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Ostprignitz-Ruppin Azubis machen Bildungsferien
Lokales Ostprignitz-Ruppin Azubis machen Bildungsferien
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00:35 25.03.2018
Für den Schüler Raof aus Afghanistan ist das Arbeiten mit marokkanischem Muschelkalk eine spannende Berufsvorbereitung. Quelle: Anja Reinbothe-Occhipinti
Flecken Zechlin

Goldpartikel glänzen im Licht. Darunter schillert ein breiter, glatter Streifen an der Wand in verschiedenen Gelb-, Braun- und Blau-Tönen. „Das ist das Werk im Bildungsurlaub vom letzten Jahr“, sagt Susanna Heise. „Die Teilnehmer haben die Wand mit abwischbarem Tadelakt verputzt, ein alter marokkanischer Baustoff.“ Heise ist vom Berliner Projekt„Green Peers – Jugend macht grün“, das jungen Leuten in der DGB-Jugendbildungsstätte Flecken Zechlin Berufsorientierung bietet (in Green Summer-Camps) rund um grüne Jobs sowie nachhaltige Aspekte im Lehrlingsalltag (durch Bildungsurlaub). Der Europäische Sozialfonds und das Bundesumweltministerium fördern das Programm.

Lehrlinge aus dem Bauwesen, die am Oberstufenzentrum (OSZ) II Barnim in Eberswalde lernen, sind es, die seit Montag zum fünftägigen Bildungsurlaub in Flecken Zechlin weilen. Die angehenden Maler und Maurer möchten ihr eigenes Berufsbild nachhaltiger gestalten. „Dieses Thema ist in ihrer Ausbildung und im Alltag wenig präsent“, sagt die Bildungsreferentin Annette Zimmermann. Ressourcen- und energieintensiv sei die Baubranche, das Bundesumweltministerium wolle daher bis Mitte des Jahrhunderts den Gebäudebestand nahezu klimaneutral gestalten: „In den ausführenden Gewerken spielt das oft noch keine große Rolle. Um so wichtiger, Nachhaltigkeitsgedanken in die Betriebe zu tragen, damit sich etwas ändert.“

Fünf Tage Bildungsurlaub im Jahr stehen jedem zu

In Brandenburg stehen jedem Lehrling fünf Tage Bildungsurlaub pro Jahr zu, erklärt Annette Zimmermann: „Selten wird dieser wahrgenommen. Es ist oft schwer, mit Betrieb und Berufsschulzeiten zu vereinbaren.“ Daher ginge das Green Peers-Projekt den direkten Weg über die Bildungsinstitutionen: „Die Berufsschulen finden es wichtig, dass die Auszubildenden etwas anderes sehen, neue Eindrücke, Anregungen erhalten. Und die Jugendlichen sind dankbar, mal aus dem Alltag rauszukommen und praktisch zu arbeiten. Auch über Gesundheitsaspekte und Belastungen wie Stress, Rückenprobleme sowie über schädliche Baustoffe diskutieren wir. Und allgemein über die Ausbildung, was gefällt, was nicht. Das Seminar hat einen ganzheitlichen Ansatz“. so Annette Zimmermann.

Bereits zum dritten Mal kommt die Bautechniklehrerin Beate Purr vom OSZ Barnim mit ihren Azubis zum Bildungsurlaub „Nachhaltiges Bauen“ in die Jugendbildungsstätte. Nach einer Kennenlernrunde, die nicht jedermanns Ding war, wurden die Leitlinien für nachhaltiges Bauen vorgestellt. Einige Teilnehmer machten sich über nachwachsende Rohstoffe fürs Dämmen schlau, während sich andere ein ressourcenschonendes Haus auf dem Papier ausmalten. Wieder andere haben die Baustelle der nächsten Tage vorbereitet.

Naturbaustoff Tadelakt

Zum festen Bestandteil des Seminars „Nachhaltiges Bauen“ gehört es, mit dem Baustoff Lehm zu hantieren, unter anderem in der 300 Jahre alten Dorfkirche im nahen Goldbeck, die ökologisch restauriert wird. Das fällt diesmal aus. „Auch einen dritten Pizzaofen für draußen brauchen wir nicht“, gesteht Susanna Heise von Green Peers. Stattdessen konzentrieren sich die Seminarleiter mit den Jugendlichen auf den Naturbaustoff Tadelakt, der schon beim vergangenen Bildungsurlaub gut ankam. „Ein antiker Kalkputz aus Marokko. Was es seit Jahrtausenden dort gibt, ist bei uns erst im Kommen. Doch mit Ansteigen der Allergien werden Naturbaustoffe immer wichtiger“, sagt Annette Zimmermann. Ihre Kollegin Barbara Reischl, die die Bildungsurlaube organisiert, stieß auf diesen Muschelkalk, der um Marrakesch gewonnen wird. Der Greifswalder Restaurator Helge Tietze, der mit Tadelakt gut vertraut ist und zugleich pädagogisch vermitteln kann, führt die Auszubildenden an den antiken Stoff heran. Eine Wand in der Jugendbildungsstätte soll komplett mit dem Naturrohstoff verputzt werden.

Doch erstmal wird geübt. Am großen Tisch in einem der Seminarräume sitzen die 18- bis 20-Jährigen vor kleinen Steinplatten und probieren, wie man Muschelkalk aufträgt, trocknen lässt, mit Schleifstein poliert und mit Kalkseife verdichtet. Auch Raof versucht sich daran und sieht zufrieden aus. „Es macht viel Spaß“, sagt der junge Mann aus Kabul. Er ist einer von zwei jungen Geflüchteten, die zusammen mit den Lehrlingen Bildungsurlaub machen. „Raof durfte mitfahren, weil er einer der besten in seiner Klasse ist“, sagt seine Lehrerin Beate Purr. „Er absolviert seine Schule und macht eine Berufsvorbereitung.“

Vor drei Jahren kam der Afghane aus Kabul nach Deutschland. Er lebt im Heim in Eberswalde und wartet darauf, dass er Bleiberecht bekommt. Dann könnte er endlich eine Ausbildung starten. Darauf hätte er große Lust, sagt er, und seine Augen leuchten. Unweit von Raof hockt Max aus Blumberg bei Ahrensfelde am Boden und tüftelt. „Ich überlege mir das Gestaltungskonzept für die Wand, zeichne dazu eine Skizze“, erklärt der Malergeselle. Er ist bereits zum zweiten Mal auf Bildungsurlaub beim DGB und fasziniert von Tadelakt. „Leider bieten wir es Kunden noch nicht an. Im deutschen Handwerk hat es sich noch nicht durchgesetzt. Weil mich der Baustoff aber interessiert und ich dieses Jahr meinen Meister mache, schule ich mich darin weiter.“

Noch ist die Wand im Raum der Stille nebenan unverputzt. Einfarbig, solle sie diesmal werden, sagt der Experte Helge Tietze: „Dennoch wird die Oberfläche des Glanzputzes spielen und unterschiedlich sein. Das ist der Geist oder die Handschrift dessen, der den Stein über die Kalkputz führt.“ Ein Blick über Max’ Schulter verrät: Es könnte etwas im blauen Ton werden. Ob darüber auch wieder Goldpartikel schimmern?

Daten und Termine unter www.jugend-macht-gruen.de.

Von Anja Reinbothe-Occhipinti

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