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Besucherandrang im Kurt-Tucholsky-Museum

Auf ein Wiedersehen mit dem Kritiker Besucherandrang im Kurt-Tucholsky-Museum

Der Geist Tucholskys lebt in Rheinsberg, so viel ist klar. Dort lockt das Kurt-Tucholsky-Literaturmuseum jedes Jahr 30.000 Besucher mit mehr als 50.000 Erinnerungen an den Schriftsteller, der einst so sozialkritisch und satirisch bissig war. Wert wird auf Lebendigkeit gelegt, so wie in einer aktuellen Sonderexposition. Doch die ist bald wieder dicht.

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Quelle: Cornelia Felsch

Rheinsberg. Das ländliche Rheinsberg ist das Ziel von Claire und Wölfchen – das verliebte junge Paar, das dem Berliner Alltag entflieht. 1911 verlebte der junge Tucholsky in Rheinsberg ein amouröses Wochenende mit seiner Freundin Else Weil. 1912 trat der Publizist mit seiner Erzählung „Rheinsberg“ ans Licht der literarischen Öffentlichkeit. Wer an Claire denkt, hat wohl auch das spitzbübische Lächeln von Cornelia Froboess im Gedächtnis. Mit ihr wurde das Buch 1967 unter der Regie von Kurt Hoffmann in Deutschland verfilmt.

Auf einer Schreibmaschine diesen Typs arbeitete auch Kurt Tucholsky. Sie stammt aus den 1920er Jahren.

Quelle: Cornelia Felsch

Im Rheinsberger Kurt-Tucholsky-Literaturmuseum gibt es ein Wiedersehen mit Claire und Wölfchen auf dem Bildschirm. In einem kleinen abgedunkelten Raum können die Besucher den Ausflug des verliebten Großstadtpaares verfolgen, umgeben von Dokumenten, Fotos, persönlichen Gegenständen und zahlreichen Büchern des Dichters. Doch Kurt Tucholsky war kein Autor lieblicher Sommergeschichten. Zeitkritisch und oft beißend satirisch blickte er auf seine Zeitgenossen.

Erste Dauerausstellung in den Neunzigern

Vom Rheinsberger Club der Gewerkschaften, in dem 1980 die erste Tucholsky-Ausstellung eröffnet wurde, zogen die Exponate nach der Schließung des Sanatoriums in das Rheinsberger Schloss um. Am 5. Januar 1989 fasste die Rheinsberger Stadtverordnetenversammlung den Beschluss, im Schloss eine Tucholsky-Gedenkstätte zu errichten, der Rheinsberger Kunst- und Kulturverein hatte sich dafür stark gemacht. Der Germanist und Literaturwissenschaftler Peter Böthig erarbeitete das Konzept. Im Oktober 1993 konnte die erste Dauerausstellung eröffnet werden.

Das Museum hatte seine Arbeit mit 107 Inventarnummern begonnen, heute sind es schätzungsweise 50000 und mehr. In der Sammlung befinden sich etwa 50 originale Handschriften und Gegenstände aus dem Besitz Tucholskys. Ein Tintenfass, eine Tischglocke, ein Messing-Aschenbecher, eine Bleistiftschale und eine Reiseparfümerie sind einige der Reliquien, die Aufschluss über die Eigenheiten des Dichters geben. Das wohl bedeutendste Möbelstück in der Ausstellung ist Tucholskys Schreibtisch aus dem schwedischen Exil. Briefe und Handschriften, Zeitschriften, Fotos und Bücher lassen den Besucher in die Welt Tucholskys eintauchen. Ein schwedischer Fremdenpass, das Abiturzeugnis und sein handschriftliches Testament sind Schriftstücke aus verschiedenen Stationen seines Lebens.

Es soll so lebendig wie möglich sein

Mit der Ausstellung bemüht sich das Tucholsky-Literaturmuseum, den Geist Tucholskys an nachfolgende Generationen weiterzugeben. „Wir wollen ein lebendiges Museum sein“, sagt Peter Böthig. „Deshalb richten wir unsere Angebote an Jedermann, um zur Auseinandersetzung mit der Literatur anzuregen.“ Und das tun die Museumsmacher nicht mit verstaubten Gegenständen, sondern mit Führungen durch die Dauerausstellung und Lesungen.

Mehr als 250 Schriftsteller haben bisher im Museum aus ihren neu erschienen Büchern gelesen. Für die Rheinsberger und alle Besucher sind die Literaturabende eine Chance, neue Autoren kennenzulernen und auf Augenhöhe mit der Entwicklung auf dem Büchermarkt zu bleiben.

Sonderexposition zum 125. Geburtstags des Schriftstellers

Seit 2011 gibt es im Tucholsky-Museum eine neue Ausstellungsrubrik, das „Archivschaufenster“ für kurzfristigere, kleine aktuelle Sonderschauen. Außerdem vergibt das Museum jährlich an zwei Autoren ein Stadtschreiber-Stipendium.

In den Galerieräumen am Schloss, in denen Wechselausstellungen zeitgenössischer bildender Künstler gezeigt werden, ist gegenwärtig die Sonderexposition „Wo waren Sie im Kriege, Herr – ?“zu sehen. Die Schau ist Bestandteil des Programms zum Jubiläumsjahr. Kurt Tucholskys Geburtstag jährt sich zum 125. Mal und sein Todestag zum 80. Mal.

Ab Mitte September sind die Räume wieder den bildenden Künstlern vorbehalten. Dorothee von Windheim zeigt dann fotografische Arbeiten. Es ist eine der Ausstellungen, die jährlich in Zusammenarbeit mit der Berliner Akademie der Künste realisiert werden. Diese Kooperation besteht bereits seit 14 Jahren.

Von Cornelia Felsch

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