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Besitz von Kinderpornografie: Mann verurteilt

Neuruppin Besitz von Kinderpornografie: Mann verurteilt

Aufhören konnte er nicht. Immer weiter suchte ein heute 31-jähriger Kyritzer im Internet nach kinderpornografischem Material und sammelte massenhaft Daten. Das Amtsgericht Neuruppin verurteilte ihn am Donnerstag zu einer Bewährungsstrafe. Wichtige Auflage: Er muss eine Therapie machen.

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Über einen speziellen Browser kam der Angeklagte an immer neues kinderpornografisches Material.

Quelle: dpa

Neuruppin. Er kündigte sein Internet, gab sein Smartphone weg. Nachdem die Polizei im Dezember 2012 Computer und Festplatten mit kinderpornografischen Dateien in seiner Wohnung beschlagnahmt hatte, verordnete sich Jens R. einen radikalen Verzicht. Nur so glaubte der heute 31-Jährige seine Neigungen beherrschen zu können. Besitz und Speichern von kinderpornografischen Dateien in 56 Fällen warf ihm die Staatsanwaltschaft schließlich vor. Am Donnerstag verurteilte das Neuruppiner Amtsgericht den Kyritzer zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten. Zudem soll sich der Maschinenanlagenführer binnen sechs Monaten einem Sexualtherapeuten vorstellen und eine Therapie beginnen.

Am Anfang, so R., sei er im Internet zufällig auf kinderpornografisches Material gestoßen. Später suchte er ganz gezielt. Um seine Spuren im Netz zu verwischen, benutzte er einen speziellen Browser. Zugleich führte ihn der Tor-Browser ins so genannte Darknet, das normalen Internetnutzern gar nicht zugänglich ist. Auf der Suche nach Bildern und Videos sei R. „vergleichsweise professionell“, so der Richter.

Die Praktiken wurden immer härter

Die Kinder auf den Bildern wurden immer jünger, die Sexpraktiken härter. Über die Schicksale der Kinder, die zu sehen waren, machte R. sich durchaus Gedanken. Allerdings erst hinterher. „Ich habe mich danach schlecht gefühlt, ziemlich schlecht“, sagt R. „Am nächsten Tag ging es aber wieder von vorne los.“ Über eineinhalb Jahre – laut Anklageschrift von Juli 2011 bis Dezember 2012 – sammelte der damals arbeitslose junge Mann Daten. „Ich weiß nicht warum, warum auch immer“, sagt er. Mehr als 70 000 verdächtige Dateien sammeln sich schließlich an. Die Polizei wertet nur einen kleinen Teil aus.

Die Ermittler entdeckten auch eine englische Anleitung, die minutiös schildert, wie man ein Kind missbraucht. Seine Englischkenntnisse seien nicht gut, sagt der Angeklagte. Er habe die Anleitung nicht lesen können. „Ich weiß nicht, was da drin steht.“

Der Angeklagte sammelte regelmäßig und intensiv

Der Staatsanwalt warf R. vor, „in großer Regelmäßigkeit und recht intensiv“ kinderpornografisches Material gesammelt zu haben. Anders als in vergleichbaren Fällen habe R. nur wenig nach so genannten Posing-Bildern gesucht – bloßen Nacktbildern von Kindern. Die Ermittler hätten vielmehr eine Menge Bilder gefunden, „wo es richtig zur Sache geht“.

Bedenklich fand der Staatsanwalt auch, dass R. zwischenzeitlich als Hausmeister in einer Kita arbeitete und diese Tätigkeit nicht als riskant einschätzte. „Das sind schließlich die Objekte ihrer Begierde“, so der Ankläger. In seinem Plädoyer empfahl er deshalb unbedingt eine Therapie. „Ohne Hilfe geht es nicht.“

Erster Anlauf für eine Therapie scheiterte

Ein Jahr und zehn Monate auf Bewährung, eine Therapie und eine Geldstrafe von 1200 Euro, die an den Deutschen Kinderschutzbund zu entrichten sind – dieses Strafmaß schlug der Staatsanwalt vor. Richter und Schöffen schlossen sich dem an. Vor Gericht hatte R. alle Vorwürfe zugegeben. Sein Engagement als Trainer hat der gelernte Fliesenleger, der auch in einem Freibad gearbeitet hat, aufgegeben. Auch um eine Therapie hat er sich bemüht. Als ihm das Therapienetzwerk „Kein Täter werden“ mitteilte, dass man ihm keine schnelle Hilfe anbieten könne, unternahm R. nichts weiter. Allerdings ist er durchaus bereit, eine Therapie zu machen. „Definitiv, sofort“, sagt er. Auch sein Anwalt ist davon überzeugt: „Mein Mandant würde das als ein Hilfsangebot betrachten.“

Von Frauke Herweg

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