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Ostprignitz-Ruppin Behutsamer Kranichtourismus
Lokales Ostprignitz-Ruppin Behutsamer Kranichtourismus
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00:17 20.10.2016
Kraniche auf dem Feld des Rhinmilch-Agrarbetriebs. Quelle: Cornelia Felsch
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Linum

Im Oktober ist der größte Teil der Ernte abgeschlossen, nur ein paar Sonnenblumenfelder gibt es noch zwischen den kahlen Ackerflächen. Das Wintergetreide ist ausgesät und das wissen die zahlreichen Kraniche, die jetzt im Luch Rast machen. Entscheidend für die Vögel sind gute Schlafplatzbedingungen im Flachwasser und ein ausreichendes Nahrungsangebot im Umfeld. Das Obere Rhinluch bietet beste Bedingungen. Hier gibt es großflächige ungestörte Ruhezonen mit Rast- und Schlafplätzen sowie Äcker, die Nahrung bieten. Wenn da nicht die Menschen wären, könnten die Zugvögel das Paradies in aller Ruhe genießen.

Die Biologin Kristina Hühn beobachtet Kraniche bei Linum. Quelle: Cornelia Felsch

Vorsichtig fährt die Biologin Kristina Hühn auf den Randstreifen an der Landstraße, die von Linum nach Kuhhorst führt. Rund 200 Kraniche haben sich auf dem Feld der Rhinmilch-Gesellschaft in etwa 100 Meter Entfernung versammelt, um sich zu stärken. Die Biologin baut im Sichtschutzbereich einiger Büsche ihr Fernrohr auf. Die Tiere lassen sich keineswegs stören.

Nicht alle Beobachter verhalten sich so rücksichtsvoll wie die Wissenschaftlerin, die gerade ihre Doktorarbeit über das Zusammenleben von Mensch und Kranich schreibt und dabei besonders das Verhalten der Touristen untersucht. Sie kommen zu Fuß, mit dem Auto, auf dem Wasserweg oder sogar mit dem Ballon. Betreten Ackerflächen und Silos der Landwirte , gefährden den Straßenverkehr und achten kaum auf gebührende Abstände zu den Tieren. Die Vögel, die sich für ihre Weiterreise stärken wollen, fühlen sich gestört, fliegen auf und verlieren dabei kostbare Kraftreserven.

Besucher knallen mit den Autotüren

Auch in einiger Entfernung der Biologin hält nun ein Auto, es steht halb auf der Straße, das Licht brennt und die Türen knallen. Sofort ziehen sich die Kraniche auf die entfernteren Flächen zurück. „Dieses Verhalten ist typisch“, erklärt Kristina Hühn. „Die Vögel gehen dorthin, wo sie ungestörter sind, allerdings wird das Futter in diesen Bereichen schneller knapp, da die Kraniche immer wieder dorthin ausweichen müssen.“ Die Störenfriede möchten die Kraniche aber gern aus der Nähe beobachten, also steigen sie in ihr Auto und fahren dorthin wo die Kraniche in unmittelbarer Nähe der Straße fressen. Der Ablauf wiederholt sich.

Den Sachverhalt hat die Biologin in einer Grafik dargestellt. Aus den Kurven ist ersichtlich, dass sich die Tiere an den Wochenenden immer weiter von den Straßen entfernen, zur Wochenmitte wird der Abstand geringer. Konflikte gibt es im Zusammenleben von Kranichen und Menschen reichlich, auch die Ballonfahrt-Betreiber müssen immer wieder darauf hingewiesen werden, dass sie in der Kranichrastzeit diese Gebiete meiden sollen, da es dazu auch eine entsprechende Vereinbarung gibt.

Das Smartphone als Berater der Kranichtouristen. Quelle: Cornelia Felsch

Die Biologin und die Naturschützer versuchen nun, diesen Konflikten mit neuen Mitteln zu begegnen. Mit rot-weißen Bändern sperren sie Bereiche ab, in denen die Besucher auf die Felder gelangen könnten, was nicht besonders einladend aussieht. Die kleinen Hinweisschilder wurden durch größere ausgetauscht, auf denen man nun lesen kann, wie sich Menschen im Rastgebiet verhalten sollten. Als weitere Neuerung gibt es in Linum jetzt den virtuellen Ranger , „Kranich Lino“. Eine kleine graue Kiste stellt ein lokales Netzwerk zur Verfügung, in das man sich mittels Handy einklinken kann. So erhält der Besucher vor Ort Informationen über richtiges Verhalten bei der Kranichbeobachtung sowie über die Lebensweise der Kraniche.

Landwirte stellen Flächen zur Verfügung

In diesem Jahr haben die Kraniche reichlich Nahrung, die Trockenheit hat dafür gesorgt, dass die Maiskörner schon bei der Ernte aus den Kolben fielen. Allerdings haben Hitze und Trockenheit auch die Gewässer schrumpfen lassen und Regentümpel fehlen, sodass sich die Vogelscharen auf wenige Rastflächen konzentrieren müssen. In den vergangenen Jahren erweiterten die Naturschützer für die Vögel das Schlafplatzangebot. Seit 2001 werden mit Hilfe des Vertragsnaturschutzes rund 200 Hektar Grünland vom Herbst bis zum Sommer vernässt. Etwa 60 bis 90 Prozent der Kraniche nächtigen dort.

Der Fehrbelliner Rhinmilch-Verbund ist einer der Landwirtschaftsbetriebe, der einen Teil seiner Flächen zur Verfügung gestellt hat, der aber auch mit den Schäden klarkommen muss, die Zugvögel bei den Wintersaaten anrichten. „Die Tiere gehören zu unserer Landschaft dazu“, sagt Geschäftsführer Hellmuth Riestock. „Wir müssen uns mit ihnen arrangieren und können nur versuchen, den Schaden zu begrenzen.“ Da sich Ablenkfütterungen nicht so recht bewährt haben, versucht der Landwirtschaftsbetrieb in Absprache mit den Naturschützern die Vögel mit Knallschreckgeräten zu vergrämen. Dafür haben allerdings viele Kranich-Touristen wenig Verständnis. „Wir können nur versuchen, mehr Akzeptanz bei den Menschen zu bekommen. Es geht nur, wenn wir alle gemeinsam die Probleme angehen. Die Zusammenarbeit mit den Naturschützern funktioniert mittlerweile sehr gut“, sagt der Landwirt.

Von Cornelia Felsch

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