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Ben Sands sang in Musikscheune

Vielitz Ben Sands sang in Musikscheune

Er singt nicht nur gut, er spricht auch gern. Nicht laut, nicht gestenreich – Ben Sands erzählt leise und mit Augenzwinkern zwischen seinen Songs, die allesamt von Irish Folk inspiriert sind. Er nimmt das Publikum mit auf eine Kaffee-Plauderrunde mit Musik. Schöner Musik. Seine Lieder schmeicheln sich sanft ins Herz. Am Sonntag verzauberte er die Besucher in der Vielitzer Musikscheune.

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Ben Sands ist ein Geschichtenerzähler – in Wort und Ton.

Quelle: Foto: Buddeke

Vielitz. Ben Sands erzählt Geschichten. Singend, redend, scherzend. Nie würde er sich einfach so hinstellen mit seiner Gitarre und ein Lied nach dem anderen absingen – im Gegenteil. Er webt das Publikum mit ein in seine Show, die man nicht Show, sondern lieber Kaffeekränzchen nennen möchte. Er zeigt den Leuten, dass er für sie singt, und mit ihnen. Er ist ein guter Freund – schon nach dem ersten Titel am Sonntag ist das klar. Die Gäste in der vollen Musikscheune in Vielitz wissen das zu schätzen und zieren sich nicht. Schon weil Ben Sands das Rattenfänger-Gen in sich trägt. Ihm zu widerstehen, fällt schwer. Dabei wirkt er, wie er da steht auf der Bühne, nicht wie ein großer Magier: eher wie der nette Nachbar, der mal eben vom Gartenzaun aus eingeladen hat zum Schwatz über Gott und die Welt.

„My deutsch is not the best“, gesteht er. Es sei schmerzlich für ihn, in Deutschland zu sein, ohne die Sprache zu sprechen, erzählt er freundlich – in Englisch. Aber es sei auch schwer, wenn es in beiden Sprachen Worte gebe, die gleich klingen und völlig unterschiedliche Bedeutungen haben. Das könne mitunter tödlich sein, meint er und nennt das Wort „Gift“ – was in Englisch Geschenk bedeutet. Und was zum Teufel sei ein Dingsbums?

Darauf hat er ein Lied geschrieben: „Bring me bei Hochdeutsch before I die“, singt er verschmitzt, das Publikum kichert amüsiert. Die meisten verstehen ihn auch so. Und Ben Sands hat, so gesteht er, eigentlich wirklich oft genug die Möglichkeit, Deutsch zu lernen. Vier bis fünf Mal im Jahr singt er in Deutschland, regelmäßig auch mit seiner Familie. Drei Brüder und eine Schwester hat er – zusammen sind sie die „Sands Family“. Die ist bekannt in seiner Heimat Irland – auch er selbst als Solist hat sich Rang und Namen erarbeitet.

Seit mehr als 40 Jahren steht er auf der Bühne. „Ich kenne Deutschland, auch den Ostteil“, sagt er. 1974 war er zum ersten Mal da, beim Festival des Politischen Liedes in Ost-Berlin. Da traf sich die Szene, dort hat er auch Hannes Wader kennengelernt, mit dem er befreundet ist, seitdem man gemeinsam einen Song in Plattdeutsch gesungen habe – den lässt er kurzerhand folgen: „Da du min leevsten bist“, singt er und das Publikum summt mit. Überhaupt hat er im Lauf der Jahre eine Menge deutsche Freunde gewonnen. Und deshalb singt er immer wieder deutsche Worte in seinen irischen Liedern, die er größtenteils selbst schreibt – inspiriert von Traditionals des Irish Folk. Zum Beispiel „Mein Vater war ein Wandersmann“ – bis nach draußen hört man das Publikum „Valderi, valdera, und schwenke meinen Hut“ mitschmettern. „Die Melodie ist in Irland ein Hit“, erzählt er. „Ich hatte keine Ahnung, dass es ein deutsches Lied ist.“

Manchmal wechselt er die Gitarre und greift zu „einer ganz kleinen. Meine Mutter hat sie zu heiß in der Maschine gewaschen“, scherzt er und singt eine zarte irische Weise: „Tanzen Sie, life is short“, wirbt er. Dann das Lied vom Schulmeister, der weder Schule noch Kinder mag und ihnen trotzdem Mathe beibringt. Auch hier erbittet sich Ben Sands wieder Hilfe beim Publikum – das tut er oft und sehr charmant. „Ihr seid so gute Sänger“, lobt er – wer will ihm da noch widerstehen? Er stellt frei, ob man in Englisch oder Deutsch die Zahlen des Liedes runter beten möchte – es klappt ganz gut im Endeffekt.

Es folgen zarte irische Balladen, Songs von seinem neuen Album „Troubadour on Tour“. Das Liebeslied „Komm, wie du bist“ – „Little bit for You to mitsing“, lächelt der freundliche Ire. „Sie werden besser, je schwieriger es ist“, meint er zwinkernd und verwickelt die Gäste in einen kleinen Zungenbrecher, bei dem er „hei“, die Gäste „di“ singen. „Nennen wir ihn Heidi“, so Sands. Und plaudert weiter über den Song, den er seiner Tochter zur Heirat schreiben wollte. Noch während des Hochzeitsdiners war er bemüht, das Lied zu beenden. Suppe, Hauptgang, Dessert zogen an ihm vorbei – „nothing for me – und I love Käsekuchen“, sagt er. Aber er musste den Song fertig schreiben – den trägt er dann vor: „Take my love with you“. Später Dann eine Melodie, die er einst hörte und die es überall gebe. Noten gleich, Rhythmus differiert. Er spielt sie auf irisch, dann auf schottisch. Nur in Deutschland habe er sie ewig gesucht. Bis dann irgendwann ein kleines Mädchen sie geträllert habe. Er führt es vor – das Publikum lacht erkennend und singt es mit, das Simasalabim-Lied vom Kuckuck. „Der Jäger muss zum Augenarzt“, trällert Sands die letzte Zeile gut gelaunt und kommt langsam zum Ende. Das Publikum ist auch gut gelaunt und hilft gern bei der Studie mit, ob in Brandenburg die Frauen oder die Männer lauter singen können.

Von Regine Buddeke

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