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Berührende Lesung mit Alexander Latotzky

Wusterhausen Berührende Lesung mit Alexander Latotzky

Mit einer berührenden Lesung begann am Mittwochnachmittag die „Literaturcafé“-Saison 2017 in Wusterhausen. Alexander Latotzky stellte dort sein Buch „Kindheit hinter Stacheldraht“ vor. Es beschäftigt sich mit einem der schlimmsten Kapitel der Nachkriegsjahre.

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Alexander Latotzky bei seiner Lesung.

Quelle: Wolfgang Hörmann

Wusterhausen. Das erste „Literaturcafé“ dieses Jahres, zu dem die Wusterhausener Bibliotheksleiterin Kerstin Jonas am Mittwochnachmittag im Herbst’schen Haus zahlreiche Gäste begrüßte, war eine sehr bemerkenswerte Veranstaltung. Dominierte in den zurückliegenden elf Ausgaben der Reihe zumeist leichte literarische Kost, so beleuchtete der aktuelle Autor eine bedrückende Seite der Vergangenheit. Sie dürfte den meisten bis dato unbekannt gewesen sein. Alexander Latotzky, zu Hause in Berlin und Kolrep, stellte das Ergebnis einer Forschungsarbeit vor. Sie mündete in seinem Buch „Kindheit hinter Stacheldraht“ und beschäftigt sich mit einem der schlimmsten Kapitel der Nachkriegsjahre.

Latotzky wurde 1948 im Zuchthaus Bautzen geboren. Seine Mutter sollte hier, im damaligen Sonderlager Nr.1 der russischen Staats­sicherheit, eine 15-jährige Haftstrafe wegen angeblicher Spionage verbüßen. Nach drei Monaten wurden Mutter und Kind in das ehemalige KZ Sachsenhausen verlegt, nun ebenfalls ein Sonderlager.

Gefangene der DDR-Justiz

Es gab bis 1950 zehn solcher Stätten der Allierten, im Osten unter sowjetischer Aufsicht. Dazu zählte auch Buchenwald bei Weimar. Als sie aufgelöst wurden, galten viele der Frauen als politische Gefangene der DDR-Justiz. Sie kamen in das berüchtigte Gefängnis Hoheneck.

Alexander Latotzky wollte am Mittwoch nicht sein eigenes Schicksal in den Mittelpunkt stellen. Stattdessen gehe es darum, was abertausende Menschen, die grundlos inhaftiert wurden, erleiden mussten. Es waren Mütter, denen man ihre Kinder nahm, Opfer, die unsägliche Qualen erleiden mussten, sagte der Autor. Der 69-jährige ­pensionierte Lehrer las aus Biografien von drei Frauen, die ähnliche Schicksale durchleiden mussten, wie seine Mutter. Deshalb hat deren Biografie doch etwas Exemplarisches.

Über das Geschehene sollte allzeit Stillschweigen herrschen

Wenn man im geschilderten Trauma überhaupt von einem guten Ende sprechen darf, dann ist auch das relativ zu sehen. Die Mutter und ihr Sohn, der zwischenzeitlich in einem Leipziger Kinderheim untergebracht worden war – namenlos als ein „Kind der Landesregierung“, wie es offiziell hieß – kamen später wieder zusammen. Sie wurden in den Westen Deutschlands abgeschoben. Über das Geschehene sollte allzeit Stillschweigen herrschen. Die Frau starb 1967.

Aber Alexander Latotzky fand seinen Vater wieder. Der einstige sowjetische Wachsoldat, als 17-Jähriger zur Zwangsarbeit nach Deutschland verschleppt und später Rotarmist, wurde einen Tag vor Alexanders Geburt wegen seiner Liebe zu einer Deutschen in einen Gulag nach Sibirien verbannt. Er überlebte. Im Verlauf der Forschungen fand sein Sohn auf einer der Listen den Namen des tot geglaubten Mannes. Im Jahr 2000 kam es zur ersten Begegnung.

Ein Buch steht in Wusterhausen zur Ausleihe bereit

Alexander Latotzky hat bei seinen Recherchen mehr als 100 Namen von Kindern hinter Stacheldraht gefunden. Ein Teil von ihnen schrieb seine Erinnerungen auf und stellte sie für Veröffentlichungen zur Verfügung. In der Wusterhausener Bibliothek liegt ein Exemplar von „Kindheit hinter Stacheldraht“ zur Ausleihe bereit.

Weitere Informationen, auch zum gleichnamigen Verein, unter www.kindheit-hinter-Stacheldraht.de

Von Wolfgang Hörmann

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