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Ostprignitz-Ruppin Best of Club der toten Dichter im Kornspeicher
Lokales Ostprignitz-Ruppin Best of Club der toten Dichter im Kornspeicher
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13:17 14.10.2017
Reinhardt Repke (l.) ist der Vater des Projekts, Dirk Zöllner (r.) der Solist des Heine-Programms. Quelle: Regine: Buddeke
Alt Ruppin

„Es ist das besonderste Konzert, das wir je gemacht haben“, sagt Kornspeicher-Chef Manfred „Manni“ Neumann und Freude und Aufregung springen ihm aus jeder Pore. „Was hier in den letzten zwei Probentagen abgegangen ist, war der Wahnsinn“, schwärmt er. Und in der Tat ist das Best-of des „Clubs der toten Dichter“ schon eine Klasse für sich. Nicht nur, dass der „Vater“ des ehrgeizigen Projekts, Reinhardt „Max“ Repke mittlerweile ein komplettes Jahrzehnt „seine“ Dichter neu vertont und vom Sockel auf die Bühne bringt – er holt sich dafür auch immer wieder neue Protagonisten. Fünf Dichter hat er sich bereits vorgenommen, tausende Seiten Lyrik gewälzt, gut hundert Songs geschrieben und auf CD veröffentlicht: Heinrich Heine, Wilhelm Busch, Rainer Maria Rilke, Friedrich Schiller und Charles Bukowski – der zwar nicht auf deutsch schrieb, aber deutsche Wurzeln hat und im Rheinland geboren wurde. Alle sind mehr oder weniger lange tot – das besagt bereits der Band-Name. Und alle leben in ihren Texten weiter. Max Repke legt noch einen drauf – und macht sie dank seiner Musik auch für Nicht-Lyrik-Fans erlebbar.

Dirk Zöllner, Katharina Frank, Dirk Darmstaedter und Peter Lohmeyer sind die Solisten von Heine, Rilke, Schiller und Bukowskis. Norbert Leisegang als Busch wird von Reinhardt Repke und der Band vetreten. Repke vertonte in zehn Jahren fünf Dichter.

Es nimmt nicht Wunder, dass das Konzert am Samstag – trotzdem die Tickets nicht eben billig waren – schon lange vorher restlos ausverkauft war. So ausverkauft, dass Manni Neumann zur Generalprobe am Freitag bereits vorab etliche Sponsoren, Helfer und langjährige Getreuen einlud. „Viele von euch machen mir das Leben leichter und das hier erst möglich“, dankt er den mehr als hundert Gästen. „Es ist eine unglaubliche Band, die hier steht. Dazu vier Alpha-Tiere als Gastsänger.“ Tolle Musiker – und tolle Menschen. Repke sei ihm einst ein wunderbarer Liebeskummer-Berater gewesen. Er habe beim Programm Gänsehaut gehabt, gelacht, war berührt. „Habt Gänsehaut, heult und lacht“, ruft er dem Saal zu.

Den Anfang macht Dirk Zöllner, der Mann für den Heine. „Phantasie, die schäumend wilde, ist des Minnesängers Pferd, und die Kunst dient ihm zum Schilde, und das Wort, das ist sein Schwert“ beginnt der Reigen und steht gleichsam als Motto des Abends.

Es gibt bereits fünf Programm des Projekts „Club der toten Dichter“

Wie es zum Projekt gekommen sei? „Ich hatte vor zehn Jahren Liebeskummer – als ich noch kein Berater war.“ Damals sei ihm ein Heine-Gedichtband in die Finger gekommen – mit „Ich hab im Traum geweinet“. Es war die Initialzündung – in zehn Minuten stand die Idee zur unendlichen Geschichte des Clubs der toten Dichter. Das Gedicht war das erste, das Repke vertont hat. Zöllner, der Mann mit der harten Schale und der rauen Stimme, war schnell gewonnen. Er singt das bitter-süße Lied zwischen satten Gitarren und kernigen Drums: wie ein Rocker, der weint. Ein schöner Kontrast zu den schwärmerisch-vergeistigten Heine Texten: „Loreley“ oder „Ich liebe eine Blume“. Da wird die Seele zum Körper. Die Poesie irdisch. Reinhardt Repke erzählt eine Anekdote, als man ein Heine-Gedicht an dessen Grab in Paris gesungen habe. „Das Fräulein stand am Meere“ – dann klappt Zöllner seinen Hocker zusammen und macht Platz für Wilhelm Busch. Norbert Leisegang kann leider nicht dabeisein – seinen Gesangs-Part übernehmen Repke und die wunderbaren Musiker: Marcus Runzheimer am Bass, Tim Lorenz am Schlagzeug und Andreas „Spatz“ Sperling am Keyboard. „Seit Rilke spielen wir in dieser Besetzung“, erklärt Repke. „Spatz’ Eltern haben mich adoptiert.“ Die Busch-Texte sind hintersinnig und spitz. „Wo Heine Liebeskummer war, ist Busch Zahnweh“, sagt Repke. Die Idee kam ihm beim Umzug, als er Bücherkisten schleppte, obenauf lag ein Wilhelm-Busch-Band.

Club-“Vater“ Reinhardt Repke hat rund 100 Gedichte neu vertont

Erst seelenvoller Dreivierteltakt, dann bitterböser Text über Onkel Caspars rote Alkoholiker-Nase. „Selbstkritik“ groovt wie ein Polka-Marsch-Mix, „Der Maulwurf“ weckt musikalische Keimzeit-Dejavus. Schnitt und Szenenwechsel. Katharina Francks unvergleichliche Stimme geht tief unter die Haut – kaum einer lässt Rilkes Schwermut so plastisch werden wie sie. „Die Einsamkeit ist wie ein Regen“, singt sie zart und kraftvoll zugleich. Das zieht ins Herz wie süßer Schmerz. Sie singt selbstvergessen die Dauerbrenner „Herbsttag“ und „Der Panther“.“Karussell“ klingt wie ein Spieluhr, die „Feuerlilie“ wiegt sich in Polkarhythmen. Auch Franck ist, wie die anderen, froh, Teil des Projekts zu sein. „Es ist wie Familie“, sagen die Musiker, sagt Manni Neumann. „Ihr seid wieder toll“, sagt ein Gast in der Pause zu einem der Musiker. „Ich freue mich, dass ich hier sein darf.“

Heine, Busch, Rilke, Schiller und Bukowski sind das Best-of-Programm

Dirk Darmstädter hüpft wie ein Stehaufmännchen auf der Bühne. Den Schiller singt er eher entspannt, die Band swingt locker mit zum „Liebesbündnis schöner Seelen“. „Freude schöner Götterfunken“ perlt locker wie ein Tropenlüftchen, dass man tanzen möchte – am Ende macht die Mundi den Rock, sie klingt sanft nach Reggae und Bob Dylan, bevor Peter Lohmeyer den Bukowski inszeniert. „Den wollte ich zum Durchschütteln“, so Repke. Lohmeyer ist der Richtige dafür. Der Mann ist Schauspieler, das spielt er weidlich aus. Er kniet sich voll rein, singt zur Spieldose, redet mit seinem Buddha, kniet, zuckt, hüpft. Und am Ende, bei der Schillers „Räuberlied“-Zugabe, ist er so drin im Bukowski, dass er blanken Hintern zeigt. „Lasst uns heute lustig sein“, singen alle. Längst passiert. „Du bist ein Glücklich-Macher“, sagt Manni Neumann zu Reinhardt Repke.

Von Regine Buddeke

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