Uwe Raddatz. Sebastian K.s Frau hatte zwei Konten erwähnt, auf eines werde das Hartz-IV-Geld überwiesen. Wie Raddatz weiter ausführte, habe Sebastian K. seinen eigenen Drogenkonsum heruntergespielt, obwohl er wegen eines Entzuges in der Tagesklinik gewesen sei.

All diese Ungereimtheiten veranlassten die Verteidigung, noch weitere Zeugen hören zu wollen und den Antrag auf ein psychologisches Gutachten zu stellen. Darüber muss nun das Gericht entscheiden. Das hatte zuvor mitgeteilt, keinen weiteren Klärungsbedarf zu sehen und am 23. Mai ein Urteil sprechen zu wollen.

Von Dagmar Simons

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