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Ostprignitz-Ruppin Besuchermassen beim Neuruppiner Oldiebasar
Lokales Ostprignitz-Ruppin Besuchermassen beim Neuruppiner Oldiebasar
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18:22 10.11.2013
Manfred Mau aus Karbow reist zu vielen Märkten. Sein Hanomag ist aber unverkäuflich. Quelle: Peter Geisler
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Neuruppin

Männer, die mit einem rostigen Speichenrad spazieren gehen – das ist normal auf dem 30.Neuruppiner Oldiebasar. Doch Hans Loths aus Werder fällt auf. Er hat wie immer die lederne Aktentasche unter dem Arm. Er öffnet sie und strahlt: Eine neue Treibstoffleitung für seinen Traktor ist drin. Hans Loths hat sie auf drei Euro heruntergehandelt.

„Guck mal, ob du noch ’ne Nockenwelle siehst!“, spricht ein Mann beim Vorübergehen ins Handy. Andere ziehen Handkarren voller Kotflügel hinter sich her. Oskar Baron und sein Neffe Jörg Schneider sind aus Frankfurt (Oder) angereist und fachsimpeln vor mehreren Kisten mit Metallschrott. „Das sind Teile von Jawa-Zylindern“, sagt Jörg Schneider. „Von einer 350er! Wenn du das nicht siehst, bist du hier falsch.“ Jetzt, wo er es sagt– klar.

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Was vor 30 Jahren in den Räumen des ehemaligen Kreis-Kulturhauses begann, hat sich zu einem der größten Märkte Deutschlands entwickelt. Am Wochenende zieht es wieder tausende Freunde alter Kraftfahrzeugtechnik zum Oldiemarkt nach Neuruppin, um zu verkaufen, sich umzusehen oder manche Rarität für das eigene alte Zweirad oder Auto zu erwerben.

15 Motorräder hat Jörg Schneider schon. Sein Onkel hat ihn zuerst mit der Schrauberei am Wartburg angesteckt und er dann mit der Liebe zu tschechischen Motorrädern. Zusammen sind sie nun am Sonnabend beim Einkaufsbummel. Was für den Laien wie Schrott aussieht – für Jörg Schneider ist es Rohmaterial. Mit der Schieblehre pfrüft er, ob das Eisenrohr noch stark genug ist zum Abschleifen. Seine Gewindelehre verrät ihm, ob an der Schraubverbindung jemand herumgepfuscht hat. Für die Ehe sei so ein Hobby prima, flachst der gebürtige Dierberger. „Von 34 Jahren Ehe war ich 17 Jahre in der Garage – deshalb funktioniert das auch.“

Rund 700 Händler hat die Organisatorin Monika Goldschmidt von der Arbeitsfördergesellschaft in diesem Jahr gezählt, 100 Helfer und viele tausend Besucher. Die Straßenränder entlang der B167 sind kilometerweit zugeparkt.

Werner Weiner hat nur einen kleinen Karton dabei. Alte Rennprogramme längst vergangener Rallyes, die einen neuen Liebhaber suchen. „Man kann ja nichts mitnehmen“, sagt der 79-Jährige. Im vergangenen Jahr hat er sein DKW-Motorrad verkauft – zu einem guten Preis. Auch daran hat er gehangen. Aber das Motorradfahren ist für „Windgesicht“, wie er im Internet-Forum heißt, vorbei.

Werner Weiner hat vor 30Jahren die Idee zum Oldiemarkt angeregt – als Mitglied des allgemeinen deutschen Motorsportverbandes der DDR. Zum ersten Teilemarkt kamen 25 Händler und rund 70 Besucher ins Neuruppiner Kulturhaus Stadtgarten. Seitdem veranstalteten die Vereinsmitglieder jedes Jahr einen Markt an wechselnden Orten – immer am zweiten Sonnabend im November, auch wenn es da meist kalt und nass war. Der Teilemarkt sollte eine Ergänzung des Martinimarktes und des Pferdemarktes sein – ein Vereinstreffen ohne kommerzielle Absichten.

Neuruppin wurde bald zum Synonym für den größten Oldie-Teilemarkt Ostdeutschlands. Aus Westberlin kamen heimlich Besucher auf der Suche nach Ersatzteilen für Vorkriegsmaschinen. Nach 1989 kamen Händler aus Polen und den Niederlanden. Manche schlafen unter freiem Himmel, um ihre Schätze nicht aus den Augen zu lassen. Immer wieder grüßen Vorbeigehende Werner Weiner. Nicht jedes Gesicht kann er zuordnen. In Tschechien ist er Rallyes gefahren, in Polen und in England. „Ich hab so viele Menschen kennengelernt“, sagt er entschuldigend. Seine Frau und Tochter Beate teilten seine Begeisterung und reisten mit – nicht zu ihrem Schaden: „Meine Tochter war immer sehr gut in Erdkunde.“

Von Christian Kranz

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