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Ostprignitz-Ruppin Beatsteaks begeistern im JFZ Neuruppin
Lokales Ostprignitz-Ruppin Beatsteaks begeistern im JFZ Neuruppin
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18:12 13.08.2014
Die Beatsteaks wurden am Dienstagabend von rund 400 Fans gefeiert. Quelle: Andreas Vogel
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Neuruppin

Helden kommen selten in Schlapphut und Stutzen. Arnim Teutoburg-Weiß macht’s trotzdem, er schlurft am späten Dienstagabend auf die Bühne des JFZ Neuruppin, hebt die Hand und krümmt die Finger leicht. Es ist das abgemachte Signal, sich bei diesem im Radio live übertragenen Konzert hörbar zu machen. 400 Zuschauer rasten aus.

Warum also sind der 40-jährige Chefcharismatiker und seine vier Bandkollegen kleine Helden? Weil sie, obwohl sie in den Charts vor – das schafft sonst keiner – Helene Fischer auf Platz eins liegen, mit dem Boden kleiner Klubs verhaftet bleiben. „Das sind die Dinger, da kommen wir her“, erklärt Teutoburg-Weiß. Die Band entschied sich ausgerechnet für das kleine JFZ, um eines der raren Vorab-Konzerte vor der Tour durch große Arenen zu spielen. Viel Kohle gibt’s dafür nicht. Eher spendiert die Band selbst noch etwas, sie verleiht dem immer wieder von der Schließung bedrohten Jugendzentrum besondere Ehre und neue Hoffnung – nach mehreren Jahren ohne große Konzerte.

Vor dem Auftritt der großen Band im kleinen Klub reißen die Jungs von Chuckamuck die Älteren unter den Fans in die eigene Jugend zurück. Ein mit so viel Spielfreude zelebrierter Rock ’n’ Roll, der irgendwo zwischen dem Soundtrack der "Eis am Stiel"-Filme und dem poppigen Punk der Ramones liegt, ist selten geworden. Witzige kleine Großstadtgeschichten, getextet auf Deutsch, gespielt mit Surfsound-Effekten à la Beach Boys – nur drei Mal schneller.

"Zurück zu den Wurzeln" lautete das Motto für die Beatsteaks beim Auftritt im JFZ Neuruppin. Die deutschen Rock-Ikonen, die sonst vor riesigem Publikum spielen, traten in der Fontanestadt in einem intimen Kreis von gerade einmal 400 Zuschauern auf - und ließen es ordentlich krachen.

Die Beatsteaks nutzen dann den kleinen Rahmen, um die Songs ihres neuen Albums auf Live-Tauglichkeit zu testen. Bestnoten gibt’s für das zackige Zwei-Minuten-Stück "DNA" und die erstaunlich tanzbare Single "Gentleman Of The Year". Die Texte liegen auf einem Notenständer – eigentlich nicht nötig, plötzlich bei dem alten Song "Summer" gerät der Frontmann aber doch ins Stocken. Gitarrist Peter Baumann hilft ihm durch die eigenen Lippenbewegungen auf die Sprünge. Irgendwie rührend und ein Beweis, dass das JFZ es hier mit einer im besten Sinne altmodischen Band zu tun hat, die von einem Journalisten mal „eine Art VEB im deutschen Popgeschäft“ genannt wurde. Die Beatsteaks sind fünf Freunde, die am liebsten live spielen. Keine Einzelkämpfer, die sich die eingespielten Songschnipsel zuschicken, um sie dann vom Produzenten im glatten Sound bündeln zu lassen.

Im zweiten Teil belohnen die Berliner die dankbare Meute mit alten Hits wie "Hand in Hand" und "Jane Became Insane". Der Song "Demons Galore" kommt mit der am Ende geballten Faust des Sängers wie eine Kampfansage daher. Übersetzt heißt es darin: "Halt dich fern von dem, was ich liebe." Ein schöner Gruß an Lokalpolitiker, die subkulturellen Einrichtungen Steine in den Weg legen. Armin Teutoburg-Weiß sagt einfach: "Neuruppin ist der schönste Klub im Osten."

Zwischen Begeisterung und Enttäuschung

  • In den sozialen Netzwerken lassen die Fans ihrer Begeisterung freien Lauf: "Die Erde hat gebebt! Oder war es doch nur der JFZ-Boden? Ihr habt den Laden komplett abgerissen. Davon kann man den kommenden Generationen erzählen!" schreibt ein Konzert-Besucher auf Facebook. "300 Leute, die Beatsteaks und ich, Hammer!", kommentierte Rock 'Jenni' Roll auf Twitter.
  • Enttäuscht waren im Vorfeld viele Neuruppiner. Ursprünglich sollte ein Ticketkontingent für sie bereitgehalten werden. Doch aufgrund einer technischen Panne gingen viele Einheimische leer aus.

Von Maurice Wojach

Weitere Konzerte in der Nähe: 15.11. Magdeburg, 22.11. Leipzig, 27.11. Berlin.

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