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Ostprignitz-Ruppin Below: Historiker beschreibt Schicksale
Lokales Ostprignitz-Ruppin Below: Historiker beschreibt Schicksale
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00:18 04.02.2016
Der Leipziger Historiker Martin Winter (stehend) berichtete von seinen Forschungen zum Thema Todesmärsche. Quelle: Christian Bark
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„Der Drang nach einer Ruhepause führte unweigerlich in den Tod“, las die Leiterin der Gedenkstätte im Belower Wald, Carmen Lange, bei der Veranstaltung zum Holocaust-Gedenktag am Sonntag aus den Erinnerungen des ehemaligen KZ-Häftlings Zwi Steinitz vor. Der damals 17-Jährige war am 27. Januar vom Vernichtungslager Auschwitz aus nach der Evakuierung auf einen der Todesmärsche geschickt worden. Immer bewacht von den Schergen der SS, konnte eine Verschnaufpause tödlich enden. Steinitz hatte die unmenschliche Tortur überlebt, viele tausend andere Häftlinge nicht.

Carmen Lange erinnerte an das Schicksal Tausender KZ-Häftlinge Quelle: Bark

„Über eine Viertelmillion Menschen haben die Todesmärsche, die 1945 von den Konzentrationslagern aus quer durch Deutschland führten, das Leben gekostet“, fasste Martin Winter die traurige Bilanz zusammen. Der Historiker von der Universität Leipzig war Gastredner bei der Gedenkveranstaltung im Belower Wald und stellte einem interessierten Publikum seine Forschungsergebnisse zum Thema Todesmärsche vor. Dabei lag sein Fokus besonders auf der Beteiligung deutscher Militärs und Zivilisten.

Als Beispiel beschrieb er das Schicksal von vier Häftlingen, die sich im April 1945 in Herzsprung versteckt hatten. Sie seien dort in einer Scheune entdeckt, verraten und letztlich ermordet worden. Doch nicht alle waren Täter, wie Winter klarstellte. „Auch Deutsche haben geholfen.“ So hätten parallel dazu drei Flüchtlinge bei Einheimischen Unterschlupf gefunden und auf diese Weise den Todesmarsch überlebt.

Bedürfnis, sich dem Thema zu stellen

„Herzsprung steht exemplarisch für einen der vielen Orte, die auf der Route solcher Todesmärsche lagen“, sagte der Historiker, der dieses Thema in seiner Dissertation genauer beleuchtet. Täter seien nicht nur indoktrinierte Nazis gewesen, sondern auch ehemalige KZ-Häftlinge, die als Hilfswachen die Märsche beaufsichtigten. „Dass ich heute hier spreche, und nicht ein Überlebender, zeigt, wie weit der Bruch in unserer Erinnerungskultur bereits fortgeschritten ist“, mahnte Winter.

Zur Gedenkstätte im Belower Wald hat der Leipziger übrigens eine ganz besondere Beziehung, wie er verriet. „Ich habe dort vor Jahren mal ein Praktikum absolviert“, sagte er und betonte die Bedeutung des Ortes als bundesweit bislang einzige Gedenkstätte, die über das Thema Todesmärsche informiert.

Nach seinem Vortrag kam Winter mit seinen Zuhörern ins Gespräch. „Kann man die Situation damals überhaupt aus heutiger Sicht beurteilen“, wurde auch kritisch hinterfragt. „Die Geschehnisse bewegen die Menschen hier noch heute“, stellte der Historiker fest. Es gebe offensichtlich ein Bedürfnis, dazu Stellung zu beziehen. Und genau das sei es, was Winter mit seiner Forschung erreichen wolle.

Von Christian Bark

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