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Bekannter Nazi noch immer Ehrenbürger

Rheinsberg Bekannter Nazi noch immer Ehrenbürger

Weltkriegsgeneral Karl Litzmann war ein Förderer von Adolf Hitler – und ist immer noch Ehrenbürger von Rheinsberg. Zwar hatte er 1915 die ihm verliehene Ehrenbürgerschaft 1929 wegen eines Streits zurückgegeben. Doch war ihm diese Ehre nach der Machtübernahme der Nazis 1933 sofort erneut von Rheinsberg verliehen worden.

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Karl Litzmann bei einer Ausfahrt.

Quelle: Repro: MAZ

Rheinsberg. Ein bekannter Nazi ist immer noch Ehrenbürger der Stadt Rheinsberg. Von dieser Nachricht wurde jetzt Peter Böthig, der Leiter des Kurt-Tucholsky-Literaturmuseums in Rheinsberg, überrascht. Böthig war bisher davon ausgegangen, dass Karl Litzmann (1850 – 1936) seine 1915 erhaltene Ehrenbürgerschaft nach einem Streit 1929 „erbost“ zurückgegeben hat. Denn Litzmann, ein überzeugter Militär, durfte das Kriegerdenkmal, das an die Gefallenen im Ersten Weltkrieg erinnert, in Rheinsberg nicht unter der Reichskriegsflagge eröffnen. Der Magistrat erlaubte nur die Fahne der Weimarer Republik. Daraufhin gab der gebürtige Neuglobsower Litzmann, der die Republik ablehnte, seine Ehrenbürgerschaft zurück.

„Das war der Stand, den wir kannten“, sagte Böthig am Dienstag. Das deckte sich auch mit seinen Recherchen zum Thema „jüdisches Leben in Rheinsberg“. Doch als die Nationalsozialisten 1933 die Macht in Deutschland übernahmen, reagierten die Rheinsberger Stadtverordneten sofort: Am 30. März 1933 beschlossen sie, Litzmann erneut zum Ehrenbürger zu ernennen, am 4. April 1933 stimmte der Magistrat von Rheinsberg zu. Am 31. Oktober 1933 wurde die Urkunde ausgestellt; am 15. Januar 1934 teilte Litzmann dem Rheinsberger Bürgermeister Walter Leibel mit, dass er die Ehrenbürgerschaft annimmt.

Entscheidender Hinweis vom Verein Stadtgeschichte

Davon wusste der Rheinsberger Museumschef bislang nichts. Erst ein Hinweis vom Verein Stadtgeschichte Rheinsberg, der derzeit historische Zeitungsausschnitte zur Prinzenstadt digitalisiert, ließ Böthig aufhorchen. Der Museumschef fuhr ins Kreisarchiv und fand in alten Unterlagen die Hinweise bestätigt. „Wir müssen entsprechend reagieren“, sagte Rheinsbergs Bürgermeister Jan-Pieter Rau (CDU). Immerhin gehörte Litzmann seit 1929 der NSDAP an und zählte zu Hitlers loyalen Gefolgsmännern. Der General des Ersten Weltkrieges war im November 1932 Alterspräsident des Reichstages in Berlin und forderte die Ernennung von Adolf Hitler zum Reichskanzler. Im Gegenzug erhielt er 1936 in Neuglobsow ein Staatsbegräbnis. Zudem wurde die polnische Stadt Lódž 1940 in Litzmannstadt umbenannt.

Litzmann war auch Ehrenbürger in Neuruppin

Weil er ein großer Förderer von Adolf Hitler war, hatte die Stadt Neuruppin Litzmann bereits 2007 die Ehrenbürgerschaft aberkannt, die er 1925 für seine Verdienste als General im Ersten Weltkrieg erhalten hatte. An die damaligen Debatten in Neuruppin kann sich Rheinsbergs Ortsbürgermeister Sven Alisch (SPD) gut erinnern. Überrascht zeigte er sich am Dienstag jedoch, dass Litzmann noch immer Ehrenbürger von Rheinsberg ist. Für Alisch ist das ein Beleg dafür, dass in Rheinsberg die Ehrenbürgerschaften konkreter geregelt werden müssen. „Ich will wissen, wer alles Ehrenbürger von Rheinsberg ist und für welche Verdienste diese Ehre verliehen wurde.“ Zudem müsste geklärt werden, wie lange die Gräber auf dem Friedhof erhalten und gepflegt werden.

Alisch geht davon aus, dass sich am Donnerstag die Fraktionschefs der Stadtverordnetenversammlung beim Ältestenrat mit der Personalie Litzmann befassen werden. Die Abgeordneten könnten dann im Dezember beschließen, ob Litzmann wirklich weiter Ehrenbürger der Prinzenstadt sein soll. Für Alisch steht fest: Litzmanns Name muss runter von der Liste.

Von Andreas Vogel

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