Volltextsuche über das Angebot:

0 ° / -6 ° wolkig

Navigation:
Betriebsausflug: die Fleischerei Dülfer

Neuruppin Betriebsausflug: die Fleischerei Dülfer

Neuruppiner gehen zu Dülfer, wenn sie Fleischer meinen. Seit 1966 ist der Traditionsbetrieb feste Größe in der Stadt. Was mit einem Ladengeschäft begann, ist heute ein Unternehmen mit 48 Mitarbeitern, sechs Filialen und dem Produktionsbetrieb in Neuruppin-Treskow. MAZ-Lesern gewährte der Chef am Mittwoch Einblicke ins Allerheiligste.

Voriger Artikel
Neue Baustelle ab Mittwoch
Nächster Artikel
Offenes Training auf des Reitvereins

Gerhard Stelly, nach eigenem Bekunden „Inventar“ der Firma Dülfer, führte die MAZ-Leser durch den Betrieb.

Quelle: Peter Geisler

Neuruppin. Wenn Gerhard Stelly anfängt, über Wurst zu sprechen, kennt er kein Halten mehr. Seit 1981 ist der Diplomingenieur für Fleischverarbeitung bei der Fleischerei Dülfer beschäftigt – inzwischen Dank des Rentenalters nur noch einen Tag pro Woche, aber mit Herzblut. Er hat in seinem Beruf viel erlebt. Dass er überdies über Entertainerqualitäten verfügt, die seinen fachlichen Ausführungen Biss und Würze verleihen, machte den Betriebsausflug zum Vergnügen.

6a1a51a6-a392-11e7-b4ec-506d3b985282

MAZ-Abonnenten einen Einblick in die Produktion von Betrieben aus der Region zu ermöglichen, ist Ziel der Veranstaltungsreihe „Der MAZ-Betriebsausflug“. Dieses Mal führte die Tour in den Fleischerei-Traditionsbetrieb Dülfer in Neuruppin.

Zur Bildergalerie

Exklusiv für MAZ-Leser öffnete am Mittwoch das traditionsreiche Familienunternehmen Dülfer die Pforten seines Verarbeitungsbetriebes: zehn Leser durften hinter die Kulissen schauen und quasi den Weg des Fleisches gehen: von der Anlieferung der Rinderviertel und Schweinehälften bis hin zum Speditionsraum und der Küche für den Partyservice. Es galt nicht nur, Wurst zu verkosten, sondern auch zuzusehen, wie sie hergestellt, gereift, gepökelt oder geräuchert wird. Mit dabei zur fünften Besichtigungstour innerhalb der Serie „Betriebsausflug“ der MAZ und der Regionalentwicklungsgesellschaft Nordwest-Brandenburg (REG) waren auch REG-Wirtschaftsreferent Christian Fahner und Kathrin Gottwald, Geschäftsführerin des MAZ-Regionalverlages Prignitz-Ruppin.

Der Betriebsausflug führt MAZ-Leser regelmäßig in Betriebe der Region

Die Fleischerei Dülfer ist in Neuruppin quasi in aller Munde – Vegetarier mal ausgenommen. Seit 1966 verarbeitete Firmengründer Burkhard Dülfer Fleisch und Wurst in der Neuruppiner Virchowstraße; im dazugehörigen Ladenlokal stand Dülfers Frau hinter der Verkaufstheke, die Kundschaft in langen Schlangen davor. Angefangen hat er mit einem Gesellen. Heute hat die Firma Dülfer 48 Mitarbeiter und sechs Filialen, vier in Neuruppin, eine in Alt Ruppin und eine in Fehrbellin.

Die Produktionsstätte in der Hermann-Riemschneider-Straße im Gewerbegebiet Treskow, Schauplatz des Betriebsausfluges, ging 1997 in Betrieb. Täglich wird hier mehr als eine Tonne Fleisch verarbeitet: Lamm und Rind aus Hakenberg, Schwein aus Wulkow. „80 Prozent aus der Region“, erklärt Firmenchef Matthias Dülfer, der das Lebenswerk seines Vaters weiterführt und dabei auf die alten Rezepte und die hausgemachten Würzmischungen setzt – die Rezepte sind natürlich streng geheim.

