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Bewährungsstrafe für bekennenden Kiffer

Netzeband Bewährungsstrafe für bekennenden Kiffer

Von Gesetzen hält er nicht viel, dafür umso mehr von Marihuana. Am Donnerstag ist in Neuruppin ein Kiffer zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden. Und das obwohl bei ihm eine so große Menge Marihuana gefunden wurde, für die er eigentlich ins Gefängnis hätte wandern können. Nun darf er auf Bewährung draußen bleiben, der 38-Jährige bekam aber eine deutliche Warnung mit auf den Weg.

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Quelle: picture-alliance/ dpa

Neuruppin. „Sie mögen die Gesetze für falsch halten, aber sie gelten auch für Sie“, sagte die Richterin Kathrin Reiter. Das Schöffengericht am Neuruppiner Amtsgericht verurteilte am Donnerstag den 38 Jahre alten Steffen O. wegen unerlaubten Besitzes von Cannabis zu einer Freiheitsstrafe von anderthalb Jahren. Diese wurde zur Bewährung ausgesetzt, zur sichtlichen Erleichterung des Angeklagten.

Über dreieinhalb Kilogramm Cannabis gefunden

Sein Haus und Grundstück in Netzeband hatte die Polizei nach einer anonymen Anzeige im Mai 2014 durchsucht. Dabei entdeckten die Beamten jede Menge Cannabis – Pflanzen, Blüten und Stängel. Es war so viel, wie ein Kriminalbeamter vor Gericht aussagte, dass ihre Digitalwaage nicht ausreichte und sie sich eine geeignete Waage besorgen mussten. Insgesamt 3,6 Kilogramm Cannabis wurden vom Landeskriminalamt untersucht. Der dabei bestimmte Wirkstoffgehalt lag bei 146,2 Gramm.

Mindeststrafe ein Jahr

Damit ist der vom Bundesgerichtshof festgelegte Grenzwert von 7,5 Gramm um mehr als das 19-fache überschritten, sagte Richterin Reiter. Das ist ein Verbrechen, für das eine Freiheitsstrafe von nicht unter einem Jahr vorgeschrieben ist. Es sei denn, es liegt ein minder schwerer Fall vor. Dafür sprach das umfassende Geständnis von Steffen O. Außerdem, dass die Tat lange zurückliegt und er nicht mit Drogen gehandelt hat. Dagegen sprach aus Sicht des Gerichts, dass er 2007 schon einmal wegen Drogenbesitz verurteilt worden war sowie die Menge der bei ihm gefundenen Drogen.

Staatsanwalt lehnte Bewährung ab

Für den Staatsanwalt, der ebenfalls eine Strafe von einem Jahr und sechs Monaten beantragt hatte, kam eine Bewährung nicht in Frage. Er sah bei Steffen O. keine günstige Sozialprognose. O. hatte am ersten Verhandlungstag ausgesagt, er habe aus dem Vorfall gelernt und baue nicht mehr selbst an. Nun besorge er sich in Neuruppin bei einem Dealer seinen Stoff. „Auch der Erwerb ist strafbar“, sagte der Staatsanwalt. Verteidiger Klaus-Dieter Miesbauer hielt seinen Mandanten für so etwas wie einen „Überzeugungstäter“. Er plädierte anhand der Persönlichkeit seines Mandanten für einen minder schweren Fall. „Von ihm geht keine Gefahr aus. Es ist sein Lebensstil, der mit unseren Gesetzen kollidiert.“ An die, das machte die Richterin sehr deutlich, muss sich auch Steffen O. halten, der sich selbst als bekennenden Kiffer beschreibt.

Noch einmal mit Cannabis erwischt, dann droht Gefängnis

Das Gericht entschied sich, die Strafe zur Bewährung auszusetzen, weil es den Eindruck gewonnen hatte, dass dem Angeklagten der Ernst der Lage nicht klar war. „Mir war bewusst, dass Cannabisanbau illegal ist, aber das ich dafür ins Gefängnis kommen kann war mir nicht bewusst“, sagte der gelernte Florist. Das wurde dem gebürtigen Bayer nun deutlich vor Augen geführt. „Cannabis ist für Sie nicht erlaubt. Werden Sie noch einmal erwischt, müssen Sie ins Gefängnis“, sagte Richterin Reiter. Er solle sich andere Mittel zur Bewältigungsstrategie suchen als Cannabis. Wie Steffen O. ausgesagt hatte, helfe Cannabis ihm, seine „hochsensible Persönlichkeit“ im Gleichgewicht zu halten.

Steffen O. wurde außerdem dazu verurteilt, 500 Euro an den Verein „Keine Macht den Drogen“ zu zahlen. Und er bekommt einen Bewährungshelfer zur Seite gestellt.

Von Dagmar Simons

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