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Ostprignitz-Ruppin Besondere Begegnung zweier Kunstfreunde
Lokales Ostprignitz-Ruppin Besondere Begegnung zweier Kunstfreunde
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00:17 05.08.2016
Siegfried Matthus bedankt sich bei Brigitte Kottler. Quelle: Wolfgang Hörmann
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Läsikow

Klar doch: Die schicken Frauen und die schneidigen Männer mit den schönen Stimmen standen am Sonntag in Läsikow im Mittelpunkt beim Benefizkonzert mit den Künstlern der Rheinsberger Kammeroper um Frank Matthus.

Zu Beginn richtete Frank Matthus die Aufmerksamkeit der Zuschauer aber auf eine Frau, die auf einer der hinteren Bankreihen saß. Der künstlerische Leiter der Kammeroper bat die Seniorin nach vorne – so wie er es zuvor mit ihr abgesprochen hatte.

Im Stoffbeutel befand sich ein dicker Ordner

Frank Matthus war vor Konzertbeginn – genau wie eine Frauenrunde aus Wusterhausen – auf Brigitte Kottler aus Lüchfeld aufmerksam geworden. Die 84-Jährige trug in einem grauen Beutel ein ziemlich eckiges Mitbringsel bei sich. Im Stoffbeutel befand sich ein dicker Ordner. Obwohl der Konzertbeginn nahte, konnte sich der Rheinsberger den Erklärungen nicht entziehen – und wollte es auch gar nicht. Brigitte Kottler erzählte ihre Geschichte.

Sinngemäß geht die so: Ihr Mann Werner wurde in den 1960ern aus dem Sächsischen ins Brandenburgische versetzt, um die Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft (LPG) in Lüchfeld auf Vordermann zu bringen. Wildberg und Lüchfeld fanden sich später in einer KAP wieder. Hinter den drei Großbuchstaben verbirgt sich die Kooperative Abteilung Pflanzenproduktion. Das ist an sich heute bedeutungslos, hätten nicht eben beide Genossenschaften so Mitte der 1970er Jahre einen Patenschaftsvertrag mit der Komischen Oper in Berlin abgeschlossen. Künstler kamen aufs Land, guckten sich Ställe und Felder an – man konnte nie wissen, wofür das gut war.

Der Ehemann dokumentierte die Fahrten

Die Bauern erhielten im Gegenzug Einladungen zu jeder neuen Opernaufführung. „Freilich sind wir hingefahren, immer so um die 30 Männlein und Weiblein, ­piekfein herausgeputzt im Aufbau“, begeisterte sich Brigitte Kottler noch nachträglich. Unter „Aufbau“ muss man sich einen Kasten mit Scheiben vorstellen, der, auf einen ­Lastkraftwagen montiert, dem Personentransport diente. Je nach Anlass konnte man damit zum ­Kartoffelsammeln oder zum ­Kulturereignis fahren. Man durfte kurz und bündig Bus dazu sagen – wenn es denn einer gewesen wäre. Dem Spaß tat der rustikale ­Wagen­aufbau bei den Touren in die Hauptstadt keinen Abbruch. Und weil es alle immer so toll fanden, dokumentierte Werner Kottler ­ ­alles, was mit Kultur im Allgemeinen, vor allem aber mit Komischer Oper im Besonderen zu tun hatte.

Siegfried Matthus, der Vater von Frank Matthus, kam damals als Dramaturg in dem Musiktheater häufig in den Zeitungen vor und somit auch in der Sammlung von Werner Kottler. Neulich habe sie angefangen, Ordnung zu machen. Man müsse sich schließlich auch mal von was trennen können, sagte Brigitte Kottler. Den Matthus-Ordner legte sie sicher zur Seite. Den müsste ich ihm eigentlich geben, ging es der Rentnerin durch den Kopf. Als sie vom Konzert in Läsikow las, schien ihr die Gelegenheit günstig. Wenigstens Frank Matthus würde sie da treffen. Der könnte die gesammelten Erinnerungen ja an seinen Vater weiterreichen.

Herzliche Unterhaltung unter Kunstfreunden

Matthus junior fand das Gehörte spannend. „Wir werden meinen Vater überraschen, er ist nämlich hier“, versprach er Brigitte Kottler vor Konzertbeginn und bat sie dann, wie verabredet, nach vorne. So kam es zu einer nicht geplanten Begegnung vor aller Augen und nach dem Konzert zur herzlichen Unterhaltung zwischen zwei Freunden der Kunst. Der MAZ ­verriet die Frau aus Lüchfeld: „Beim Aufräumen könnte sich noch viel mehr Interessantes finden. Da stehen noch etwa 2000 Dias. Die habe ich noch nicht mal angefasst.“

Von Wolfgang Hörmann

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