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Ostprignitz-Ruppin Berliner Band Rotfront rockt im Kornspeicher
Lokales Ostprignitz-Ruppin Berliner Band Rotfront rockt im Kornspeicher
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12:34 27.02.2018
Nix anbrennen lassen: Rotfront rissen im Kornspeicher Neumühle mit gut gelaunter Musik die Leute förmlich aus den Latschen. Quelle: Regine Buddeke
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Alt Ruppin

Endlich! Manni Neumann hat sich getraut. Der Kornspeicher-Betreiber hat sämtliche Stühle aus dem Saal geräumt. Das ging nicht bei Keimzeit, das ging nicht bei Big Fat Shakin’ und auch nicht bei Stacey Collins, der Lady auf dem Feuer-Stier. Alles heiße Bands mit großem Bewegungs-Potenzial. Nun wird Tacheles geredet: „Leute, das is’n Rockkonzert, kein Altenheim“, habe er all jenen gesagt, die ihn beim Betreten des Saales gefragt haben, wo sie sitzen sollen.

Die Helden des Abends heißen „Rotfront“. „Sie waren schon mal hier“, sagt der Gastgeber dem ausverkauften Saal. Wann? Manni Neumann kann sich nicht mehr erinnern. Die Band auch nicht. Schon beim ersten Ton ist das auch völlig egal. Und es wird klar, dass Stühle völlig überbewertet sind und im Fall der Multi-Kulti-Band völlig deplatziert.

Yuriy singt russisch. Quelle: Regine Buddeke

So bunt wie die Nationalitäten des Septetts – ukrainisch und ungarisch, tasmanisch, deutsch, österreichisch und bulgarisch – ist auch die Musik. Da mischt sich Klezmer mit Jazz, fetter Rock mit brasilianischer Cumbia. Da werden chassidische Gebetslieder zu ukrainischen Trinkliedern, versetzt mit kolumbianischen Beats.

Der ungarische Bassist hat ein Organ wie Tom Waits in seinen besten Rauchertagen. Mad Milian, der deutsche Sänger, kann den Rap, als hätte er bei Seeed gesungen. Das Bläsertrio – Posaune, Sax und Klarinette – krümmt sich überm Instrument und quetscht sich jederzeit genüsslich noch den letzten Atemzug aus der Lunge: der Sound dröhnt, quietscht, brüllt – mal hoch, mal tief – von allen Seiten auf die Trommelfelle.

Anheizen, bis der Boden bebt. Quelle: Regine Buddeke

Wo russisch gesungen wird, schimmert die Taiga durch und schwitzende Bären in Gummistiefeln, die Wodka trinken und stimmgewaltig Kalinka singen, bevor sie den Kasatschok tanzen. Yuriy Gurzhy ist der Mann für die russische Seele – er hat sich in Schale geworfen und sieht wie ein Klezmer-Musiker auf der Hochzeit aus. Wäre da nicht die extrabreite, extrarote Krawatte. Neben der – man sieht es, als ihm zu heiß fürs Sakko wurde – zwei Logos der Band prangen: Rotfront und Emigrantski Raggamuffin – das ist ein Album der Berliner, die insgesamt schon drei Platten aufgenommen haben.

Die Jungs machen Stimmung, mit Herzblut, Improvisationsgeist und Geschick am Instrument. Das Publikum ist kaum zu halten – es wird geklatscht, getanzt, gestampft und mitgesungen. Immer wieder peitscht der Rapper die Menge an, singt mal mit den Fans im krachigen Duett, mal mit dem Klezmer-Mann.

Duett: Rapper Mad (l.) und Klezmer-Mann Yuriy. Quelle: Regine Buddeke

Warum man Rotfront heiße? „Weil das Wort mehrere Deutungen zulässt“, verrät Yuriy. Er denke bei dem Namen zum Beispiel immer an die gleichnamige Moskauer Schokoladenfabrik, in der zu Ostzeiten 70 Prozent aller sowjetischen Süßigkeiten hergestellt wurden. „Die jungen Leute heute denken an Rote Armee Fraktion. Oder an die Rote Armee“, so Yuriy.

Letzendlich ginge es eben um die vielfältige Auslegung – auch der Musik. Musik, die Spaß macht und zeigt, dass die verschiedenen Genres bestens miteinander klingen. Man sei eine bunt gemischte Truppe und mache bunt gemischte Musik. „Eine, die zeigt, wie harmonisch der Austausch der Kulturen funktionieren kann“, sagt Yuriy. „Es gibt so viele Grenzen auf der Welt. Wir wollen etwas machen, was die Menschen vereint.“

Ohne Gnade: Der Sound geht in jeder Note ins Blut und in die Beine. Quelle: Regine Buddeke

Dann geht es weiter: ein Song über den Zug Berlin – Kiew, ein Song für einen Film namens Hochzeitspolizei. „Die kam, weil es Probleme gab“, erklärt Yuri. „Mit einem russischen Fußballfan und einer deutschen Dragqueen.“ „German Girl“, dann „German dance“. „Clap your Hands“ intoniert der Rapper. Klatschen ist nicht genug. Der Boden bebt, als gebe es kein Morgen. Dafür gibts aber Zugaben.

Von Regine Buddeke

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