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Behindertenbeauftragte will kein Feigenblatt sein

Neuruppin Behindertenbeauftragte will kein Feigenblatt sein

Zwei Jahre hat Neuruppin vergeblich gesucht – jetzt hat die Stadt endlich wieder eine Behindertenbeauftragte. Die Stadtverordneten haben Antje Rahn am Montag bestellt. Schon vorher sparte sie nicht mit Kritik an der Stadt.

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Antje Rahn ist Expertin für Pferde und arbeitet als Sachverständige. nebenbei wird sie Neuruppins neue Behindertenbeauftragte,

Quelle: Peter Geisler

Neuruppin. Die Fontanestadt hat nach rund zwei Jahren der Suche wieder eine ehrenamtliche Behindertenbeauftragte. Die Stadtverordneten haben das Amt am Montagabend an Antje Rahn übertragen. Und die 57-Jährige ist bereit, die Aufgabe zu übernehmen – trotz der Querelen der vergangenen Wochen.

Im Hauptausschuss vor zwei Wochen schien noch unklar, ob die studierte Tierärztin und Sachverständige für Pferdezucht und -haltung das Amt übernehmen wird (die MAZ berichtete). Der Arbeitskreis barrierefreies Neuruppin hatte zuvor einige Zweifel, ob Antje Rahn für das Amt geeignet ist. Die Mitglieder des Arbeitskreises – meist selbst Menschen mit Behinderung – fühlten sich von der geplanten Berufung einer Behindertenbeauftragten überrollt. Stadtverordnete warfen dem Arbeitskreis mehr oder weniger offen vor, er hätte auf Antje Rahn zugehen müssen. Doch die Stadt wollte die Berufung der Behindertenbeauftragten so schnell vorantreiben, dass ein Gespräch zwischen Antje Rahn und dem Arbeitskreis schon wegen eines Termins nicht möglich war. Das sorgte auf allen Seiten für Verärgerung.

Wozu will Neuruppin eine Behindertenbeauftragte?

Inzwischen gab es ein Treffen, bei dem viele Unstimmigkeiten ausgeräumt werden konnten. Antje Rahn hielt mit ihrem Ärger über das Prozedere am Montag aber nicht hinterm Berg. Sie warf vor allem der Stadt vor, das Amt der Behindertenbeauftragten stiefmütterlich zu behandeln. Sie habe den Eindruck, Neuruppin gehe es nur darum, irgendjemanden für das Amt zu finden, um sagen zu können, dass sich ja jemand um die Belange Behinderter kümmert. Ein Behindertenbeauftragter, quasi als Feigenblatt. Rahn: „So ein ehrenamtliches Feigenblatt – da habe ich wirklich keine Lust drauf.“

Was sie wunderte: In der öffentlichen Ausschreibung des Ehrenamtes war die Rede davon, dass Bürgermeister Jens-Peter Golde allen Bewerbern für Rückfragen zur Verfügung stehen würde. Doch ein Gespräch war nicht möglich. „Herr Bürgermeister Golde stand mir eben nicht zur Verfügung“, kritisierte Antje Rahn. Der Versuch, einen Termin zu vereinbaren, sei daran gescheitert, dass es hieß, der Bürgermeister habe keine Zeit. Für Antje Rahn ein Indiz „für die eigentliche Problematik“: Einige behinderte Menschen hätten den Eindruck, die Stadt Neuruppin nehme sie und ihre Probleme nicht wirklich ernst.

Arbeitskreis barrierefreies Neuruppin soll ein Beirat werden

Bürgermeister und Stadtverordnete bemühten sich prompt, den Eindruck fortzuwischen. Dass Antje Rahn einen Termin bei ihm wollte, sei ihm nicht bewusst gewesen, so der Bürgermeister. Sonst hätte sie selbstverständlich einen bekommen. Alle waren bemüht zu versichern, wie wichtig ihnen die Arbeit des Arbeitskreises und die einer Behindertenbeauftragten ist.

Antje Rahn gab sich damit vorerst zufrieden. Sie schlug den Stadtverordneten aber auch vor, den Arbeitskreis barrierefreies Neuruppin zu einem ordentlichen Behindertenbeirat zu machen. Aus einer lockeren Gruppe von Freiwilligen würde damit ein Gremium mit klaren Rechten und Pflichten. Mehrere Stadtverordnete stimmten ihr zu. Ebenso Doreen Beier vom Arbeitskreis barrierefreies Neuruppin: „Auch wir wünschen uns das.“

Von Reyk Grunow

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