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Argentinische Ehrenrunde im Bus in Wittstock

Austauschschüler in der Dossestadt erzählen Argentinische Ehrenrunde im Bus in Wittstock

Europäer gelten in Argentinien als „Superstars“, mit denen jeder befreundet sein möchte, erzählt Carolina Ferrari. Die Südamerikanerin lebt derzeit in Deutschland, ebenso wie Elena Fedjakina und Alexander Akhmetzhanow aus Russland. Die Austauschschüler erleben in Wittstock spannende Zeiten.

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Gäste am Städtischen Gymnasium in Wittstock: Carolina Ferrari, Elena Fedjakina und Alexander Akhmetzhanow (v.l.)

Quelle: Björn Wagener

Wittstock . Eine Stunde, sieben Minuten und acht Sekunden – genau so lange dauert ein Spaziergang von Wittstock nach Wernikow. Niemand weiß das besser als Elena Fedjakina. Sie wollte diese Strecke eigentlich mit dem Bus zurücklegen. Doch sie hatte den falschen erwischt, drehte also nur eine große Runde und stieg schließlich irgendwann wieder in Wittstock aus, nachdem klar war, dass sie so niemals in Wernikow ankommen würde. Um sich die Mühe zu ersparen, den richtigen Bus zu suchen, verließ sie sich lieber auf sich selbst und ging zu Fuß zurück zu ihrer Gastfamilie in ihrem Heimatdorf auf Zeit. Jetzt kann sie darüber lachen. Es war eines der typischen Anfangsprobleme, wenn man in einem fremden Land ist und die Orientierung schwer fällt.

Elena Fedjakina ist eine von insgesamt vier Austauschschülern, die derzeit am Städtischen Gymnasium Wittstock lernen und neue Erfahrungen sammeln. Drei von ihnen waren bereit, die MAZ ein wenig an ihren Erlebnissen teilhaben zu lassen – und zwar in flüssigem Deutsch. Elena Fedjakina (17) und Alexander Akhmetzhanow (16) aus Russland sind seit dem 20. April am Wittstocker Gymnasium. Ihr Aufenthalt neigt sich seinem Ende zu. Am 11. Juli geht es wieder heimwärts – erst rund drei Stunden mit dem Flugzeug und dann noch einmal zwei Tage mit dem Bus. Auch Carolina Ferrari (16) aus einer Kleinstadt in Argentinien hat die Rückreise schon im Blick. Am 18. Juli geht es für sie nach elf Monaten Deutschland wieder in Richtung Heimat. Am Tag zuvor muss sie noch eine Deutschprüfung absolvieren.

Die Termine könnten zwar günstiger liegen, aber Sprachprobleme sind für sie längst kein Thema mehr. Das gilt auch für die beiden russischen Jugendlichen. Sie haben keine Probleme einer Unterhaltung auf Deutsch zu folgen oder auch selbst zu führen, auch wenn der Akzent natürlich hörbar ist.

Das war bei ihrer Ankunft noch ganz anders. „Ich habe zuerst kein Wort verstanden. Ein bisschen Angst hatte sich schon“, bekennt Carolina Ferrari. Lediglich im Internet habe sie sich in Vorbereitung auf ihren Deutschland-Aufenthalt die wichtigsten Worte und Sätze eingeprägt, unter anderem zum Beispiel die Frage nach einer Toilette, schmunzelt sie. Auch Elena Fedjakina und Alexander Akhmetzhanow sei es da ähnlich ergangen. Auch sie haben ihre Deutschkenntnisse enorm verbessert. Alle drei sind in Gastfamilien in Wernikow und Wittstock untergebracht. Für Elena ist Deutschland nicht mehr ganz so neu. Sie habe vor zwei Jahren schon einmal bei einer Gastfamilie in Wittstock gelebt und sei insgesamt zum dritten Mal in Deutschland. Doch gerade wegen dieser Erfahrungen „musste ich mir meine Gastfamilie hier selbst suchen“, berichtet sie und erzählt, dass sie gern Journalistin werden und am liebsten in Deutschland studieren würde. Die anderen haben ganz ähnliche Pläne, wenngleich sie auch noch nicht genau wissen, wohin sie ihr beruflicher Weg einmal führen wird. Carolina Ferrari könnte sich vorstellen, Wissenschaftlerin zu werden oder im Management einer Firma zu arbeiten. „Irgendetwas mit Sprachen“ solle es sein. Alexander Akhmetzhanow hat sich ebenfalls noch nicht festgelegt.

Sich in die neue Klasse einzugliedern, sei nicht immer leicht gewesen, gerade anfangs, als es mit der Sprache noch haperte. „Es war wohl auch für die Schüler überraschend, dass ich ankam. Manche haben ein bisschen komisch geguckt. Die Lehrerin erklärte dann, wer ich bin“, erinnert sich Carolina, die zum Teil auch Aufgaben aus ihrer Heimatschule erledigt, um den Anschluss nicht zu verlieren. Dafür ist die weltweite Vernetzung natürlich hilfreich, aber ansonsten habe sie einen Computer kaum benutzt und findet auch gut, weil sie andere Dinge zu tun hatte.

Typisch Deutsch ist für sie „die Pünktlichkeit“, wobei Elena schnell hinzufügt: „Aber ich bin pünktlicher!“ Wie groß die Umstellung für die Jugendlichen war, wird in nur wenigen Sätzen deutlich. Elena kommt aus der russischen Millionenstadt Wolgograd. Was dort als „Gebiet Wolgograd“ gilt, sei etwa so groß wie ganz Deutschland. Als sie kürzlich mit ihrer Familie telefonierte, erfuhr sie, dass es zu Hause mit 45 Grad gerade sehr heiß sei. „Russland ist ja nicht nur Kälte, Wald und Wodka“, entgegnet sie einem häufigen Vorurteil. Natürlich gebe es zu Hause mehr Freizeitmöglichkeiten, aber trotzdem mag die 17-Jährige die dörfliche Idylle in Wernikow – und den Umgang mit Pferden. Das hat sie mit Carolina gemeinsam, die es manchmal ein wenig stört, dass Europäer in ihrer Heimat „wie Superstars“ behandelt würden und jeder mit ihnen befreundet sein wolle. Auch sie habe schon Bilder von zu Hause geschickt bekommen, die sagen wollten: „Schau mal, wie warm es bei uns ist.“ Viel zu erzählen haben werden sie alle, wenn sie ihre Eltern erst wieder in die Arme schließen können und ihnen und ihren Freunden von Deutschland berichten. Vielleicht erfahren diese dann auch, dass so ein Austauschjahr zwar interessant ist, „aber man muss es auch wirklich wollen, dazu bereit und offen sein“, sagt Carolina.

Von Björn Wagener

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