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Bei Salpetersäure-Unfall Atemwege verätzt

Ostprignitz-Ruppin Bei Salpetersäure-Unfall Atemwege verätzt

Bei dem Chemieunfall mit Salpetersäure auf der Autobahn A 24 ist eine 29-jährige Feuerwehrfrau aus Wittstock schwerer verletzt worden als bisher bekannt war. Weil der Wind sich drehte, als sie gerade ihren Schutzanzug nach dem Einsatz auszog und die Schutzmaske abnahm, hat sie einen „vollen Zug“ aus der giftigen Wolke genommen.

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In den speziellen Chemieschutzanzügen konnten die Helfer nur maximal 20 Minuten arbeiten. Dann mussten die Anzüge dekontaminiert und als Sondermüll entsorgt werden.

Quelle: Peter Geisler

Neuruppin. Bei dem schweren Chemieunfall mit Salpetersäure auf der Autobahn 24 bei Walsleben ist eine 29-jährige Feuerwehrfrau aus Wittstock schwerer verletzt worden, als bisher bekannt war. „Das Muskelgewebe an ihren Atemwegen ist teilweise zerstört“, sagte Kreisbrandmeister Wolfgang Hohenwald am Donnerstagabend beim Kreistag in Neuruppin. Zwar könne sich das Gewebe wieder aufbauen, doch das werde einige Zeit dauern. Deshalb sei die Frau nur noch bedingt einsatzfähig für die Feuerwehr.

Kreisbrandmeister fordert gleichen Schutz für alle

Laut Hohenwald hatte sich der Unfall am 14. August ereignet, als die Frau ihren Einsatz im speziell geschützten Chemieanzug am Laster mit dem defekten Säuretank beendet hatte, gerade ihre Schutzmaske abnahm und den ersten Zug der frischen Luft einatmete. Genau in diesem Augenblick habe der Wind gedreht, so dass die Feuerwehrfrau einen „vollen Zug“ aus der Wolke mit den giftigen Säuredämpfen eingeatmet habe. Dadurch erlitt sie Verätzungen.„Sie war zur falschen Zeit am falschen Ort“, so Hohenwald.

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Walsleben, 14. August 2017: Auf dem Rastplatz Walsleben (Ostprignitz-Ruppin) entdeckt der Fahrer ein Leck in seinem Fahrzeug. Der Laster hatte Salpetersäure geladen, ein Tank wurde beschädigt. Die Feuerwehr rückte zu einem Großeinsatz aus.

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Der Kreisbrandmeister mahnte auch aus diesem Anlass, dass freiwillige Feuerwehrleute genauso versichert sein müssten wie Angehörige von Berufsfeuerwehren. „Wir tun dieselbe Arbeit“, betonte Hohenwald. Bisher sind Mitglieder einer freiwilligen Feuerwehr und deren Angehörige finanziell schlechter abgesichert als es bei Berufsfeuerwehrleuten der Fall ist. Das will das Land jetzt ändern. Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD) hatte nach dem verheerenden Unfall mit zwei getöteten Feuerwehrleuten auf der A 2 vor einem Monat eine Gleichstellung von Berufs- und freiwilliger Feuerwehr in Aussicht gestellt. Den knapp 600 Berufsfeuerwehrleuten in der Mark stehen 40 000 Freiwillige gegenüber, die etwa 96 Prozent aller Einsätze absichern.

Warten auf das Gutachten

An dem Einsatz wegen des defekten Chemielasters bei Walsleben waren fast 350 Feuerwehrleute beteiligt. Einsatzkräfte kamen selbst aus dem Kreis Potsdam-Mittelmark und aus Mecklenburg-Vorpommern. Warum einer der zwei Tanks plötzlich undicht war, ist immer noch unklar. Die Untersuchungen dauern weiterhin an, sagte am Freitag eine Polizeisprecherin in Neuruppin. Demnach soll ein Sachverständiger der Dekra ein Gutachten erstellen. Nach dem Unfall mit der Salpetersäure bei Walsleben waren drei Feuerwehrleute ins Krankenhaus gekommen – zwei mit Verdacht auf Vergiftung und einer wegen Kreislaufproblemen. Alle drei Helfer waren aber nach einem Tag wieder aus dem Krankenhaus entlassen worden.

Von Andreas Vogel

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