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Begegnungen mit der Geschichte

Wittstocker Schüler entdecken Erstaunliches im Belower Wald Begegnungen mit der Geschichte

Wer das Areal rund um das Museum des Todesmarsches im Belower Wald bei Wittstock näher unter die Lupe nimmt, hat gute Chancen, noch Neues aus der Vergangenheit zu finden – so wie Wittstocker Schüler derzeit innerhalb einer Arbeitsgemeinschaft. Ihre teilweise erstaunlichen Entdeckungen dokumentieren sie auf Schautafeln.

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Schüler statten eine Vitrine im Todesmarschmuseum mit der ersten neu gestalteten Schautafel aus.

Belower Wald. Die feinen Umrisse des Gesichtes drängen sich dem Betrachter nicht auf. Erst auf den zweiten Blick ist eine filigrane Frauengestalt zu erkennen, eingeritzt in die grüne Rinde eines Baumes. Entdeckt hat sie Laura Schönfeld. „Ich habe zuerst nur die Buchstaben K. V. gesehen. Erst danach ist mir bei näherer Betrachtung das Gesicht darüber aufgefallen“, erzählt die Zehntklässlerin der Wittstocker Polthier-Oberschule. Wen dieses Gesicht darstellen soll, das lässt sich heute nicht mehr ergründen, vielleicht existierte die Person wirklich, vielleicht aber auch nur in der Vorstellung des unbekannten „Künstlers“. Tatsache ist: Diese Entdeckung ist neu.

Das Areal rund um das Museum des Todesmarsches im Belower Wald ist auch 70 Jahre nach den furchtbaren Ereignissen, die sich dort abspielten, eine wahre Fundgrube für jeden, der dort in die Historie eintaucht.

Genau das tun derzeit Schüler aus der 10. Klasse der Polthier-Oberschule in Wittstock. Innerhalb der Arbeitsgemeinschaft „Belower Wald“ führten die Jugendlichen bereits zwei Zeitzeugengespräche, durchforsteten ein noch wenig erforschtes Waldgebiet gegenüber der Mahnsäule und fassten die Entdeckungen in bebilderten Schautafeln zusammen, die in den Vitrinen des kleinen Museumsgebäudes ausgestellt werden.

Die Schüler stellen ihre Entdeckungen auf Schautafeln zusammen

Die Schüler stellen ihre Entdeckungen auf Schautafeln zusammen.

Quelle: Björn Wagener

Die ersten Tafeln sind bereits fertig. Sie sind mit den GPS-Daten der jeweiligen Schauplätze versehen, damit Smartphone-Besitzer die Funde leicht lokalisieren können. Neben dem Frauenporträt und kleineren Metallgegenständen geht es da vor allem um Einkerbungen oder Einritzungen, mitunter auch Spuren von eingewachsenen Drähten, die womöglich dazu dienten, Verschläge als Wetterschutz zu befestigen.

In dokumentierten Augenzeugenberichten und ähnlichem Material wurden von den Schülern aber auch bisher unbekannte Routen des Todesmarsches recherchiert. David Galle trug sie mit ruhiger Hand in eine Karte ein. Grundsätzlich ist der Verlauf des Todesmarsches zwar bekannt. „Aber die Menschen wurden mitunter in verschiedene Trupps geteilt, die unterschiedliche Wege nahmen“, erklärt Carmen Lange, die Leiterin des Museums.

Die Gedenkstätte des Todesmarsches im Belower Wald

Die Gedenkstätte des Todesmarsches im Belower Wald.

Quelle: Björn Wagener

Ihr ist es wichtig, dass Schüler bei Projekten dieser Art auch immer selbst aktiv werden und am Ende greifbare Ergebnisse vorweisen können. So hat sie immer wieder junge Leute zu Gast – von Grundschülern bis Studenten, aber natürlich auch Erwachsene. Die Arbeit der Arbeitsgemeinschaft, die von Schulsozialarbeiter Bodo Haneld betreut wird, sei jedoch „ein Pilotprojekt“, wie Mitarbeiterin Kerstin Zillmann sagt. Der Grund: Das Ganze läuft das gesamte Schuljahr hindurch, nicht nur über wenige Wochen wie andere Projekte. Möglicherweise könne es sogar im nächsten Jahr weitergeführt werden. Bodo Haneld ist zudem der Stadt Wittstock dankbar, dass sie einen Kleinbus zur Verfügung stellt, um mit den Schülern im zweiwöchigen Rhythmus zum Museum zu gelangen.

Künftig sollen auf einer Karte an einer Schautafel im Außenbereich noch sämtliche Orte, an denen sich Denkmale und Grabstätten im Zusammenhang mit dem Todesmarsch befinden, mit farbigen Punkten markiert werden. Das verschafft Besuchern einen schnellen Überblick. Wie viele Menschen die Gedenkstätte jährlich besuchen, kann Carmen Lange nur schätzen, da die Besucher der Außenausstellung niemand zählt. „Aber ich gehe von rund 2500 bis 3000 aus“, sagt sie.

Von Björn Wagener

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