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Barockmusik: Concerto Melante in Rheinsberg

Das neue Jahr beginnt mit Bach Barockmusik: Concerto Melante in Rheinsberg

Es war das erste Konzert im neuen Jahr im Schlosstheater. Auch für die Musiker des „Concerto Melante“ war es das erste Mal, in Rheinsberg zu spielen. Mit Bach – dem Vater und dem Sohn – entführte das Quartett die 350 Zuhörer ins Reich des Barock.

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Barockmusik auf historischen Instrumenten: das Concerto Melante in Rheinsberg.

Quelle: Regine Buddeke

Rheinsberg. Das Cembalo ist eine Augenweide. Nicht nur, dass es barock verziert ist – auf dem aufgeklappten Deckel des Nachbaus eines Modells von 1624 ist innen eine Landschaft aufgemalt, idyllisch wie von Caspar David Friedrich, farbflirrend wie bei den Impressionisten. Wenn die Musik so wird wie das Bild, ist es ein gelungener Auftakt ins neue Jahr.

Gut 300 Gäste haben sich am Neujahrstag im Rheinsberger Schlosstheater eingefunden, um dem Neujahrskonzert mit „Concerto Melante“ zu lauschen – ein Ensemble bestehend aus Mitgliedern der Berliner Philharmoniker und Ensembles Alter Musik. Der Name Melante basiert auf dem barocken Komponisten Georg Philipp Telemann, der dieses einprägsame Anagramm seines Namens als Pseudonym verwendete. „Concerto Melante“ gastiert zum ersten Mal in Rheinsberg – „Für die Barockmusik ein wichtiger Ort“, so Violinist Raimar Orlovsky. Immerhin habe Friedrich des II. Hofcembalist Carl Philipp Emanuel Bach in Rheinsberg gelebt. Orlovsky spielt als einziger auf einem wirklich alten Instrument. Die hölzerne Barockflöte Verena Fischers ist ebenso eine Kopie des barocken Vorläufers wie die Viola da Gamba von Ulrich Wolff und Léon Berbens wunderbares Cembalo.

Das komplette Konzert des Quartetts widmet sich der Musik Bachs: des Vaters Johann Sebastian und seines zweitgeborenen Sohnes, der sich ungeachtet der mangelnden Unterstützung des Vaters zum Hofcembalisten hocharbeitete, so erfährt man. Mit erklärenden Texten zur Musik und deren Urhebern geizt der Geiger nicht: eine spannende Lehrstunde in Barockmusik – bei der die Musik natürlich nicht zu kurz kommt. Mit einer Flötensonate des Vaters beginnt der Bach’sche Reigen – es sei dies eine Kompositionsstudie, die Bach seinen Schülern vorlegte: aus der Basslinie galt es, eine vollständige Instrumentierung zu komponieren. Bach selber bediente sich Jahre später dieser Basslinie wieder. Die Musiker stellen beide Passagen gegenüber. „Sie hören: gleiche Basslinie, völlig verschiedene Sonaten“, so Orlovsky zum begnadeten Talent Bachs, ein Thema in tausendfacher Form zu variieren.

Die Gambe, das „königliche Bassinstrument“

Dann wird ein Hohelied auf die Gambe gesungen. Carl Philipp Emanuels Sonate für Viola da Gamba und Basso continuo wird zum spannenden Duett: die zart schimmernden Akkorde liefert das Cembalo, die Melodie-Linie die Gambe. Für den Komponisten sei die Gambe das „königliche Bassinstrument“ gewesen, er habe ihr etliche Sonaten gewidmet. Bei den beiden Akteuren klingt das filigran und charmant; in den – Respekt – wirklich furiosen Läufen einen Hauch heiser-brüchig – da müht sich die Gambe ein wenig kurzatmig wie eine gealterte Diva.

Im dritten Stück demonstrieren die Musiker, wie der Sohn sich in seiner Art zu komponieren, von seinem Vater abheben wollte. „Dieses Stück könnte hier in Rheinsberg damals wirklich erklungen sein“, erzählt Orlovsky und erwähnt das musische Wonneleben, in das Bach hier hineinkam: als musikalischer Gefährte neben Graun, Quantz und Benda. Und natürlich dem Flöte spielenden Kronprinzen selbst.

Der Höhepunkt dann „Das musikalische Opfer“ Johann Sebastian Bachs: eine musikalische Ehrerbietung an den König von Preußen. Sein Sohn hatte ihn eingeladen, wohl um dem Vater zu zeigen, was er erreicht habe. Der König selbst war über die Anreise des „Großen Bach“ eher überrascht und gab ihm ein Flöten-Motiv vor, so à la: Schreib er daraus etwas in unserem Stil. Bach nahm sich der Sache an, nicht ohne am Motiv einiges zu verbessern: seine subtile Art zu zeigen, dass er das musikalische Genie des Königs für begrenzt hielt.

Die Musiker spielen beide vor: „Sie hören – Bachs ist schlichtweg besser“, anerkennt Orlovsky. Dann folgt das Stück in all seiner wunderbaren Fülle: das vorgegebene Motiv wird zart umrahmt, virtuos variiert, gegenläufig verschlungen. Bei der finalen Triosonate spielen drei Instrumente das Thema gleichzeitig – so kunstvoll verwoben, dass es nur zu ahnen ist, aber überall durchschimmert. „Das ist die hohe Kunst“, schwärmt der Geiger und das Publikum lauscht ergriffen und klatscht am Ende wie wild.

Von Regine Buddeke

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