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Beliebter Perleberger ist jetzt 80

Verkehrsseminarleiter Bergmann Beliebter Perleberger ist jetzt 80

Seit 60 Jahren hat er einen Führerschein. Abgesehen von einem abgebrochenen Seitenspiegel kam er unfallfrei durch: Paul-Norbert Bergmann, der 80-jährige Perleberger, der seit 20 Jahren sein Wissen als ADAC-Moderator älteren Autofahrern in ganz Nordwestbrandenburg vermittelt. Doch nun denkt er ans Aufhören. Und zugleich hat er eine große Sorge.

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Paul-Norbert Bergmann fährt regelmäßig Auto. Er legt lange Strecken für seine Vorträge zurück. Doch mit denen ist es bald vorbei. Bergmann hört auf.

Quelle: Matthias Anke

Kyritz. Aufhören, wenn es am schönsten ist, heißt es bekanntlich. „Doch ganz so schön ist es nicht“, sagt Paul-Norbert Bergmann. Seit 1997 ist der Perleberger im Auftrag des ADAC in Nordwestbrandenburg unterwegs, um Verkehrsseminare für die Generation „50 Plus“ zu geben. Es ist jetzt sein 20. Jahr als Einzelkämpfer. „Wenn ich demnächst aufhöre, wer soll das dann machen? Ich habe keinen Nachfolger“, sagt der Mann mit dem klaren Blick im weinroten, knöpfbaren Pullunder.

Wann genau Bergmann, der mittlerweile 80 Jahre alt ist, seinen letzten Vortrag hält, wisse er noch nicht. Womöglich ist dieses Jahr sein letztes. Vielleicht aber ringe er sich für 2017 noch durch.

Immer mehr ältere Menschen sind auf ihr Auto angewiesen

Nun aber steht Bergmann erst mal wieder vor Kyritzer Publikum und fummelt am Overhead-Projektor. „Er ist nicht mehr der schnellste, aber damit passt er ja wunderbar zu uns“, flüstert eine 76-Jährige. Sie hat ihren gleichaltrigen Mann und den Bruder dabei. Alle kamen mit dem Fahrrad. „Bei dem Wetter fahren wir doch kein Auto.“ Ansonsten aber sitzen die drei regelmäßig hinterm Steuer.

Von dem Semirar erfuhr die Frau aus dieser Zeitung. Immer geht es dabei um Veränderungen im Verkehrsrecht, um Themen, die so aktuell sind, dass auch Teilnehmer eines Alters weit unterhalb der 50 Jahre staunen würden.

Die Nachfrage an Bergmanns Seminaren stieg in den vergangenen Jahren kontinuierlich

Die Nachfrage an Bergmanns Seminaren stieg in den vergangenen Jahren kontinuierlich.

Quelle: Matthias Anke

Gerade ist der zweite von vier Teilen zu jeweils 90 Minuten an der Reihe in diesem Kyritzer Mehrgenerationenhaus. Dann folgt ein Päuschen. Die nächste Gruppe kommt. „Ich kann ja nicht 50 Leuten auf einmal vortragen, also habe ich sie in zwei Klassen aufgeteilt“, erklärt Paul-Norbert Bergmann und verdeutlicht damit die riesige Nachfrage. So groß sei sie mittlerweile überall in der Region.

In fast jedem größeren Ort zwischen Nauen, Rheinsberg und Wittenberge bot er seine Seminare in den vergangenen zwei Jahrzehnten schon an. Gerade aber in der jüngsten Zeit habe der Andrang spürbar zugenommen. „Es gibt ja immer mehr ältere Menschen in der Bevölkerung, die alle noch Auto fahren“, sagt Bergmann: „Weil sie müssen.“ Eine abgebaute Infrastruktur, weniger Ärzte und ohnehin weitere Wege nennt er als Gründe. Um so wichtiger sei es, die Seminarreihe weiterhin anzubieten und also einen Nachfolger zu finden. „Ich hatte drei Leute an der Hand, davon sind aber schon vor längerem zwei abgesprungen und einer unterrichtet mittlerweile in Berlin“, sagt Bergmann.

Moderator Bergmann wird von Seniorenverbänden aller Art gebucht

Er selbst ließ sich einst im Alter von 60 Jahren beim Deutschen Verkehrssicherheitsrat zum Moderator ausbilden. Einen entsprechenden Aufruf des ADAC hatte er in einer Fachzeitschrift gelesen. „Ich wollte in meiner Rentnerzeit einer sinnvollen Aufgabe nachgehen“, sagt er. Bis dahin war Bergmann Kreisgeschäftsführer des Deutschen Roten Kreuzes im Kreis Perleberg.

Seither wird er angefragt von Seniorenverbänden wie die Arbeiterwohlfahrt, Volkssolidarität oder kommunalen Seniorenbeauftragten. Drei oder vier mal pro Woche ist er dafür unterwegs. „Meine Frau schimpft deshalb schon ziemlich lange. Sie hat aber recht. Irgendwann muss man ja aufhören und an die Gesundheit denken.“

Einzelkämpfer

Paul-Norbert Bergmann ist der einzige ADAC-Moderator für Seniorenkurse zur Verkehrserziehung im Nordwesten Brandenburgs. Ohne ihn entstünde eine große Lücke.

Die Teilnehmer dieser Kurse sind Menschen ab einem Alter von 50 Jahren, die ihr Wissen auffrischen und Neuigkeiten erfahren wollen.

Interessierte, die Bergmann helfen wollen oder die gar in absehbarer Zeit seine Nachfolge antreten könnten, sollen sich an die Berliner ADAC-Geschäftsstelle wenden unter 030/8 68 60.

Wer sich nun dieser Aufgabe gewachsen sieht, dem gibt Bergmann mit auf den Weg: „Ganz alleine war ich nie. In schwierigen Fragen bekam ich jederzeit Hilfe von der Verkehrsrechts- und Technikabteilung meines ADAC-Landesverbands Berlin-Brandenburg.“

Die Pause ist vorbei. Während Jugendliche vom Club nebenan in der Februarsonne rauchen, geht es im Mehrgenerationenhaus für Gruppe zwei weiter: mit dem seltsamen Verkehrsschild „Einmalvorfahrt“, zwingendem Blinken in abbiegenden Vorfahrtsstraßen und den längst abgeschafften Richtgeschwindigkeiten. Noch ist es Paul-Norbert Bergmanns Welt.

Von Matthias Anke

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