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Bas Böttcher gastiert in Neuruppin

Kinder- und Jugendliteraturfestival „Querfeldeins“ Bas Böttcher gastiert in Neuruppin

Poetry Slammer Bas Böttcher textet über Obst, Handys oder Damenoberteile. Für das Kinder- und Jugendliteraturfestival „Querfeldeins“ kam er nach Neuruppin.

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Bas Böttcher lud im Café Hinterhof zum Selbertexten ein.

Quelle: FOTO: FRauke Herweg

Neuruppin. Er textet über das Alltäglichste – Obst zum Beispiel. „Wenn der Ap-fel hin-ab-fällt“ beginnt Bas Böttcher. Sein Publikum, gut 20 Schüler vom Neuruppiner Oberstufenzentrum, reagiert zunächst verhalten. Doch bei „es to-sen die Apri-ko-sen“ können sich die ersten Zuhörer ein Grinsen nicht mehr verkneifen.

Sieben Workshops gibt Bühnenautor und Poetry Slammer Bas Böttcher im Rahmen des noch bis Sonnabend andauernden Neuruppiner Kinder- und Jugendfestivals „Querfeldeins“. Am Dienstag präsentierte der 40-Jährige seine rhythmische Lyrik im Neuruppiner Café Hinterhof – und lud zugleich zum Selbertexten ein.

„War schon mal jemand bei einem Poetry Slam?“, fragt Böttcher. Das Kopfschütteln im Publikum kommentiert der Berliner, helle Stimme, groß, völlig ungerührt. „Das ist gut so – Poetry muss man live erleben.“ Was live überzeugend wirkt, das weiß Böttcher aus Erfahrung, mutet anderswo übertrieben an. „Poetry funktioniert nicht auf youtube.“

Poetry Slam – das ist Wettbewerb mit live vorgetragenen, rhythmischen Texten. Jeder, der möchte, so der basisdemokratische Grundgedanke, kann sich auf die Bühne stellen und sich um die Gunst des Publikums bemühen. „In Poetry – da steckt das Wort „try“, also der Versuch, doch schon drin“, wirbt Böttcher. „Man muss es eben bloß versuchen, jeder kann es probieren.“

Nicht immer muss Poetry tiefschürfende Inhalte transportieren. Auch der schöne Klang, der schräge Blick auf das Gewöhnliche kann Zuhörer begeistern. „Manchmal ist es mehr eine Spielerei als eine Message“, sagt Böttcher. Ein furioses Nachsinnen über Fußböden, Handys oder schöne Damenoberteile zum Beispiel. „Ich denk so quer durch die Sprache, ich habe mehr so einen poetischen Blick.“

Lyrik, so versucht Böttcher seinem Publikum zu erklären, funktioniert über Rhythmus. Über den Takt, der sich einprägt, der im Gedächtnis hängen bleibt. „Ha-ri-bo macht Kin-der froh“, führt Böttcher vor. „Metrik ist, wenn es leichter in den Kopf geht.“ Leider hilft Metrik auch bei ganz anderen Versuchen der Einflussnahme. „Wollt ihr den to-ta-len Krieg?“ – „Hört mal ganz genau hin, achtet mal auf den Rhythmus“, sagt Bühnenautor Böttcher. „Metrik ist der Versuch, euch zu manipulieren.“

Spätestens jetzt, so scheint es, hat Böttcher sein Publikum gepackt. Der falsche Respekt vor Lyrik, vor Jambus, Trochäus, Daktylus scheint verflogen. „Man darf keine Angst vor Fehlern haben“, sagt Böttcher. „Der Blick durch die poetische Brille braucht den Fehler.“

Wie aber textet man? Vielleicht über „ungleiche Vergleiche“, so Böttcher. „Po-gen ist tanz-zen mit prü-geln, Ka-me-le sind Pfer-de mit Hü-geln“, führt er vor. „In der Poesie muss man unlogisch denken und produziert vielleicht trotzdem so eine kleine Wahrheit.“

Eine halbe Stunde lang dürfen die Schüler selbst Texte entwickeln. Böttcher versucht ihnen Mut zu machen, textet mit. Bloß keine falschen Hemmungen. Andere Poetry Slammer haben schon über Schrauben getextet. „Schrau-ben sind Nä-gel mit Fal-ten“.

Nach einem wetterbedingt zurückhaltenden Start kommen immer mehr Besucher zu den Veranstaltungen des Literaturfestivals. „Die Vormittage sind total überrannt“, sagt Rebecca Schulz vom Organisatorenteam um Uta Bartsch und Otto Wynen. Mehr als 1500 Voranmeldungen hatte es für die Workshops gegeben.

Wie viele Besucher bislang insgesamt gekommen sind, ist noch nicht gezählt. Das Interesse für die Nachmittagsangebote sei zunächst schleppend gewesen, sagt Schulz. Doch inzwischen kommen auch dort mehr Gäste. „Es werden täglich immer mehr“, sagt Schulz. „Das Festival spricht sich rum.“ Besonders beliebt bei den jungen Gästen – die Poetry Slammer.

Von Frauke Herweg

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