1966 wurde die Fleischerei von Burkhard Dülfer gegründet

„Unsere Spezialität ist Zervelatwurst mit Rum“, sagt Stelly und zieht zum Beweis die Flasche Rum aus dem Regal. Schon vor dem Rundgang löchert die aufgeweckte Schar MAZ-Leser Gerhard Stelly mit Fragen. 120 Sorten Roh-, Brüh- und Kochwürste gebe es im Sortiment, dazu 65 Sorten Fleischwaren, so ist zu erfahren. Stelly berichtet, dass man das Alter der Kuh und die geworfenen Kälber an den „Jahresringen“ der Hörner erkennen könne. Dass Dülfers zu DDR-Zeiten nur zehn Mitarbeiter beschäftigen durften – jeder darüber musste erst von oben genehmigt werden. Und dass damals noch alles vom Tier verkauft worden sei. „Aber wer kocht denn heute noch Brühe aus Knochenfleisch?“, fragt er. Doch – einige der Besucher tun das noch. Stelly ist überzeugter Fleischesser. Mit „Vogelfutter“ oder Veggie-Klößen, „so hart wie Boule-Kugeln“, macht man ihn nicht glücklich. Dann referiert mit flinker Zunge über Eiweißsorten im Fleisch, Fett und mehr. Fast muss der Firmenchef Matthias Dülfer drängeln. Bei Dülfer wird morgens um 5 Uhr angefangen, damit alles frisch in die Läden kommt. Am späten Vormittag ist die Tagesproduktion schon fast durch.

Heute gibt es sechs Filialen in und um Neuruppin

Der Weg des Fleisches beginnt mit der Hygiene: Häubchen, Füßlinge und Kittel sind für alle Besucher Pflicht. Und auch für die Mitarbeiter herrscht „Waschzwang“: „Wie im Krankenhaus“, erklärt Stelly in der Fleischannahme. Im Zerlegeraum hängen Schweinehälften am Haken, daneben ein ganzes Spanferkel. Der Experte erläutert, bis wann ein Spanferkel so genannt werden darf, erklärt Kronenfleisch und Nierenzapfen. Er demonstriert den Fleischschneider und die Abschwartmaschine und führt die Gäste durch den Kühlraum. Die Besucher gehen durch ein Wechselbad von Temperaturen und Gerüchen: Im Mett-Raum ist es bullig warm. Hier wird im Fleischwolf, später im Cutter Brät gemixt und gewürzt, das direkt im Anschluss den Wurstfüller geht. Hier ist Handarbeit gefragt. Die sogenannte Raupe wird aufgezogen – ein Teil, das wie eine große Salami aussieht und die den Darm für die Strangware enthält. „Die reicht für 25 Meter Wurst“, erklärt Stelly. In Nullkommanichts füllt sich der Tisch mit Würsten in verschiedensten Größen und Farben.

Die Wurst wird nach alten Familienrezepturen hergestellt

Im Räucher- und Brühraum stehen vier Universalkessel, in denen man trocknen, räuchern oder brühen kann. Ein kurzer Blick in die Gewürzkammer – dann gehts weiter in den Reiferaum. Stelly erklärt kurz, warum die Schlackwurst Schlackwurst heißt. Und dass die niemals im Kunstdarm stecken darf. Noch ein Abstecher in den Partyservice, wo kalte Platten, Buletten, Kohlrouladen, Salate und mehr zubereitet werden und noch einer in die Expedition. Auch dann haben die Gäste noch immer viele Fragen. Gerhard Stelly antwortet ausführlich auf alle Fragen. Fragen gehen auch an Matthias Dülfer, dessen Frau Ines und zwei seiner Schwestern ebenfalls im Familienunternehmen arbeiten. Und der 15-jährige Sohn ist bereit, einmal die Nachfolge zu übernehmen. Eines liegt Matthias Dülfer und Gerhard Stelly noch besonders am Herzen: „Wir suchen händeringend Leute. Facharbeiter mit bissl Muckis. Verkäuferinnen. Und sofort vier Azubis.“

Von Regine Buddeke

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Ostprignitz-Ruppin
123c76c4-dff8-11e7-a15f-f363db308704
Fontanestadt Neuruppin „damals und heute“

Neuruppin ist die Kreisstadt des Landkreises Ostprignitz-Ruppn. Der Ort erhielt 1256 das Stadtrecht und ist bekannt als Geburtsstadt von Schriftsteller Theodor Fontane und Baumeister Karl Friedrich Schinkel.

c001ffb8-fc5e-11e7-90a2-a388f9eff187
Kyritz damals und heute

Über ihre mittelalterlichen Grenzen wuchs die Knatterstadt erst im 19. Jahrhundert hinaus. Aber dann richtig: Die Stadt ist im steten Wandel begriffen. Viele alte Bauten mussten bis in die jüngste Zeit hinein neuen Ideen und Bedürfnissen weichen.

7d84d8be-fb68-11e7-b11f-9a7b802e86ee
Lindow damals und heute

Die MAZ lädt ein zu einer Zeitreise. Wir haben historische Ansichten von Lindow zusammengestellt und vom gleichen Ort aus wie damals heute noch einmal eine Aufnahme gemacht. Die Ergebnisse zeigt diese Bildergalerie. Die historischen Karten stammen aus dem Privatarchiv des Lindowers Udo Rönnefahrt.

MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg