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Ostprignitz-Ruppin Bäume und Bildung
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02:15 26.05.2017
Feierliche Insektenhoteleröffnung: Wenn der Leiter der Oberförsterei Neustadt Peter Jork Kindern etwas über die Natur erzählen kann, ist er in seinem Element. Quelle: Alexander Beckmann
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Neustadt

Die Kita-Kinder im Neustädter Stadtteil Köritz haben keine Angst vor Krabbeltieren. Oder höchstens ausnahmsweise mal ein ganz kleines bisschen. Aber im Grunde sind ihnen Insekten ausgesprochen willkommen. Am Dienstag verkleideten sich sogar viele der Mädchen und Jungen als Käfer, Schmetterlinge und Bienen. Anlass war das Insektenhotel, das die Oberförsterei Neustadt der Einrichtung an diesem Tag übergab.

Es handelte sich nicht einfach nur um ein Geschenk. „Das Lehmfach haben wir mit den Vorschulkindern gebaut“, berichtete Waldpädagogin Marita Lukas. Die Tannenzapfen für eines der anderen „Hotelzimmer“ sammelten die Kinder im nahen Wald. Da sind sie sowieso sehr oft.

Dienstliche Pflicht und Spaß

Seit gut 20 Jahren pflegt die Kita enge Kontakte zur Oberförsterei Neustadt. Deren Leiter Peter Jork hält ganz große Stücke auf die Waldpädagogik – und das schon seit seinem Dienstantritt 1995. „Das ist eine Dienstaufgabe. Das mache ich nicht, weil ich Langeweile habe.“ Aber Spaß hat er schon daran.

Ein hummeliges Willkommen: Waldpädagogin Marita Lukas (Mitte) hat in der Kita Köritz eindeutig nicht nur kleine Fans. Quelle: Alexander Beckmann

Die Köritzer profitieren davon spürbar. Regelmäßig sind Forstmitarbeiter zu Gast. 1999 richteten sie im Wald nahe der Kita sogar einen Treffpunkt ein, die „Naturbühne unterm Spitzahorn“, wo seitdem regelmäßig Kinderveranstaltungen zum Thema Wald stattfinden.

Auch in anderen Kinder- und Jugendeinrichtungen ist die Oberförsterei längst bestens bekannt. Im Altkreis Kyritz beispielsweise gibt es wohl kaum eine Kita, die noch keinen Besuch aus Neustadt hatte.

Waldleben mitten in der Stadt

Zentrum des Geschehens ist der Waldlehrgarten, mit dessen Aufbau Peter Jork und dessen Kollgen Mitte der 90er Jahre begannen. Auf rund 10 000 Quadratmetern entstanden rund um die Oberförsterei Schautafeln, Erlebnispfade, Pflanzungen und Anlagen für Veranstaltungen. Jährlich wird ein großes Fest mit Hunderten von Besuchern gefeiert.

Etwas ungewöhnlich: Das Gelände liegt praktisch mitten im Neustädter Stadtgebiet. „Es war wichtig, dass wir hier Einrichtungen haben, die den Forstlehrgarten auch nutzen können“, erklärt Peter Jork und nennt als Beispiel die nur wenige hundert Meter entfernte Schule. „Die Schüler müssen nicht fahren. Die können zu uns laufen.“ Das tun sie auch. Die zusammen mit dem Forstlehrgarten etablierte „Waldgeister-AG“ zählt aktuell rund 60 regelmäßige Besucher. „Der Forstlehrgarten sollte ja leben“, sagt Peter Jork und betont: „Aber die Idee kam von einer Lehrerin.“

Bildung ganz oben auf der Agenda

Der Tätigkeitsbereich der Oberförsterei Neustadt erstreckt sich über rund 1200 Quadratkilometer und umfasst die Städte Kyritz und Wittstock, die Gemeinden Heiligengrabe und Wusterhausen sowie das Amt Neustadt.

20 Mitarbeiter werden beschäftigt: drei in der Oberförsterei in Neustadt, sieben Revierförster, neun Forstwirte sowie die Leiterin der Waldschule Karnzow.

Die Waldschule Karnzow sieben Kilometer nördlich von Kyritz bietet neben einem Spiel,- Grill- und Sportplatz neu eingerichtete Ausstellungs- und Arbeitsräume sowie viel Natur direkt drumherum. Kontakt: Kathi Schmidt, 033971/8 82 56,
kathi.schmidt@lfb.brandenburg.de

Der Forstlehrgarten Neustadt (Bahnhofstraße 57) informiert unter anderem mit Unterricht im Freien über den Wald, die Forstwirtschaft, den Arten- und Biotopschutz. Geöffnet ist das parkartige Areal vom 1. April bis 31. Oktober täglich von 9 bis 17 Uhr. Der Eintritt ist frei. Kontakt: Marita Lukas, 033970/50 48 85, marita.lukas@lfb.brandenburg.de

Mit der ersten Forstreform von 2004 wurde die Oberförsterei Stolpe dem Bereich Neustadt zugeordnet. „Damit bekam ich auch das Waldschulheim Karnzow in meine Verantwortung“, berichtet Peter Jork. Das Profil dieser Einrichtung lag etwas anders und hat sich in jüngster Zeit weiter verändert – weg von einer Art Jugendherberge mit Forstprogramm hin zu einem Ort für Bildung und Freizeit. Aus den Übernachtungszimmern entstehen derzeit gerade Schulungs-, Ausstellungs- und Experimentierräume. Kindereinrichtungen aus weitem Umkreis veranstalten dort immer wieder Projekttage.

Mehrfach erweiterter Wirkungskreis

2012 folgte mit einer weiteren Forstreform die nächste Erweiterungsstufe für die Oberförsterei Neustadt: Sie umfasst seitdem auch das Gebiet der einstigen Oberförsterei Dossow, das bis nach Heiligengrabe und Wittstock reicht. So kam der Naturlehrpfad „Rote Brücke“ in Heiligengrabe unter Neustädter Regie. Peter Jork freut sich, dass die Grundschulen in Heiligengrabe und Blumenthal das Angebot nutzen. Nicht nur auf den zuständigen Revierförster Reinhard Helm hält er große Stücke, sondern auch auf den Eigentümer des Lehrpfades: „Das Klosterstift unterstützt uns sehr und ist der Garant dafür, das der Naturlehrpfad weiterbestehen kann.“ Auch die Kita „Waldwichtel“ in Dossow trägt ihren Namen nicht von ungefähr. Sie arbeitet eng mit Revierförster Uwe Lehmann (und also mit der Oberförsterei Neustadt) zusammen. „Wir sind wie die Spinne: Wir haben unser Netz immer weiter geknüpft“, scherzt Jork.

Die Kinder freuen sich schon auf die ersten krabbeligen Hotelbewohner. Quelle: Alexander Beckmann

Das passt irgendwie zum Insektenhotel mit seinen Krabbeltieren. Am Dienstag in der Kita Köritz durfte sich Peter Jork fragen lassen: „Kommt Ihr morgen wieder?“ Auch wenn er das nicht bejahen konnte, war er doch sichtlich stolz: „Das ist das schönste Kompliment, das man sich denken kann.“

Von Alexander Beckmann

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