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Ostprignitz-Ruppin Landpartie mit Hindernissen
Lokales Ostprignitz-Ruppin Landpartie mit Hindernissen
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18:22 11.09.2018
Das Musikerpaar Annette Herrmann und Tobias Siebert aus Berlin sucht ein Quartier auf dem Land. Quelle: Foto: Anja Reinbothe-Occhipinti
Neuruppin

Zwei lange Jahre suchen Annette Herrmann und ihr Mann Tobias Siebert schon nach einem geeignete Objekt auf dem Land. Zwei Jahre voller Hoffnungen und voller Enttäuschungen.

Eine alte Brikettfabrik, Kornspeicher, Bauernhöfe und Gemeindehäuser haben sie sich angesehen, von der Lausitz bis hoch nach Mecklenburg-Vorpommern.

Was Passendes war bisher nicht dabei. Herrmann und Siebert kommen aus Berlin und suchen nach einem Ort im Grünen, an dem sie arbeiten und leben können. Sie schauen sich auch in der Prignitz und im Ruppiner Land um.

Seit 20 Jahren im Musikgeschäft

Seit 20 Jahren ist das Paar erfolgreich im Musik- und Kulturbereich tätig und hat das Label Loob gegründet. Tobias Siebert betreibt seit 2001 als gefragter Produzent sein eigenes Tonstudio in einer 350 Quadratmeter-Loftetage in Berlin- Kreuzberg.

Über 70 Schallplatten hat er mit Künstlern aus allen Teilen Deutschlands und Europas aufgenommen. Unter anderem ist er Soundverantwortlicher von Bands wie Juli, Kettcar und Sofaplanet oder dem Sänger Michael Schulte, der für Deutschland beim diesjährigen Eurovision Song Contest antrat.

„Berlin war für uns wichtig, um Kontakte aufzubauen“, sagt Annette Herrmann im MAZ-Gespräch. Eine dicke Kartei hätten sie nun, die Hektik einer Großstadt dazu. „Mir ist es zuviel hier, es ist sehr unfreundlich geworden und es hat sich eine Erschöpfung bei uns eingestellt.“ Daher wollen sie raus aus Berlin und vor den Toren der Hauptstadt ihre Existenz weiterentwickeln.

Momentan ist der Berliner Balkon der Garten

Ihr Mann Tobias wurde 1976 in Berlin geboren, wuchs aber in Stolzenhagen (Barnim) auf. Das Landleben mit all seinen Tücken kennt er, und seine Frau möchte sich ihm von Herzen anschließen. „Mitten in die Natur, weg vom Stress der Stadt“, wie sie findet. Im Moment sei ihr Balkon in der Wohnung in Berlin-Prenzlauer Berg ihr Garten.

Seit zwei Jahren jagen Annette Herrmann und ihr Mann nun dem Traum vom Leben auf dem Land hinterher.

„Wir möchten Bands für Aufnahmen auf das Land bringen. Die Anfragen sind da“, sagt die Künstlermanagerin.

Angefangen hatten Annette Herrmann und Tobias Siebert bei ihrer Suche vor zwei Jahren in den klassischen Medien, Tageszeitungen und Immobilienportale durchstöbert, Anzeigen geschaltet. „Schnell haben wir festgestellt, dass 90 Prozent der Immobilien entweder einen Haken haben oder zu teuer sind“, meint Herrmann.

Alle Gemeinden angeschrieben

„Also haben wir einen neuen Weg gesucht und so gut wie alle Gemeinden angeschrieben“, berichtet die Kulturmanagerin. „Schon kurze Zeit später erreichte uns von allen Seiten ein herzliches Willkommen. Wir waren gerührt.“ Nur leider haben viele Gemeinden kaum noch Immobilien, dafür aber gute Ideen und Kontakte. Bürgermeister, Bauamtsleiter, Ortsvorsteher, alle wollten helfen, etwas zu finden.

Sie seien Tage unterwegs gewesen, erzählt Herrmann, unter anderem auch in Neuruppin, wo Künstler aus der Region gefragt worden wären. Dankbar hätten sie sich alles angeschaut, berichtet Annette Herrmann: „Viele interessante Menschen haben wir kennengelernt und auch traurige Geschichten gehört. Nur unser Haus war nicht dabei.“

In Putlitz wäre es dann doch beinahe soweit gewesen. „Es war das letzte Grundstück in einer Sackgasse und sehr interessant. Als wir zum zweiten Gespräch da waren, wurde uns jedoch gesagt, dass es verkauft sei.“ Von Enttäuschung kann Annette Herrmann mittlerweile ihr eigenes Lied singen. Die Prignitz würde ihnen gut gefallen, vor allem nahe der Elbe.

Toller Hof – schlechtes Karma

Gerade kommen sie von einer Besichtigung in der Gegend zurück. „Der Hof war ein Traum. Da der Grund des Verkaufs aber eine Scheidung ist und nicht alle Parteien verkaufen möchten, wäre es schlechtes Karma, wie bei einer Zwangsversteigerung“, findet Herrmann und schwärmt : „Auf dem Rückweg sind wir durch Perleberg. Das hat uns sehr gefallen.“

Das Berliner Paar gibt nicht auf. Immerhin möchte es auch Land und Stadt miteinander vernetzen, verrät Annette Herrmann: „Im Bereich Pop und Jazz könnten wir uns vorstellen, ein jährliches Festival in der Region auszurichten und ein paar Konzerte.“

Ihr Mann Tobias sei selbst ein Ein-Mann-Orchester und tritt mit seinem Projekt „And The Golden Choir“ auf. Phono-Pop, wie er seine Musik umschreibt. Warum also nicht in der eigenen Scheune vor Publikum singen? „Wir möchten das Potenzial auf dem Land und vom Objekt ausschöpfen“, fasst es Herrmann zusammen.

Von Anja Reinbothe-Occhipinti

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