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Autobahn 24: Roden für den Ofen

Verlorene Orte Autobahn 24: Roden für den Ofen

Das Bauprogramm der Nationalsozialisten für den Bau von Reichsautobahnen sollte nicht nur der Massenarbeitslosigkeit abhelfen, sondern auch die Mobilität der Bevölkerung erhöhen. Doch schließlich scheiterten die gewaltigen Pläne an Hitler selbst: Die Arbeiter mussten an die Front, Teile der heutigen A24-Trasse wurden gar für Feuerholz gerodet.

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Propaganda für den Autobahnbau: Hitler beim Spatenstich.

Quelle: Bundesarchiv

Herzsprung. Am Netz der Reichsautobahnen, zu dem auch die spätere Reichsautobahn 44 von Hamburg nach Berlin gehören sollte, wurde bereits ab der 1920 Jahre noch während der Weimarer Republik geplant. Der Bau wurde jedoch nach Hitlers Machtergreifung forciert: Um rund 1000 Kilometer sollte das Netz jährlich wachsen, das das ganze damalige Deutschland bis hin nach Königsberg umspannen sollte.

Hitler propagierte den Ausbau der Autobahnen als Maßnahme gegen die hohe Arbeitslosigkeit nach der Weltwirtschaftskrise: Jüngste Forschungen haben jedoch ergeben, dass die Auswirkungen auf den von Massenarbeitslosigkeit geprägten Arbeitsmarkt nur gering waren.

Gleichzeitig sollte die Bevölkerung mobiler werden – Hand in Hand mit den Planungen für das Autobahnnetz wurde das Projekt „KdF-Wagen“ (Kraft-durch-Freude) ins Leben gerufen: Nur durch einen Sparplan sollte der Käfer vorfinanziert werden, der später knapp 1000 Reichsmark kosten sollte. Die Stadt Wolfsburg wurde 1938 rund um das Volkswagenwerk gegründet, das damals ebenfalls aufgebaut wurde.

Trotz der Vorfinanzierung durch das „Eiserne Sparen“ der deutschen Zivilgesellschaft wurde mit der Produktion der ersten Käfer allerdings erst nach 1945 begonnen: Während des Krieges war die Produktion des Volkswagens zugunsten von militärischen Fahrzeugen zurückgestellt worden.

Auch die Umsetzung des gigantomanischen Reichsautobahnprojekts geriet mit dem Krieg ins Schleppen. Die beabsichtigten 1000 Kilometer pro Jahr wurden nur bis 1938 erreicht. Und obwohl das Dritte Reich ab 1940 auch Kriegsgefangene, Zwangsarbeiter und Häftlinge aus den Konzentrationslagern beim Autobahnbau einsetzte, kamen mit den Jahren 1941 bis 1942 die Arbeiten mehr oder weniger zum Erliegen. Weil die Bevölkerung nur spärlich motorisiert war, konnten ab 1943 selbst Fahrradfahrer die bereits fertiggestellten Autobahnen benutzen.

Der Bau der damaligen Reichsautobahn 44, der heutigen A 24, begann in den 1930er Jahren, zunächst mit einem Teilstück in und um Hamburg, das 1934 eingeweiht wurde und ohne Abzweige auf die heutige A1 in Richtung Lübeck führte. 1937 startete der Bau des Autobahnkreuzes Hamburg-Ost in Richtung Berlin, das 1940 fertiggestellt sein sollte. Bereits im Februar 1938 merkte das Schweriner Arbeitsamt an, dass der Bedarf an Bauarbeitern nicht zu decken sei: Arbeiter sollten etwa aus Schlesien angeworben werden. Für Teilstücke in Mecklenburg wurden Aufträge an Privatunternehmen vergeben, nachdem die Bauabteilungen mit der Arbeit nicht mehr hinterher kamen.

Zahlreiche Brücken wurden zwischen Hamburg und Hagenow aber auch darüber hinaus bereits gebaut, Fahrbahnen waren bereits teilweise planiert, Randstreifen angelegt. 1939 wies eine Bauabteilung in Ludwigslust darauf hin, dass sie den Zeitplan für den Weiterbau nicht halten könne: Wegen des Krieges waren Arbeiter abgezogen worden – nicht nur zum Kriegsdienst, sondern auch für den Autobahnbau in der Ostmark. Nach und nach wurden ganze Bauabteilungen geschlossen: Zunächst die Wittenburger in Mecklenburg, dann die Pritzwalker.

Zu diesem Zeitpunkt baute bereits kaum noch jemand an dem Projekt Reichsautobahn 44. Aufgrund einer Idee des Ludwigsluster Landrates wurden lediglich manche Streckenabschnitte gerodet – wenn auch nur, um Heizmaterial für die Bevölkerung zu gewinnen. Wenig später lehnte die Bauabteilung einen vergleichbaren Antrag aus Hagenow mit dem Verweis auf fehlende Arbeitskräfte ab. In Hamburg wurden in einem Autobahntunnel Flugzeuge vor den Angriffen der Alliierten in Sicherheit gebracht, die Autobahnzufahrten wurden dafür teilweise zugemauert.1941 waren die Planungen gescheitert: Der Bau der Reichsautobahn 44 wurde offiziell vom Dritten Reich für beendet erklärt. Nicht nur bei Herzsprung, sondern auch in Mecklenburg wurden Brücken ohne Funktion hinterlassen. Einige wenige Reststücke wurden beim Bau der A24 in die Nachkriegsbauten integriert, die heute jedoch teilweise bereits durch Neubauten ersetzt wurden. Die bereits fertiggestellten Teilstücke der Reichsautobahnen wurden in der Nachkriegszeit zum Grundstein für das heutige Bundesautobahnnetz, im Fall der A24 wurde die Trasse jedoch wesentlich verändert.

Von Claudia Bihler

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