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Ostprignitz-Ruppin Beethovens Neunte: Klassik für jedermann
Lokales Ostprignitz-Ruppin Beethovens Neunte: Klassik für jedermann
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00:17 27.10.2016
Vor fünf Jahren hat der Musikverein die Neunte schon einmal aufgeführt. Auch damals dirigierte Takao Ukigaya das Konzert. Quelle: Peter Geisler
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Neuruppin

Warum Beethovens Neunte bei Japanern so außerordentlich beliebt ist? Da muss Takao Ukigaya nur kurz nachdenken. „Das ist einfach wunderbare Musik“, schwärmt der Vorsitzende des Neuruppiner Musikvereins. Fast jeder kennt die 9. Sinfonie von Ludwig van Beethoven oder wenigstens Teile daraus. „Viele Leute glauben, Klassik sei nichts für sie – das ist doch so schwere Musik“, sagt Ukigaya. Beethovens Neunte ist anders: sie ist leicht, sie ist schön – sie ist der ideale Einsteig in die Welt der klassischen Konzerte.

Seit vielen Jahren lebt der Dirigent Takao Ukigaya mit seiner Frau Junko in Kerzlin bei Neuruppin. Doch den Kontakt in ihre japanische Heimat haben sie nie verloren. Jedes Jahr im Dezember wird die Neunte dort in hunderten Städten aufgeführt. Die „Freude, schöner Götterfunken“ ist äußerst beliebt, vor allem als Mitsingkonzert. „Viele Städte habe eigene Chöre nur für die Neunte“, sagt Ukigaya. Er dirigiert Beethoven in Japan regelmäßig und ist überzeugt, dass sich auch das Publikum in Neuruppin von der Begeisterung anstecken lässt. Nur das Sportcenter an der Trenckmannstraße hat genügend Platz, um das auszuprobieren.

Sportcenter wird zur Konzerthalle umgebaut

Schon einmal hat der Musikverein Beethovens wohl berühmteste Komposition dort auf die Bühne gebracht. Jetzt, ziemlich genau fünf Jahre später, passiert das zum zweiten Mal. Fast 70 Musiker, gut 170 Sängerinnen und Sänger und fast 800 Zuhörer – wo sonst als in der großen Eventhalle an der Trenckmannstraße haben in Neuruppin so viele Menschen auf einmal Platz? Und auch, wenn mancher vielleicht skeptisch ist. „Das Sportcenter hat eine tolle Akustik“, versichert Vereinschef Ukigaya. Mit Licht und Bühnentechnik lasse sich der Raum so verwandeln, dass die Besucher schnell vergessen, dass dort bormalerweise Handball gespielt wird.

Neben dem Brandenburgischen Staatsorchester kommt auch die Singakademie Frankfurt (Oder) mit nach Neuruppin. Sie bekommen aber noch Verstärkung. „Es kommen auch 20 Sänger aus Japan mit hierher“, sagt Ukigaya. Als er bei einem seiner Konzerte in Tokio von dem geplanten Großereignis in Neuruppin erzählt hat, wollten einige Mitglieder des Chores unbedingt dabei sein. Auch wenn sich der Auftritt hier im Vergleich zu denen in Tokio eher bescheiden ausnimmt: Dort stehen regelmäßig mehr als 300 Sänger auf der Bühne, um Beethoven zu singen.

Musikverein will Weltklassemusik auch in der Provinz

Seit elf Jahren organisiert der Musikverein inzwischen eine anspruchsvolle Klassikreihe für die Neuruppiner. Zwei Neujahrskonzerte und zwei große Sinfoniekonzerte jedes Jahr in der Pfarrkirche, vier Kammerkonzerte an anderen, etwas kleineren Orten jedes Jahr. Ukigayas Idee: Er will den Menschen auch hier Weltklassemusik bieten, die für jeden bezahlbar ist. Niemand soll dazu extra nach Berlin oder Hamburg fahren müssen.

Die Idee kommt an. Angefangen hat der Musikverein mit 23 Mitgliedern. „Inzwischen sind wir 57“ sagt die stellvertretende Vereinschefin Uta Bartsch. Mehr als 60 Konzertabos verkauft der Verein inzwischen. Und auch der Sonderpreis für Jugendliche lohnt sich; die Karl-Liebknecht-Schule kommt regelmäßig mit Schülern in die Aufführungen.

Finanziell ist das Konzert für den Musikverein eine Herausforderung. Ute Bartsch schätzt die voraussichtlichen Kosten auf mehr als 20 000 Euro. Selbst wenn der Verein alle 770 Karten verkauft, wird er wohl auf einigen Tausend Euro sitzen blieben – trotz der Zuschüsse von Stadtwerken, Sparkasse und Stadt. „Kostendeckend kann man so etwas nicht machen“, sagt Ukigaya. „Dann müssten wir 70 Euro für eine Karte nehmen.“ Doch das lehnt er ab. Die Musik soll bezahlbar sein, für möglichst viele Menschen.

Konzert:

Von Reyk Grunow

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