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Bald wieder gegen Neonazis auf der Straße

Vorläufig letzte Montagsdemo in Neuruppin Bald wieder gegen Neonazis auf der Straße

Rund 200 Menschen haben am Montag in Neuruppin zum 5. und vorläufig letzten Mal bunt und lautstark "für Vielfalt gegen Einfalt" demonstriert. Am 6. Juni wird es die Menschen wieder auf die Straße treiben. Dann wird es zeitgleich mit einer Neonazi-Demo in Neuruppin zwei Gegenveranstaltungen geben.

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Mit guter Laune gegen Neonazis: Eine Teilnehmerin des Demo-Zuges.

Quelle: Peter Geisler

Neuruppin. Als der bunte Demozug an der Otto-Grotewohl-Straße hält, reißen die Anwohner der umliegenden Plattenbauten die Fenster auf. Unten auf der Straße protestieren die etwa 200 Teilnehmer der fünften und vorläufig letzten Neuruppiner Montagsdemo „Für Vielfalt gegen Einfalt“. Ihr lautstarker Auftritt ist zugleich eine Einladung an die Bewohner des Neubaugebietes, sich an den Gegenveranstaltungen zum 6. Juni in Neuruppin zu beteiligen. „Wir sind für Vielfalt, weil sie wirtschaftlich klug und vor allem weil sie eine menschliche Pflicht ist“, sagt der Sprecher des Aktionsbündnisses „Neuruppin bleibt bunt“, Martin Osinski. „Niemand braucht sich vor Überfremdung zu fürchten.“

Mehr als 500 Neonazis aus ganz Deutschland wollen am 6. Juni beim sogenannten Tag der deutschen Zukunft durch die Fontanestadt marschieren. Inzwischen werben nicht nur die Freien Kräfte Neuruppin/Osthavelland, sondern auch die NPD massiv für die rechtsextremistische Großveranstaltung. In einem kürzlich in Neuruppin gedrehten Video rufen Rechtsextreme – darunter die aus Neuruppin stammende Beatrice Koch und der Vorsitzende des NPD-Landesverbandes Mecklenburg-Vorpommern, Stefan Köster – dazu auf, beim Tag der deutschen Zukunft (TddZ) mitzumarschieren. Einige der Szenen sind vor dem Asylbewerberheim in Treskow gedreht. Auch der Neuruppiner NPD-Stadtverordnete Dave Trick ist in dem Werbevideo zu sehen – in einem T-Shirt mit TddZ-Logo und Fontane-Konterfei.

Am Montag hatte der vom Jugendwohnprojekt Mittendrin und „Neuruppin bleibt bunt“ organisierte Demozug einen kleinen Zwischenstopp am Fontane-Denkmal eingelegt, um gegen die Instrumentalisierung des Autors durch die Rechtsextremen zu protestieren. Fontanes Vorfahren seien Hugenotten gewesen, die dem Land wie andere Zuwanderer auch zu einem großen wirtschaftlichen Aufschwung verholfen hätten, erinnerte die Neuruppinerin Martha Krümmling. „Integration war fassbar.“

Mit zwei Demos, die ab 10 Uhr vom Rheinsberger Tor und der Bruno-Salvat-Straße zum Schulplatz führen, und einem ganztägigen Fest auf dem Schulplatz will Neuruppin am 6. Juni ein deutliches Zeichen gegen den Aufmarsch setzen. Inzwischen hat „Neuruppin bleibt bunt“ bei der Deutschen Luftsicherung auch beantragt, 1600 Luftballons in den Himmel steigen lassen zu dürfen. Die Ballons sollen an Gäste des Festes verteilt werden.

Die Neonazi-Kampagne „Tag der deutschen Zukunft“ richtet sich gegen die vermeintliche Überfremdung Deutschlands. Schon 1933 hatte NS-Propagandaminister Joseph Goebbels diesen Begriff benutzt. Nach Einschätzung des Mobilen Beratungsteams Neuruppin knüpft der TddZ durchaus an diese rassistische Tradition an, „denn er richtet sich gleichermaßen gegen die Präsenz von Migranten sowie ethnischen, kulturellen und religiösen Minderheiten in Deutschland“.

Der TddZ gilt als Kampagne, die rechtsextreme Parteien und Freie Kräfte in einer Aktion zusammenführt. Auch wenn rechtsextremistische Organisationen durchaus unterschiedliche Ziele verfolgen würden, seien ihr gemeinsames ideologisches Fundament doch Rassismus und völkischer Nationalismus, heißt es beim Mobilen Beratungsteam Neuruppin: „Der TddZ ist genau auf dieses gemeinsame ideologische Fundament ausgerichtet, um den inneren Zusammenhalt in der rechtsextremen Szene zu stärken.“

Auf ihren eigenen Websiten dokumentieren die TddZ-Aktivisten, auf welchen Veranstaltungen sie für den Neuruppiner Großaufmarsch geworben haben. Nachdem Neonazis zuletzt unter anderem in Wittstock aufmarschierten, planen sie für den kommenden Sonnabend auch eine sogenannte Mahnwache gegen Asyl auf dem Pritzwalker Marktplatz. Ähnliches hatten Rechtsextreme bereits im Neuruppiner Neubaugebiet abgehalten – weitgehend unbeobachtet von den Bewohnern.

Von Frauke Herweg

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