Volltextsuche über das Angebot:

10 ° / 8 ° Sprühregen

Navigation:
Bilanz: Sommer mit sehr viel Sonne

Neuruppin Bilanz: Sommer mit sehr viel Sonne

Mit überdurchschnittlich vielen Sonnenstunden wartete dieses Jahr der Sommer in Ostprignitz-Ruppin und in der Prignitz auf. Der Meteorologe Thomas Hinz vom Deutschen Wetterdienst zählte 690 Sonnenstunden.

Voriger Artikel
Schüler reisen ins 17. Jahrhundert zurück
Nächster Artikel
Heftige Kritik an der Finanzpolitik

Meteorologe Thomas Hinz vom Wetterdienst in Potsdam.

Quelle: Privat

Neuruppin. Am 22. September ist kalendarischer Herbstanfang. Ein guter Anlass, mal über das Wetter zu reden – das gewesene und das kommende. Und zwar mit dem Meteorologen Thomas Hinz.

MAZ: Der Sommer ist vorbei, wir fanden ihn reicht durchwachsen und weniger sonnig als gewünscht. Wie war der Sommer aus meteorologischer Sicht?

Thomas Hinz: Wie schon in meinem Rückblick beschrieben, kam der Sommer hierzulande vielen sehr trocken vor. Das Defizit des gesamten Sommers betrug aber lediglich 25 Liter pro Quadratmeter. Das Problem war, das es schon im Frühjahr zu trocken war. Sprich, seit März waren alle Monate, mit Ausnahme des Juli, zu trocken. 17 Grad sollte die Durchschnittstemperatur eines Sommer in der Region sein, 18,4 Grad waren es in diesem Jahr. Um die Sonne war es nicht schlecht bestellt. Für Sonnenanbeter standen in den drei Sommermonaten 690 Stunden zur Verfügung. 660 müssten es eigentlich nur sein. Es gab auch schon mal 800 Sonnenstunden wie im Jahr 2006.

Ist das nur ein Gefühl oder meteorologisch belegbar, dass es früher mehr heiße Sommer mit sehr vielen Badetagen gab?

Hinz: Ich denke, das ist nur ein Gefühl! Für die Generation der heute über 50-Jährigen waren die Sommer im Rückblick doch immer heiß und zum Baden geeignet, und die Winter immer kalt. Das ist auch bei mir so. Was sollten wir in den 60er und 70er Jahren auch machen. Die Sommermonate wurden genutzt, auch wenn mal nur 18 Grad waren. Fast jeder Tag im Sommer war auch ein Badetag. Das ist heute nicht mehr ganz so. Die jungen Leute haben die Möglichkeit, sich mit anderen Dingen zu beschäftigten.

Warum liegen eigentlich der Kalendarische Herbstanfang und der meteorologische Herbstanfang nicht auf einen Tag?

Hinz: Ganz simpel, weil sich in der Meteorologie ganze Monate besser berechnen lassen, und sich so auch Jahreszeiten besser mitteln lassen.

Welcher Sommer in der Prignitz und im Ruppiner Land war in den Aufzeichnungen der heißeste, welcher der kälteste?

Hinz: 2003 war es. Der Sommer hatte fast 20 Grad im Durchschnitt zu bieten. 1962 gab es den kältesten Sommer. Juni, Juli und August kamen damals auf gerade einmal durchschnittlich 15 Grad.

Und in welchem Jahr gab es den meisten Regen?

Hinz: Nach meinen Unterlagen war es im Jahr 2007. In Neuruppin fielen knapp 760 Liter auf den Quadratmeter. In Kyritz waren es gar 960 Liter. Das sind fast Verhältnisse wie in Staulagen der Mittelgebirge. Leider erst 300 Liter sind in Neuruppin in diesem Jahr zusammen gekommen.

Alle reden vom Klimawandel. Spüren wir ihn schon?

Hinz: Das ist ein schwieriges Thema, über das man lange diskutieren kann. Klimawandel gab es in der Erdgeschichte im viel größerem Ausmaß schon immer. Die Frage ist nur, welchen Anteil hat der Mensch daran. Aber wer will zum Beispiel berechnen, wieviel Wärme die jetzigen acht Milliarden Menschen samt aller mit sich bringender Bequemlichkeiten gegenüber den Menschen im vorindustriellen Zeitalter abgeben?

Es gibt unzählige Bauernregeln über das Wetter. Ist das Rederei – oder ist an diesen Bauernregeln wirklich was dran?

Hinz: Etwas dran ist an den Bauernregeln immer. Viele sind durch langjährige Beobachtungen entstanden. Es gibt auch von Region zu Region andere Regeln. In Zeiten der Klimaveränderung werden die Bauernregeln meiner Meinung nach aber immer hinfälliger.

Nennen Sie mal ein paar Beispiele für Bauernregeln, die wirklich das Wetter vorhersagen können.

Hinz: Von Regeln, die eine hundertprozentige Trefferquote aufweisen, sind wir sehr weit entfernt. Es gibt im Laufe eines Jahres markante Wetterentwicklungen, die nicht an Regeln gebunden sind aber immer mal wieder auftreten . Bekannt sein dürften die Eisheiligen, die Schafskälte, der Altweibersommer oder auch das oftmals eintretende Weihnachtstauwetter.

Der September hat in der Prignitz und im Ruppiner Land ja nicht so schlecht begonnen. Es gab viel Wärme und viel Sonne. Wird das noch eine Weile so weiter gehen?

Hinz: Auch wenn die Vegetationsperiode zu Ende geht, wollen viele unter uns, dass es nun auch einmal vernünftig regnet. Unsere Region hatte in diesem Jahr bisher wirklich viel Pech. Selbst als es am vergangenen Samstag in Berlin und Brandenburg verbreitet 10 bis 35 Liter gab, blieben für uns wieder nur ein paar Tropfen übrig. Es geht nun erst einmal mit jahreszeittypischen Temperaturen weiter. Regen wird höchstwahrscheinlich Mangelware bleiben.

Wagen Sie mal einen Blick in die Zukunft: Was wird uns der Herbst aus Sicht der Meteorologen bringen? Werden wir uns auf einen schönen Altweibersommer freuen können?

Hinz: Was uns der Herbst bringt, würde ich auch gerne wissen. Solche Langfristprognosen stehen auf sehr wackeligen Beinen. Ich habe da nur so ein Bauchgefühl, das ich aber für mich behalte, sonst heißt es später noch: „Der Herr Hinz hat aber gesagt,...“

Wetterexperte Hinz

Thomas Hinz, 50, beobachtet das Ruppiner und Prignitzer Wetter schon seit langem. Er war viele Jahre in der Wetterstation Neuruppin tätig.

Bis Ende August war der Neuruppiner Wetterexperte im Messnetz und in der Radioaktivitätsüberwachung des Deutschen Wetterdienstes an verschiedenen Einsatzorten tätig.

Seit 1. September ist er als Sachbearbeiter beim Forschungs- und Entwicklungszentrum des Deutschen Wetterdienstes in Potsdam beschäftigt.

Interview: Kathrin Gottwald

Von Kathrin Gottwald

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Ostprignitz-Ruppin

Sollte Rauchen im Auto verboten werden, wenn Kinder dabei sind?

57811e88-cc1d-11e5-9fb5-3858ea6ed044
Babys aus Oberhavel (6)

Babys aus Oberhavel, Januar/Februar 2016

MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg